„Der Krieg in meiner Heimat ist schuld“

Der 18-Jährige bei der Verhandlung am Landesgericht Feldkirch. ⇒eckert
Der 18-Jährige bei der Verhandlung am Landesgericht Feldkirch. eckert

Junger Ukrainer wegen unzähliger Straftaten am Landesgericht verurteilt.

Feldkirch Der am Landesgericht Feldkirch Angeklagte ist 18 Jahre alt und hat eine Vorstrafe. Er saß in U-Haft, doch auch das fruchtete nicht. Über zehn Seiten Vorwürfe hat die Anklagebehörde angesammelt. „Es ist ein umfangreicher Akt“, so auch Richterin Kathrin Feurle bei der Verhandlung. Die Polizei im Ober- und Unterland war gut damit beschäftigt, Berichte zu schreiben, Spurenberichte zu sammeln und Videos zu sichten. Die Beute des 18-Jährigen hielt sich zwar bei den einzelnen Opfern in Grenzen, doch die Vielzahl der Taten ist beachtlich. Ein ganzes Jahr zog der junge Mann durchs Land, „kontrollierte“ Autos, ob nicht Beute in den Fahrzeugen war, und nahm mit, was er gerade brauchen konnte. Manchmal war er allein unterwegs, manchmal mit „Kollegen“.

In flagranti erwischt

Bargeld war natürlich am angenehmsten, Kredit- und Bankomatkarten waren für den Erwerb von Lebensmitteln oder Zigaretten auch ganz hilfreich. In einem Bregenzer Supermarkt wurde er im August auf frischer Tat erwischt, wie er zwei Dosen Red Bull im Rucksack versteckte und ohne zu bezahlen den Markt verlassen wollte. Eine Ladendetektivin erwischte den Teenager und wollte ihn aufhalten. Er schlug um sich und versuchte, seine Beute zu verteidigen. Dies gilt als räuberischer Diebstahl. Gestohlen wurden von dem Dieb unter anderem auch ein E-Bike und ein Moped.

Teilbedingte Haftstrafe

Die Schuld an seinen Straftaten schiebt der Angeklagte „auf den Krieg in meiner Heimat“. Der Vater und Stiefvater des Jungen würden an der Front kämpfen, so Verteidiger Halil Arslan. Das sei eine große Belastung. Mit Drogen habe er versucht, die Realität zu verdrängen. Neben zahlreichen Straftaten nötigte der 18-Jährige einen 16-Jährigen im Zug, auszusteigen. Um diese Forderung zu unterstreichen, zeigte er ein Messer. Was seine Reue betrifft, wackelt alles ziemlich, immer wieder streitet der junge Mann Taten ab, meint dann wiederum, er könne sich nicht erinnern.

Der Schöffensenat kommt zu dem Ergebnis, dass der größte Teil der Taten so begangen wurde wie angeklagt. Der junge Ukrainer wird zu zwölf Monaten Haftstrafe, davon drei unbedingt, verurteilt. Bewährungshilfe wird angeordnet. An Schadenswiedergutmachung wurden 300 Euro zugesprochen. Der junge Mann hat gute Chancen auf eine Entlassung nach der Hälfte der Strafe. EC

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