Stadttunnel ja, aber kleiner

Initiativen bringen angesichts der Budgetsituation die abgespeckte „Altstadtvariante“ wieder ins Spiel.
Feldkirch Seit den 1970er-Jahren wird in Feldkirch über eine Umfahrung der Innenstadt diskutiert und ebenso lange über den Stadttunnel. Während das Projekt in seiner aktuellen Form als vierarmiges Tunnelsystem mit Anschlüssen in mehrere Stadtteile geplant ist, bringen Tunnelgegner nun erneut eine abgespeckte Variante ins Spiel.
Konkret fordern mehrere Initiativen, darunter der Alpenschutzverein Vorarlberg und der Verein Bodenfreiheit, die Prüfung der sogenannten Altstadtvariante, einer deutlich kleineren Variante, bei der der Tostner Ast entfallen würde. „Der aufwendige unterirdische Kreisverkehr mit Geschwindigkeitsbegrenzung auf 40 km/h würde ebenfalls entfallen“, erklärt Alice Hagen-Canaval von der Initiative „Klimaschutz – Erspart uns die Tunnelspinne“ auf Anfrage der VN. Vorgesehen wäre mit dieser Variante lediglich eine Untertunnelung der Feldkircher Altstadt ab dem Portal Felsenau. Nach Angaben früherer Experten würde diese Lösung eine Verkehrsentlastung der Bärenkreuzung von rund 19 Prozent bringen – gegenüber 23 Prozent bei der derzeit vorgesehenen Variante (die VN berichteten). Gleichzeitig könnten laut den Initiativen Hunderte Millionen Euro an Bau-, Betriebs- und Erhaltungskosten eingespart werden. 2007 wurde diese „kleine“ Variante bereits verworfen. Der Stadttunnel in seiner jetzigen Form zählt mit den veranschlagten 385 Millionen Euro zu den größten Infrastrukturprojekten des Landes. Von dort kommt zu dem Vorschlag eine Absage: „Der Stadttunnel bringt nur in der vorgesehenen und behördlich genehmigten Gesamtausführung die notwendige Verkehrsentlastung für Feldkirch. Eine Variante, bei der man einzelne Äste weglässt, macht somit keinen Sinn.“
Keine neue Idee
Dass eine solche Lösung kein neues Gedankenspiel ist, zeigt ein Blick in die Vergangenheit. Bereits 2015 hatte der frühere Landesverkehrsplaner und Feldkircher ÖVP-Verkehrsstadtrat Franz Schwerzler in einem VN-Interview das vierarmige Tunnelsystem als „überzogenes Monsterprojekt“ kritisiert. Schwerzler plädierte damals für eine deutlich kleinere Tunnelvariante („Variante 2“), die eine ähnliche Entlastung der Innenstadt bei einem Bruchteil der Kosten bringen würde. Der Tostner Ast stand damals bereits in Kritik, dieser würde im Wesentlichen der Anbindung einer Spedition am Kapfweg dienen und zusätzlichen Verkehr in den Ort bringen. Der sogenannte Letzetunnel, der eine unterirdische Verbindung von der Autobahn bei Frastanz bis zur Grenze Tisis-Schaanwald vorsah, wurde in den 1990er-Jahren intensiv diskutiert, letztlich aber nach Widerständen verworfen – nicht zuletzt wegen befürchteter zusätzlicher Verkehrsströme und grenzüberschreitender Auswirkungen.
Angespannte Budgetsituation
Aktueller Anlass für den neuerlichen Vorstoß der Initiativen ist die angespannte finanzielle Lage des Landes. Angesichts eines historischen Schuldenstands und notwendiger Sparmaßnahmen sei es nicht vermittelbar, an einem Millionenprojekt aus Beton festzuhalten, argumentieren die Unterzeichner der Aussendung. Stattdessen brauche es Investitionen in zukunftsfähige, klimafreundliche Mobilitätslösungen, wie etwa die Stadtseilbahn in Paris, die von einem Vorarlberger Seilbahnunternehmen realisiert wird. vn-mih
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