Kommentar

Simon Tschannett

Krisen und Klima

Ich schreibe diese Kolumne unter dem Eindruck, dass Grönland von US Präsident Trump mit Annexion bedroht wird. Diese Drohung wirkt inzwischen um einiges realer – auch vor dem Hintergrund der US-Kommandoaktion in Venezuela zur Gefangennahme von Staatschef Nicolás Maduro. Die dänische Ministerpräsidentin Frederiksen warnte vor dem Ende der NATO, sollten die USA diese Drohung wahr machen. Soll nun also das Recht des Stärkeren die internationale Rechtsordnung ersetzen?

In dieser Lage geraten Klima­krise, Klimaschutz und Anpassung zunehmend in den Hintergrund. Krieg in der Ukraine, Aufrüstung und Machtpolitik verdrängen (fast) alles andere. Es entsteht der Eindruck, dass Präsident Trump militärische Mittel als Instrument zur Durchsetzung politischer Ziele ansieht. Für mich stellt sich dabei die Frage: Wie aber führt man Krieg gegen das Klima, wenn es sich nicht so verhält, wie man es gerne hätte?

Denn das Klima wartet nicht. 2025 war erneut ein Jahr der Extreme und zählt global zu den wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen. Und bei uns in Vorarlberg? Auf der Alpe Almein in Viktorsberg blüht der Frühlings-Enzian um den Jahreswechsel – obwohl er eigentlich frühestens im März blühen sollte. Und die Schneelage war auch schon besser. Die globalen CO2 Emissionen sorgen dafür, dass die Temperatur weiter steigt, und erschweren den Umgang mit den unausweichlichen Folgen des Klimawandels. Die geopolitischen Krisen verschärfen diese Entwicklung zusätzlich. Wir hätten in politisch stabileren Zeiten mehr für den Klimaschutz tun müssen.

Dabei zeigt ein Artikel im britischen Guardian vom Montag, dass Politiker in Großbritannien und Belgien die Unterstützung der Bevölkerung für klimapolitische Lenkungsinstrumente systematisch unterschätzen. Für diese Maßnahmen existieren eigentlich stabile Mehrheiten, die Abgeordnete häufig falsch einschätzen. Diese Fehleinschätzung bremst Klimapolitik konkret, weil Politiker sich seltener öffentlich dafür einsetzen oder entsprechende Entscheidungen treffen. Und das obwohl die große Mehrheit der Menschen stärkere Maßnahmen gegen die Klimakrise befürwortet. Ob das bei uns auch so ist?

Was sind nun die (klima-)politischen Antworten unserer Politiker und unserer Politikerinnen in Vorarlberg angesichts der eskalierenden globalen Polykrise? Könnten nicht gerade Klimaschutz und Anpassung den nötigen Fortschritt und mehr Sicherheit bringen? Nicht nur im Umgang mit Wetterextremen, sondern auch geopolitisch – indem regionale Wertschöpfung, erneuerbare Energien und geringere Abhängigkeiten von Ölimporten unsere Gesellschaft insgesamt resilienter machen?

„Wie aber führt man Krieg gegen das Klima, wenn es sich nicht so verhält, wie man es gerne hätte?“

Simon Tschannett

simon.tschannett@vn.at

Der Vorarlberger Simon Tschannett ist Meteorologe und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Thema Stadtklimatologie.

Simon Tschannett

simon.tschannett@vn.at

Der Vorarlberger Simon Tschannett ist Meteorologe und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Thema Stadtklimatologie.

„Wie aber führt man Krieg gegen das Klima, wenn es sich nicht so verhält, wie man es gerne hätte?“

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