Die WM als teurer Spaß

Rückkehr zur WM ist ein historischer Moment für Österreich, doch für die Fans könnte sie unerschwinglich werden.
Schwrazach Die Euphorie ist riesig: Zum ersten Mal seit 28 Jahren hat sich Österreich wieder für eine Fußball-Weltmeisterschaft qualifiziert. Im Juni trifft das Team von Ralf Rangnick in der Gruppenphase auf Jordanien, Argentinien und Algerien. Schauplatz: die USA. Für viele Fans im Land ein Traum, für den Geldbeutel allerdings ein Albtraum.
Flug, Hotel, Ticket: Der Preis der Leidenschaft. Wer die rot-weiß-rote Mannschaft rund um David Alaba und Marko Arnautovic live im Stadion anfeuern will, braucht mehr als nur Fanliebe, nämlich ein gut gefülltes Konto. Obwohl die WM auch in Kanada und Mexiko ausgetragen wird, bestreitet Österreich alle Gruppenspiele im „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“. Die Reise beginnt mit dem Visum: Das sogenannte ESTA kostet aktuell rund 35 Euro und ist leicht im Internet zu bekommen. Ein erschwinglicher Betrag, der jedoch bereits gestiegen ist. Früher waren es knapp 20 Euro. Und wer weiß, welche Einreisevorschriften bis Juni noch dazukommen.
Kaum Direktflüge, viel Geduld. Das erste WM-Spiel der österreichischen Nationalmannschaft gegen Jordanien findet am 16. Juni in San Francisco statt. Von den nahe gelegenen Flughäfen Zürich oder München aus gibt es kaum Direktflüge in die Metropole an der US-amerikanischen Westküste, wenn dann nur kostenintensive. Die Reisedauer: 12 bis 16 Stunden. Preislich liegt man bei den Billigsten aktuell bei rund 600 bis 800 Euro für Hin- und Rückflug, wobei die Flüge von Zürich momentan etwas günstiger sind als die von der bayerischen Hauptstadt. Die weiteren Stationen der Nationalelf? Dallas am 22. Juni (gegen Argentinien) und Kansas City am 27. Juni (gegen Algerien). Auch hier: kaum Direktverbindungen von München oder Zürich, aber ähnliche Preise und Reisedauern.
Teuer, teurer, Kansas City. Wenig überraschend: Während des WM-Zeitraums schnellen die Hotelpreise in die Höhe. Wer in San Francisco mit wenig zufrieden ist und mit einem einfachen Doppelzimmer vorliebnimmt, zahlt rund um den Spieltag des ÖFB-Teams für zwei Nächte etwa 150 Euro. Komfortablere Optionen kosten leicht 500 Euro oder mehr. In Dallas wird es schon teurer: Zwischen 500 und 1000 Euro für zwei Nächte im Doppelzimmer sind realistisch, wenn man sich das Spiel gegen Lionel Messi und Argentinien anschauen möchte. Und Kansas City? Hier explodieren die Preise zur WM regelrecht. Rund um das Spiel des ÖFB-Teams gegen Algerien gibt es kaum Angebote, bei denen man für zwei Nächte in einem Doppelzimmer weniger als 1000 Euro bezahlt. Dass diese horrenden Preise tatsächlich mit der WM zusammenhängen, sieht man, wenn man sich die Übernachtungspreise ein paar Wochen zuvor ansieht. Ein gutes Vier-Sterne-Hotel in Kansas City verlangt zum Zeitpunkt des Spiels stolze 2500 Euro für zwei Nächte, einen Monat vorher kostet dasselbe Zimmer gerade einmal gut 400 Euro.
Glückssache mit stolzem Preis. Tickets gibt es nur über ein Zufallsverfahren auf fifa.com/tickets. Wer gezogen wird, kann ein Ticket kaufen. Zu Fixpreisen, aber ohne Ermäßigung. Für die Spiele gegen Jordanien und Algerien beginnt der Preis bei rund 120 Euro (Kategorie 3), Spitzenplätze kosten bis zu 380 Euro. Das Schlagerspiel gegen Argentinien ist deutlich teurer: ab 225 Euro bis hin zu fast 600 Euro. Dem ÖFB stehen wie allen anderen an der WM teilnehmenden Nationalverbänden pro Spiel acht Prozent der jeweiligen Nettokapazität der Stadien zur Verfügung. Die Tickets vergibt der heimische Fußballbund mehrheitlich an Mitglieder, etwa seine offiziellen Fanclubs, aber auch andere Zielgruppen wie Landesverbände und Bundesliga. Wer Österreichs Team auch in der K.o.-Phase begleiten möchte, kann vorab sogenannte „Follow your team“-Tickets kaufen. Diese müssen für sämtliche Runden bis zum Finale im Voraus bezahlt werden. Ob man dabei ist oder nicht. Die Summe? Bestimmt mehrere Tausend Euro. Für alle Runden, die schlussendlich ohne Österreich über die Bühne gehen, erhält man das Geld wieder zurück.
Topspiel im größten Stadion der WM Zumindest das Fassungsvermögen sollte die Reiselust der Österreicher nicht bremsen. Das AT&T Stadium, die Heimstätte des NFL-Clubs Dallas Cowboys, in dem es im Topspiel gegen Argentinien geht, ist mit einer Kapazität von 94.000 Besuchern laut FIFA-Angaben das größte der WM. Der ÖFB erhält hier 7520 Tickets. Im Levi’s Stadium in San Francisco (Fassungsvermögen 71.000) und im Arrowhead Stadium in Kansas City (73.000) machen die acht Prozent für den Fußballbund immer noch 5680 bzw. 5840 Eintrittskarten aus. Schließen die Österreicher ihre Gruppe auf Rang zwei ab, würden sie in Los Angeles (Fassungsvermögen 70.000) weiterspielen, als Gruppensieger in Miami (Fassungsvermögen 65.000).
Ein teurer Traum. Die Fußball-WM in den USA ist für viele Fans ein Traum. Doch selbst mit günstiger Unterkunft, einem simplen Flug und einem Ticket der billigsten Kategorie muss man mit mindestens 1000 bis 1500 Euro für ein einziges Spiel rechnen, und das ohne Verpflegung, Souvenirs oder einen Abstecher zu den bekannten Sehenswürdigkeiten wie der Golden Gate Bridge oder Alcatraz. Wer das Duell zwischen Lionel Messi und Kevin Danso live erleben will, braucht hingegen mehr als nur Urlaubsgeld. Und wer auf die große WM-Reise geht, sollte früh buchen, Preise vergleichen und gut planen. Sonst wird aus dem Traum von der Weltmeisterschaft ein Albtraum für die Geldtasche. VN-VSB

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