Interview. Lisa Eckhart (33), Kabarettistin, Poetry-Slammerin und Romanautorin

„Ich muss mir das Publikum nicht nackt vorstellen“

Lisa Eckhart präsentiert bald ihr neues Programm.⇒apa/hochmuth
Lisa Eckhart präsentiert bald ihr neues Programm.apa/hochmuth

Lisa Eckhart über Humor, KI und den Zustand der Welt.

wien Am 13. Jänner feiert „Ich war mal wer“, das neue Programm von Lisa Eckhart, in ihrer Wahlheimat Leipzig Premiere, bevor Österreichs erfolgreichste wie streitbarste Kabarettistin damit erstmals am 17. Februar hierzulande auftritt. 

 

Frau Eckhart, in welcher Gemütslage gehen Sie das neue Jahr an?

eckhart Zur Melancholie fehlt mir die Zeit und zum Granteln der Blutdruck. Meine Heiterkeit wird auch dadurch garantiert, dass ich nie mein Gemüt erforsche. Das ist gefährlich. Vor allem für Humoristen. Der Schuster trägt bekanntlich die schlechtesten Schuhe. Man kann sich also vorstellen, wie lustig es in einem Humoristen zugeht.

 

Wie stellt sich der momentane Zustand der Welt für Sie dar?

eckhart Für die Welt kann ich nicht sprechen, höchstens für das Abendland, und das geht unermüdlich unter. Sein Untergang erinnert an das leere Versprechen leidiger Verwandter, die einem jedes Jahr versichern, dies sei ihr letztes Weihnachten. In dieser eitlen Paranoia des drohenden Endes changiert man eben ständig zwischen den bekannten Phasen: Verleugnung (es gibt keinen Klimawandel, etc.), Wut (vom Bürger bis zum Bauern), Verhandeln (das macht Dealmaker Donald) und Depression (oder Burn-Out, je nach Gusto). Was fehlt, ist die Akzeptanz, heitere Hoffnungslosigkeit. Darin läge Potenzial.

 

Am 13. Jänner hat ihr neues Programm „Ich war mal wer“ Premiere in Leipzig. Lampenfieber?

eckhart Fiebrig bin ich nur, wenn die Lampen aus sind und Menschen einzeln vor mir stehen. Als Individuen, nicht als Masse. Auf der Bühne ist es windstill. Jedes Unwohlsein verfliegt, ob physisch oder psychisch. Ich muss mir auch zur Beruhigung das Publikum nicht nackt vorstellen. Umgekehrt dürfte das schon manchmal passieren.

 

Hand aufs Herz: Haben Sie beim Schreiben die KI zurate gezogen?

eckhart Früher dachte ich, die Frage, ob ein anderer Mensch für mich schreibe, sei die größte Beleidigung, die mir widerfahren könnte. KI ist noch viel schlimmer. Sie ist die konzentrierte Mittelmäßigkeit, der Querschnitt aus allen menschlichen Floskeln, mit denen sie gefüttert wurde. In dieser hochgewürgten Pampe wühl‘ ich nicht herum.

Inwiefern muss gute Kunst weh tun?

eckhart Tut einem Beethoven weh? Oder ein Gemälde von Dalí? Gute Kunst muss nicht wehtun. Dass dieser Irrglaube aufkommt, liegt vermutlich daran, dass Leuten der Schmerz allmählich zu fehlen beginnt. Sie schlucken Tabletten und wundern sich, wenn sie nichts mehr spüren. Humor fügt keine Schmerzen zu, er lindert sie. Das geht natürlich nur bei denen, die noch imstande sind zu fühlen. Satire schlägt keine neuen Wunden, sie stochert nur in schlecht verheilten. 

 

Wo liegt beim Humor für Sie die Schmerzgrenze?

eckhart Das kommt darauf an, wen Sie fragen. Als Zuschauer bin ich zimperlich, als Künstler völlig schmerzlos. Mein Publikum ist sicher härter im Nehmen als ich. Ich bin vielleicht nicht politisch korrekt, aber ich bin altmodisch höflich. Ich halte mich auch mit manchen Ausdrücken zurück. Sage scheußliche Dinge in schöner Sprache. Es muss eine Fallhöhe geben zwischen Inhalt und Form. Auf die Art kann man alles sagen. apa

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