Wie verwundbar ist das Vorarlberger Stromnetz?

Teile des Stromnetzes in Berlin lahmgelegt: Gibt es ein derartiges Szenario auch in Vorarlberg?
Schwarzach Berlin startete teilweise im Dunkeln ins neue Jahr. Unbekannte hatten wohl am vierten Jänner mehrere Strommasten im Südwesten der Hauptstadt sabotiert. Der Strom fiel für mehrere Tage aus, ein Krankenhaus musste zeitweise auf Notstromversorgung umstellen und viele Berliner saßen im Kalten und Dunklen. Inzwischen hat sich die Lage zum Glück großteils beruhigt. Die Ermittlungen laufen, der Verdacht: politisch motivierter Extremismus. Wäre Vorarlberg für einen ähnlichen Angriff gewappnet oder läuten hier die Alarmglocken?
Freileitungen auch in Vorarlberg
In Berlin waren zentrale Freileitungen betroffen – sogenannte Knotenpunkte mit großer Wirkung. Die Infrastruktur in Vorarlberg sei nur schwer mit jener in Berlin vergleichbar, beruhigt die illwerke vkw auf VOL.AT-Anfrage. Zwar seien grundsätzlich auch in Vorarlberg Hochspannungsleitungen zugänglich. „Im Sinne der sogenannten ‚n-1-Sicherheit‘ besteht jedoch im Störungsfall generell immer die Möglichkeit, auf andere Systeme umzuschalten“, erklärt Unternehmenssprecher Andreas Neuhauser. Dabei verweist er auch auf einen Vorteil der Freileitungen gegenüber Erdkabeln, „die im Schadensfall wesentlich schneller wieder instand gesetzt werden können“.
Doch wie lange dauert es in Vorarlberg bei einem Stromausfall, bis zu Hause wieder das Licht leuchtet und die Heizung Wärme spendet? Im Fall eines großflächigen Stromausfalls – etwa bei einem Blackout – rechnet die illwerke vkw mit einem Wiederaufbau der Stromversorgung im sogenannten Inselbetrieb innerhalb von rund zwölf Stunden. „Unsere schwarzstartfähigen Wasserkraftwerke sind hier ein großer Vorteil“, heißt es aus dem Unternehmen. Diese können sich selbst mit Strom versorgen und so das Netz schrittweise wieder hochfahren.
Berliner als Mahnung
Die illwerke vkw betont „größte Anstrengungen zum Schutz der Infrastruktur“ im Hinblick auf derartige Szenarien, wie es Anfang 2026 die Berliner erleben mussten. Dies sei ein „laufender Prozess“. Dabei verweist Neuhauser auf die laufende Evaluierung der Sicherheitslage sowie auf konkrete Schutzmaßnahmen für die Anlagen.
Der enge Austausch mit dem Landesamt für Staatsschutz und Extremismusbekämpfung (LSE) sei dabei ein zentraler Bestandteil der Strategie. „Solche Ereignisse fließen selbstverständlich in unsere laufenden Sicherheitsbewertungen ein“, betont die illwerke vkw.
Richtiges Handeln im Ernstfall
Doch auch die Vorarlberger selbst sind gefragt. Wenn im Ernstfall Internet und Mobilfunk ausfallen, greifen die gängigen Kommunikationswege nicht mehr.
Die Information der Bevölkerung erfolgt dann über das Land Vorarlberg – unter anderem über lokale Anlaufstellen in den Gemeinden. Dann ist auch ein Batterie- oder kurbelbetriebenes Radio von Vorteil.
Was in etwaigen Krisensituationen gebraucht wird, erfährt man in den offiziellen Empfehlungen des Landes Vorarlberg. Die Broschüre „Blackout in Vorarlberg“ wurde an alle Haushalte versandt und ist online abrufbar. Die Broschüre nennt Checklisten für die eigene Notfallplanung in Sachen Blackout. VLS