Kalt, rutschig, gnadenlos

Stelldichein von Österreichs Elite bei der Cyclocross-Staatsmeisterschaft in Bludenz.
Bludenz Es ist Winter in Vorarlberg. Die meisten Menschen machen es sich drinnen gemütlich, Radfahren wirkt wie eine ferne Erinnerung an wärmere Tage. Und doch wird Bludenz am Wochenende zum Schauplatz für jene, die sich von Regen, Kälte und sogar Schnee nicht aufhalten lassen: Österreichs Cyclocross-Elite trifft sich zur Staatsmeisterschaft (Sonntag, ab 9 Uhr) und zum Finallauf des Cycling Austria Cups (Samstag, ab 10 Uhr).
Mittendrin dabei steht Nora Fischer. Die 20-jährige RV-Dornbirn-Athletin zählt zu den Vorarlberger Hoffnungsträgerinnen. In den letzten beiden Jahren wurde sie jeweils Vize-Staatsmeisterin hinter der Tirolerin Nadja Hengl, im Nachwuchs kürte sie sich mehrmals zur österreichischen Meisterin. Diesmal will sie es wissen, und das, obwohl bis vor Kurzem nicht einmal feststand, ob sie überhaupt antreten kann.
„Jetzt habe ich das ärztliche Go“
Im Oktober stürzte Fischer und erlitt dabei eine Gehirnerschütterung. „Der Sturz selbst war gar nicht so wild. Ich hatte danach aber starke Einschränkungen beim Sichtfeld, das ließ einen Start bei den Wettkämpfen seit damals leider nicht zu“, erzählt sie offen. Wochenlang war unklar, ob die junge Sportlerin ihre Saison überhaupt fortsetzen kann. Doch nun ist klar: Sie darf. „Jetzt habe ich aber das ärztliche Go bekommen“, sagt sie hörbar erleichtert. „Die Strecke heuer ist super. Sie ist nicht so flach wie in den letzten Jahren, es geht ordentlich hinauf, und es soll ja noch ein bisschen Schnee kommen, dann wird’s richtig cool zu fahren“, freut sich Fischer auf die erste Staatsmeisterschaft am Sonntag in Vorarlberg.
Zwei Kilometer, 100 Höhenmeter
Der Rundkurs bei der BMX-Bahn in der Rungelingerstraße verlangt den Fahrerinnen und Fahrern alles ab. Zwei Kilometer, 100 Höhenmeter, Schlamm, Schnee, Wurzeln, steile Waldpassagen. Nach einem kurzen Abstecher über die tückischen Hügel und nach der selektiven Steilkurve auf der BMX-Bahn geht es vorbei am Dominikanerinnenkloster St. Peter in ein technisch anspruchsvolles Gelände. Enge Kurven, eine rutschige Wiese, knackige Anstiege – laut Noah Muther vom BMX-Klub Bludenz benötigen die schnellsten Athletinnen und Athleten etwa fünf bis sechs Minuten pro Runde.
Fischer kennt das Gelände, sie weiß, worauf es ankommt – und sie weiß auch: „Wenn es jetzt noch ein wenig schneit, wird es sicher noch rutschiger.“
Die Veranstaltung in Bludenz ist gleichzeitig ein Ausdruck einer sportlichen Vision im heimischen Fachverband. Der Aufbau einer nachhaltigen Cyclocross-Szene in Vorarlberg steht im Zentrum, mit Blick in Richtung Olympische Spiele 2030. Im Moment verdichten sich die Gerüchte, dass Cyclocross in vier Jahren bei den Winterspielen 2030 in den französischen Alpen, mit Nizza als zentralem Austragungsort, zum olympischen Programm gehört.
Mit der aktuellen Initiative und dem Bündeln der regionalen Kräfte will man rechtzeitig die Grundlage dafür schaffen. Mit dabei sind der RV Dornbirn, der RV DJ’s Bikeshop Simplon Hard, das MTB Team Hohenems, Bikeworks Feldkirch sowie der BMX-Club Sparkasse Bludenz.
Vorarlberger Talente im Fokus
Neben Nora Fischer stehen weitere Vorarlberger Topfahrerinnen und Topfahrer am Start: Die Team-Vorarlberg-Profis Daniel Geismayr, Kilian Feurstein und Dominik Amann zählen zu den Mitfavoriten in der Eliteklasse der Herren. In den Nachwuchsklassen mischen unter anderem Paul und Jakob Freuis (RV Dornbirn), Pius und Johanna Piringer, Linda Tessadri (alle RV DJ’s Bikeshop Simplon Hard), Linus Fink (RV Dornbirn) und viele weitere mit.
Die Liste der heimischen Talente ist lang, die Ambitionen groß und das Potenzial spürbar.

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