Trump bringt Nato in Bedrängnis
US-Pläne zu Grönland könnten das Militärbündnis in eine gefährliche Lage bringen.
washington Mit seinen Drohungen gegen Grönland hat US-Präsident Donald Trump das internationale Militärbündnis Nato vor eine neue Herausforderung gestellt, die womöglich sogar ihre Existenz gefährdet. Die Allianz, die dazu gedacht ist, Bedrohungen von außen abzuwehren, könnte es jetzt mit einer bewaffneten Konfrontation zwischen Bündnispartnern zu tun bekommen, in die ihr mächtigstes Mitglied, die USA, verwickelt ist. Das Weiße Haus hat mitgeteilt, dass die Trump-Regierung Optionen abwäge, um die Kontrolle über Grönland zu übernehmen. Die strategisch gelegene, rohstoffreiche Insel ist ein halbautonomes Gebiet von Dänemark, einem anderen Nato-Mitgliedsland.
Ohne USA funktionsunfähig
Die Nato wurde 1949 mit dem Ziel gegründet, der Bedrohung für die Sicherheit Europas durch die Sowjetunion im Kalten Krieg entgegenzutreten. Die Nato konzentriert sich normalerweise auf Drohungen aus Russland oder von internationalen Terrorgruppen. Ohne die Führung durch die USA und deren militärische Macht wäre die Nato funktionsunfähig. Trump hat die Zukunft des Bündnisses jetzt mit seinen Drohungen aufs Spiel gesetzt. Die Nato, das weltweit größte Sicherheitsbündnis, verfolgt im Prinzip einen Leitspruch, wie den der „Drei Musketiere“: „Einer für alle und alle für einen.“ So versprechen die Nato-Mitglieder: Sobald eines von ihnen angegriffen wird, gibt es eine Reaktion von allen anderen Mitgliedern.
Die Sicherheitsgarantie ist im Artikel 5 des Nato-Gründungsvertrags verankert und hat dazu beigetragen, dass Russland keine Vorstöße in Gebiet unternommen hat, das Teil der Nato ist. Doch wenn ein Nato-Mitglied ein anderes angreift, ist es mit der Wirkung von Artikel 5 vorbei.
Die Nato-Verbündeten und Nachbarn Griechenland und Türkei fallen seit Jahrzehnten dadurch auf, dass sie das Militär des jeweils anderen belästigen und über Grenzen streiten. Doch interne Auseinandersetzungen sind noch nie eine so große Gefahr für die Einheit der Nato geworden, wie es eine Einnahme Grönlands durch die USA wäre.
Trump warnte die anderen Nato-Mitglieder vor den angeblichen Folgen eines Austritts der USA aus dem Bündnis: „Russland und China haben null Angst vor der Nato ohne die Vereinigten Staaten“, schrieb er in Großbuchstaben in einem Post in den sozialen Medien. Doch fügte er hinzu: „Wir werden immer für die Nato da sein, selbst wenn sie nicht für uns da sein wird.“
Drohungen erreichen neues Level
Das Weiße Haus verschärfte am Dienstag seine Drohungen gegen Grönland. Es gab eine offizielle Stellungnahme heraus, in der es hieß, die Insel sei „eine Priorität für die nationale Sicherheit“. Zudem weigerte sich die Trump-Regierung, den Einsatz militärischer Gewalt auszuschließen.