VN-Testbericht. Smart #5 Brabus
Eigenwilliger Hochsitztyp als Starkstromsportler

Der Smart #5 Brabus hat was von einer mitreißenden Stromschnelle.
Smart Der Ausruf ist Ausdruck der perplexen Verblüffung. „Der SUV-Brummer da soll ein Smart sein?“ Im Schnelldurchlauf gilt es dem ungläubigen Nachbarn den Wandel der einstigen Minimalistenmarke unter dem Joint-Venture von Mercedes und Geely hin zur neuen Großspurigkeit zu erläutern. Das gipfelt in der Aussage, dass der Midsize-E-SUV auf dem Vorplatz nicht irgendein neuer Smart#5 ist, sondern gleichsam der Breitensportler unter den spannungsgeladenen Hochsitztypen.
Im vorliegenden Fall haben sich die Auto-Tuner-Tüftler das Smart-Mobil vorgenommen und fallen mit der „Brabus“-Topversion über die versammelte Stromer-Szene her. Einem Dickschiff gleich steht der 4,70 Meter lange Provokateur satt und breit auf 21-Zoll-Alus. Der Lockruf gilt zweifellos jenen Stromerjüngern, die ihre Öko-Gewissenhaftigkeit gerne auch mit beschleunigter Pulsfrequenz am Lenkrad angehen wollen. Seine Schubkraft zieht die Brabus-Version aus einem Dual-Elektromotor an Vorder- und Hinterachse, daraus ergibt sich auch der Allradantrieb. Das Kraftwerk leistet 475 kW/646 PS. Dazu passt das fulminante Maximal-Drehmoment von 710 Nm.
Wer dem Starkstromsportler also die Sporen gibt, bekommt schlagartig zu spüren, mit welch irrer Vehemenz der Elektrorenner loslegen kann. Achtung, aufgepasst! Für Gelegenheitsfahrer, deren Magennerven bei derartigen Beschleunigungsspitzen leicht flattern, ist das nichts. Zur Beruhigung gibt´s eine exzellente Straßenlage, welche das 2,4-Tonnen-Kampfgewicht des Energiebündels vergessen lässt.
Pluspunkt ist der niedrige Schwerpunkt durch das massive NMC-Batteriepaket im Unterboden mit einer Netto-Akku-Kapazität von 94 kWh. Was den Smart#5 Brabus überhaupt auszeichnet, ist das 800-Volt-Bordnetz. Das lässt ihn nicht zum Heißläufer werden und erlaubt außerdem superschnelles Nachladen. Mit der DC-Ladeleistung von 400 kW in der Spitze lässt sich die saftlose Batterie im Idealfall binnen 15 Minuten wieder auf eine 80-Prozent-Kapazität pushen. Wer mit dem Brabus-E-SUV allerdings öfters kräftig Gummi gibt, erfährt alsbald, dass auch die deutsch-chinesischen Smartianer keine Zauberer sind und die angegebene 540-km-Maximalreichweite einen akademischen Wert darstellt. Im Winterfahrbetrieb mit viel praktischem Fahrspaß haben wir immerhin 385 Stromkilometer in einem Rutsch geschafft.
Weil Smart als ehrgeiziger MB-Ableger in jedem Fall will, dass der Funke der Begeisterung überspringt, wurden dem Brabus alle topaktuellen Komfort- und Sicherheitsfeatures mitgegeben. Und infolge des beachtlichen 2,90-Meter-Radstandes ergeben sich vorne wie hinten fürstliche Platzverhältnisse. Ins Raumgefühl passt auch das allen Sinnen schmeichelnde Interieur samt warmem Lichtspiel und leise rieselnder Lounge-Musik aus dem Sennheiser-Surround-Soundsystem. Dazu kommt die volldigital aufbereitete Multimediashow, die alle Stücklein draufhat, die moderne Techniksysteme hergeben – bis hin zum KI-Sprachassistenten, der sogar als Witzeerzähler für den Unterhaltungswert im Smart sorgt. Okay, das ist dann auch schon wieder Geschmackssache. VN-HGP


Fakten und Daten
Motor/Antrieb Dual-Elektro-Motoren (v/h), Systemleistung: 646 PS, Allradantrieb mit fixer Übersetzung.
Fahrleistung/Verbrauch 0 – 100 km/h: 3,8 Sek., Spitze: 210 km/h, Norm: 19,9 kWh/100 km, Test: 23,9
Preis Grundpreis: 58.600 Euro, Testwagen: 64.900 Euro.