Nach Härtetest wartet die Reifeprüfung

Handball-Männerteam will sich bei Topturnier in Paris
Feinschliff holen und in der EURO-Hammergruppe bestehen.
Wien Die Mission EURO 2024 beginnt: Österreichs Handball-Männerteam steht vor seiner siebten EM-Teilnahme seit 2010 und der fünften in Folge. Die Erwartungen sind hoch – und das Ziel klar. „Wir wollen wieder einen Hype auslösen wie vor zwei Jahren in Deutschland“, sagte Flügelspieler Sebastian Frimmel bei der offiziellen Verabschiedung in Wien.
Topturnier als Prüfstein
Bevor es für die ÖHB-Auswahl ab 15. Jänner in Herning gegen Deutschland (20.30 Uhr) und anschließend im Zweitagesrhythmus gegen Spanien und Serbien (jeweils 18 Uhr) um den Aufstieg in die Hauptrunde geht, steht am Wochenende die Generalprobe in Paris auf dem Programm. Beim Vier-Nationen-Turnier trifft man zunächst am Freitag (21.10 Uhr, live ORF Sport+) auf Gastgeber und EM-Titelverteidiger Frankreich. Im Finalmodus geht es am Sonntag entweder gegen Island oder Slowenien – zwei ebenfalls EM-erprobte Mannschaften. „Frankreich, aber auch Island und Slowenien sind extrem starke Gegner. Aber genau deshalb sind die beiden Partien ein guter Prüfstein – wir wissen, dass wir aktuell noch nicht bereit sind und müssen in den nächsten Tagen intensiv arbeiten“, betonte Neoteamchef Iker Romero ohne Umschweife.
„Wir wollen in die Hauptrunde“
Die bittere 29:30-Niederlage gegen Tschechien am Dreikönigstag hat gezeigt, dass noch einiges an Arbeit vor den EM-Auftritten liegt. „Leistung und Ergebnis gegen Tschechien waren nicht gut. Diese Niederlage tat richtig weh“, erklärte Romero. Auch Sportdirektor Patrick Fölser betonte: „Wir müssen weiter hart arbeiten. Die Herausforderung in Dänemark könnte größer kaum sein.“ Der ÖHB-Generalsekretär Bernd Rabenseifner formulierte das Ziel dennoch deutlich: „Wir wollen in die Hauptrunde.“
Sport-Staatssekretärin Michaela Schmidt bekam bei der Verabschiedung ein signiertes Teamdress überreicht und erklärte: „Ich würde mich freuen, wenn Handball vorangehen würde.“ Für sie ist 2026 ein Jahr mit zahlreichen rot-weiß-roten Sporthoffnungen.
Nach einem Ruhetag in Paris reist das Team am Dienstag kommender Woche nach Dänemark. Dort wartet am Donnerstag das Auftaktspiel gegen Deutschland. Um die Hauptrunde zu erreichen, ist mindestens Platz zwei in der Gruppe notwendig. Kapitän Mykola Bilyk blickt der EURO trotz der Herausforderungen optimistisch entgegen: „Wir freuen uns irrsinnig auf das Turnier. Wir haben jetzt noch ein paar Tage zur Vorbereitung und werden diese gut nutzen.“
Ausgangslage wie 2024
Doch der Deutschland-Legionär weiß auch um die Schwere der Aufgabe: „Wir haben die mit Abstand schwerste Gruppe erwischt.“ Hoffnung macht der Blick zurück auf die EM 2022 in Deutschland: In einer sogenannten „Hammergruppe“ holte das ÖHB-Team mit einem Sieg gegen Rumänien (31:24) und zwei Remis gegen Kroatien (28:28) und Spanien (33:33) den Aufstieg. Der damalige Coup gegen Spanien, das man als zweifachen Europameister nach Hause schickte, bleibt unvergessen.
In der Hauptrunde der Top-12-Teams verpasste man das Halbfinale nur knapp. Nach dem Erfolg gegen Ungarn (30:29), einem Remis gegen Deutschland (22:22) sowie Niederlagen gegen Frankreich (28:33) und Island (24:26) belegte Österreich Rang acht – das bislang beste EM-Ergebnis.
An diesen Erfolg wollen Frimmel, Bilyk und Co. nun anknüpfen. Der Weg wird kein leichter sein, aber das Ziel klar: Die EURO soll nicht nach der Vorrunde zu Ende sein.
Mit den beiden Hardern Lukas Herburger und Boris Zivkovic stehen zwei Vorarlberger im 18-Mann-Kader. Zumindest nachnominiert werden könnten Lukas Fritsch, Lennio Sgonc, Nico Sager (alle Alpla HC Hard) und Bregenz-Handball-Kapitän Dian Ramic.

Handball
17. EHF EURO der Männer in Dänemark, Schweden und Norwegen
18-Mann-Kader Österreich
Nr.→Name →Verein→Alter→LSp.⇒Tore
1→Leon Bergmann→Kadetten Schaffhausen/SUI→21→11⇒1
98→Constantin Möstl→TBV Lemo Lippe/GER→25→46⇒0
6→Markus Mahr →1. VfL Potsdam/GER→25→33⇒31
7→Janko Bozovic→Al-Salmiya Kuwati FC/KUW→40→201⇒573
18→Emanuel Petrusic→Schwaz Handball Tirol→24→2⇒0
19→Nils Moser→HC Linz→20→1⇒0
20→Sebastian Frimmel→MOL Pick Szeged/HUN→30→127⇒465
23→Nemanja Belos →HSG Graz→31→25⇒45
26→Lukas Herburger→Füchse Berlin/GER→31→88⇒85
30→Boris Zivkovic→C´Chartres Metropole/FRA→33→84⇒166
44 →Nicolas Paulnsteiner→1. VfL Potsdam/GER→21→12⇒12
45→Eric Damböck→TV Emsdetten/GER→26→51⇒65
53→Mykola Bilyk→THW Kiel/GER→29→114⇒520
55→Tobias Wagner→Limoges Handball/FRA→30→122⇒366
57→Jakob Nigg→TBV Stuttgart/GER→22→34⇒48
66→Elias Kofler→HSV Hamburg/GER→25→39⇒24
72→Lukas Hutecek→TBV Lemgo Lippe/GER→25→71⇒239
97→Michael Miskovez→Schwaz Handball Tirol→28→49⇒10
Gesamt→→486→1110⇒2650
Durchschnitt→→27,0→61,7⇒147,2
→ →
Erweiterter 35-Mann-Kader
Tor: Lukas Domevscek (UHK Krems, 26 Jahre, 0 Länderspiele/0 Tore);
Florian Kaiper (HC Linz, 30, 32/1); Louis Oberosler (Bergischer HC/GER, 23, 0/0)
Feldspieler: Elmar Böhm (HC Linz, 21 Jahre, 0/0); Florian Budde (1. VfL Potsdam/GER, 20, 0/0); Maximilian Danhel (Fivers WAT Margareten, 18, 0/0); Lukas Fritsch (Alpla HC Hard, 19, 1/0); Kenan Hasecic (UHK Krems, 29, 0/0); Samuel Kofler (Schwaz Tirol, 28, 0/0); Clemens Möstl (West Wien, 19, 0/0); Raphael Muck (HC Vöslau, 28, 0/0); Dian Ramic (Bregenz Handball, 24, 0/0); Mats Rudnicki (Fivers WAT Margareten, 20, 0/0); Nico Sager (Alpla HC Hard, 21, 0/0); Fabio Schuh (Fivers WAT Margareten, 24, 0/0); Lennio Sgnoc (Alpla HC Hard, 21, 0/0); Samuel Weiser (Fivers WAT Margareten, 23, 0/0)
Erklärung: Insgesamt 16 Spieler dürfen für jedes Spiel nominiert werden. Während der Vorrunde, der Hauptrunde und der Finalrunde dürfen je zweimal Spieler gegen solche aus dem 35-Mann-Kader ausgetauscht werden, also maximal sechs Wechselmöglichkeiten. Ein ausgetauschter Spieler darf später wieder zurückgetauscht werden.
Trainer- und Betreuerstab
Teamchef: Iker Romero (ESP, 45 Jahre); Assistent: Erwin Gierlinger;
Tormanntrainer: Nikola Marinovic; Physiotherapeuten: Andre Kintscher, Patrick Ehrenberger; Teamarzt: Dr. Peter Valentin, Dr. Amara Valentin