VN-fahrbericht. Bentley Continental GT V8 S

Kleine, aber feine Continental-Reise

von franz Muhr
Bentley Continental GT V8 S: ,,Drivers Car“ mit noch mehr Dynamik – und mehr Reichweite. Fotos: Werk
Bentley Continental GT V8 S: ,,Drivers Car“ mit noch mehr Dynamik – und mehr Reichweite. Fotos: Werk

Für die Zukunft vieler Automarken lässt sich nichts Sicheres sagen. Für Bentley schon.

Benteley. Zum einen: ein Bentley bleibt ein „Drivers Car“, solange es Bentley gibt. Nichts und niemand wird diese Marke dazu bewegen, sich beispielsweise auf stille, sanft schaukelnde Chauffeurlimousinen zu konzentrieren.

Zum anderen: Ein Bentley wird, wenn überhaupt, der Letzte sein, der zum ,,autonomen“ Automobil mutiert, sich elektronisch kontrolliert selbsttätig fortbewegt. Am Volant eines Bentley möchte sein Eigner stets in Eigenregie tätig werden. Und sonst niemand. Schon gar nicht ein Computer.

Das sind Erkenntnisse aus einigen hundert Kilometern am Steuer eines Continental GT V8 S, einer der seltenen Neuerscheinungen der britischen Gran-Turismo-Manufaktur. Es war eine kleine Kontinentalreise, keine große. Keine von damals, als solche Fahrten in einem Bentley noch ein Nervenkitzel waren.

Eine „Kontinentalreise“? Nun, die Bentley-Boys, lässt sich aus dem Bentley-Archiv herauslesen, waren junge Gentlemen mit Vermögen, Damenbekanntschaften und Mut. Sie genossen nicht nur das Leben, sondern legten sich auch in vollen Zügen damit an. Etwa mit dem Train Bleu, dem Schnellzug von Cannes nach Calais.

Woolf Bernato, Diamanten- und Goldminenerbe, Bentley-Anteilseigner sowie dreifacher Le-Mans-Sieger, wettete: Ich schaffe es von der Riviera aus mit dem Auto nach London, bevor der Zug Calais erreicht. Am 13. März 1930 startet er im Speed Six. Am 14. erreicht er über holprige Routes National und nach einer Kanalüberquerung per Postschiff seinen Herrenclub in London vier Minuten, bevor der Zug in den Bahnhof von Calais einfuhr.

Straffer, schneller

Seither gelten Bentleys als Kompetenzträger der Kontinentalreise. Die neuen „S“-Modelle betonen daher das Sportliche der Continentals ganz besonders. Devise der Coupés oder Cabrios: straffer, schneller, „fahraktiver“. Abgesenktes Fahrwerk neuerdings, 528 PS, 680 Nm. So um die 30 PS mehr als in einem Continental GT ohne „S“.

Bewegendes Klangbild

Was blieb von der Freiheit der rauen Pionierzeit? Wenigstens der Sound, das sonore Organ eines V8 mit Doppelturbo. Ein bewegendes Klangbild. Untermalt von handgefertigtem Luxus, wie es ihn 1930 sicher nicht gab. Kühn dem Asphalt angenähertes Fahrwerk, vierstufig anpassbar. In engen Kurven wirken massive Fliehkräfte, die ein 2,6 Tonnen-Cabrio unweigerlich entwickelt.

Unter Druck

Der Allradantrieb entschärft sie. Die Fliehkraft wandelt sich zum mächtigen Anpressdruck am Kurvenausgang. 4-Liter-V8 mit einem extra Schuss Dynamik. Viel mehr bringt auch der Zwölfzylinder nicht, steht aber öfter an der Tankstelle. Der neue V8 hingegen kommt 805 Kilometer weit bei gepflegtem Fahrstil, verspricht Bentley. Ein erheblicher Vorteil für Continental-Reisende.

Sehr flott für oben ohne

Und das „S“? Es bedeutet manuellen Eingriff in die ZF-Achtgangautomatik, ganz nach Gusto des Piloten, noch willigere Gasannahme. Das Coupé beschleunigt in 4,5 Sekunden auf 100, End-Speed bei 309 km/h. Der Convertible steht dem kaum nach: 4,7 Sekunden, 308 km/h. Sehr flott für oben ohne.

Oben ohne für eine komfortable Reise.
Oben ohne für eine komfortable Reise.
Britische Handwerkskunst hat ihren Preis.
Britische Handwerkskunst hat ihren Preis.

Fakten

» Motor: 4-Liter-V8 mit Doppelturboaufladung und Zylinderabschaltung, 528 PS, 680 Nm bei 1700 U/min

» Preise: 238.880 Euro (Coupé), 264.880 Euro (Cabrio)

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