Heizungsbranche spürt Budgetdruck

Die Förderungen für Tausch von Öl- und Gasheizungen wurden reduziert. Klimaschutz soll künftig stärker durch Vorgaben passieren.
Wien Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) ist gekommen, um das Budget zu sanieren. Sein Sparkurs betrifft auch den Klimaschutz. Eine erste Konsequenz: Wer alte Öl- oder Gasheizungen ersetzen will, muss tiefer in die Tasche greifen. Das Ausmaß wird in einer Anfragebeantwortung des Finanzministers deutlich – und trifft auch Vorarlbergs Installateure. Der Balken für Umwelt- und Klimaschutzförderungen bzw. -ausgaben soll sich bis 2027 fast halbieren. Ein Grund dafür ist, dass der Austausch fossiler Heizungen nur noch mit höchstens 30 Prozent der Kosten gefördert wird – bis zum abrupten Förderstopp Ende 2024 waren es 75 Prozent.
Nachfrage läuft langsam an
Als die Regierung Anfang Oktober verkündete, dass es wieder Förderungen geben wird, liefen die Telefone im Installateurbetrieb von Karl-Heinz Strele nicht gleich heiß, erzählt er den VN: „Die Nachfrage ist langsam und gemächlich angelaufen.“ Der Innungsobmann der Sanitär-, Heizungs- und Lüftungstechniker in Vorarlberg meint: „Das Thema ist einfach aus dem Fokus gerückt. Es war auch die falsche Zeit: Kurz vor dem Winter denkt keiner an den Heizungstausch. Das wird im Frühjahr wieder ein Thema.“ Zudem sei das wirtschaftliche Umfeld schwieriger: „Die Investitionsbereitschaft ist sicher nicht mehr so gegeben wie vor zwei Jahren.“
Im Februar kritisierte er den abrupten Förderstopp. Die Branche habe diesen Schritt gespürt, es habe auch Auftragsstornierungen gegeben. Er plädierte für mehr Planungssicherheit für Kunden und Betriebe. „Jetzt erholt sich die Nachfrage wieder, aber nicht in dem Ausmaß, in dem es einmal gewesen ist.“ Er zeigt aber auch Verständnis für die Kürzungen: „Die Förderung hat bewirkt, dass die Nachfrage viel stärker war, als sie gedeckt werden konnte.“ Nun spricht er von einer „Normalisierung der Fördersummen“.
Auf Förderungen „trainiert“
Menschen seien in Österreich sehr stark darauf trainiert worden, auf Förderungen zu warten, sagte Klimaökonomin Sigrid Stagl im Podcast „Geldanschauung“ des Finanzministers. Das führe dazu, dass Investitionen aufgeschoben würden. Marterbauer spricht darin von einem Paradigmenwechsel beim Klimaschutz. „Wie können wir Klimaziele erreichen? Indem wir Vorgaben machen, Gebote und Verbote aussprechen.“ Das war unter der schwarz-grünen Bundesregierung ein Tabu. Der Finanzminister ergänzt, dass es sich Österreich nicht leisten könne, klimafreundliches Verhalten „voll durchzufinanzieren“. Stagl ergänzte: „Regulierungen sind für den Staat günstiger und vielleicht fairer, weil sie für alle gelten.“ Wichtig seien Planbarkeit und soziale Abfederung.
Klimaschädliche Subventionen
Was diese neue Herangehensweise der schwarz-rot-pinken Bundesregierung bedeutet, lässt sich in der Anfragebeantwortung ablesen (siehe Grafik): Nach der Green-Budgeting-Methode wurden 2025 Ausgaben von 5,065 Milliarden Euro als gezielt klimawirksam eingestuft, weitere 5,617 Milliarden Euro entfalten „positive Nebenwirkungen“. 2026 sinken die direkt wirksamen Mittel auf 4,369 Milliarden Euro, während 6,187 Milliarden Euro Nebeneffekte haben. Für 2027 bis 2029 bleiben die Ausgaben niedriger. Details gibt es aber erst nach den jeweiligen Budgetbeschlüssen.
Marterbauer betont, dass man auch bei klimaschädlichen Subventionen sparen will. Dazu wurde eine Arbeitsgruppe aus Expertinnen und Experten im Finanzministerium eingesetzt. „Klimaschädliche Subventionen werden in der Literatur zum Teil als perverse Subventionen bezeichnet. Man nimmt Steuergelder in die Hand, um etwas zu finanzieren, was der Gesellschaft schadet“, sagte Stagl dazu.
Weiterhin Zukunftsmarkt
In Vorarlberg gibt es noch rund 63.000 fossile Heizungen. Davon sind 27.000 Ölkessel und 36.000 Gaskessel. Das Interesse, umweltfreundlich und unabhängiger von geopolitischen Verwerfungen zu heizen, ist immer noch stark. Innungsmeister Strele klingt insgesamt optimistisch: „Es ist ein Markt mit Potenzial. Es gibt in Vorarlberg noch immer viele alte Öl- und Gasheizungen, die laufen und saniert werden sollten. Da sind die Förderungen sicherlich immer noch ein zusätzlicher, schöner Anreiz.“
„Regulierungen sind für den Staat günstiger und vielleicht fairer, weil sie für alle gelten.“


„Regulierungen sind für den Staat günstiger und vielleicht fairer, weil sie für alle gelten.“
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