Trump bekräftigt Anspruch

Der Streit um Grönland spitzt sich zu. Es geht nicht nur um US-Sicherheit.
Nuuk, Kopenhagen Im Streit um Grönland wachsen die Spannungen zwischen den USA und Dänemark. Die Regierung von US-Präsident Donald Trump hält unbeirrt an ihrem Anspruch auf die Arktisinsel fest, die dänische Regierungschefin Mette Frederiksen warnt mit der Unterstützung der großen europäischen Partner vor einem Ende der Nato.
Trump hatte in den vergangenen Tagen in Interviews bekräftigt, die USA bräuchten Grönland für die nationale Sicherheit. Trumps stellvertretender Stabschef Stephen Miller bezeichnete den US-Anspruch sogar als offizielle Position der US-Regierung. Beide Äußerungen folgten auf den US-Militäreinsatz in Venezuela und die weltweite Sorge, Trump würde seinen Blick nun auch auf weitere Regionen werfen. Grönland war bis 1953 eine Kolonie Dänemarks, hat aber seit 1979 immer größere Selbstverwaltungsrechte erhalten und ist inzwischen weitgehend autonom. Trump hatte bereits 2019 in seiner ersten Amtszeit einen Besitzanspruch auf Grönland geäußert. Die Dänen hatten zunächst an einen Scherz geglaubt.
Nicht nur die USA, auch Länder wie China sind wegen der strategischen Lage und Rohstoffvorkommen unter dem Eis an Grönland interessiert. Die größte Insel der Welt liegt zwischen den USA, Russland und Europa und ragt weit in den Polarkreis hinein. Aufgrund des Klimawandels wird die Arktis zunehmend für die Schifffahrt interessant. Zudem werden in Grönland auch Vorkommen wichtiger Mineralien, darunter seltene Erden, vermutet. Die USA haben schon jetzt weitgehende Rechte, die Insel zur eigenen Verteidigung zu nutzen. Im abgeschiedenen Pituffik, etwa 1500 Kilometer nördlich der Hauptstadt Nuuk, betreibt das US-Militär seit langem einen Militärstützpunkt. Nach Einschätzung von Experten wäre es für die USA nicht notwendig, Grönland zu annektieren, um die Arktis sichern zu können.
Gemeinsame Erklärung
Dänemark hat den US-Anspruch auf Grönland entschieden zurückgewiesen. Dänemarks Regierungschefin Frederiksen sagte: „Wenn die USA ein anderes Nato-Land angreifen, dann hört alles auf.“ Das wäre das Ende des westlichen Verteidigungsbündnisses und damit auch der seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs bestehenden Sicherheitsarchitektur. Der grönländische Ministerpräsident Jens Frederik Nielsen rief seine Landsleute trotz der Drohungen dazu auf, Ruhe zu bewahren. „Venezuela und Grönland sind nicht vergleichbar.“
In einer gemeinsamen Erklärung machten Deutschland, Frankreich, Italien, Polen, Spanien, Großbritannien und Dänemark am Dienstag klar: Grönland gehört den Grönländern. „Es ist allein Sache Dänemarks und Grönlands, über Angelegenheiten zu entscheiden, die Dänemark und Grönland betreffen“, hieß es in der auch von Bundeskanzler Friedrich Merz unterzeichneten Erklärung.