VN-Serie (2/4). Die neuen Vorarlbergerinnen und Vorarlberger im Parlament
„Die junge Generation ist politikmüde“

Der 26-jährige FPÖ-Nationalrat aus Bludenz zieht seine erste Bilanz als Parlamentarier.
Wien Es war auch für Politikerinnen und Politiker kein einfaches Jahr. Der Sparzwang schränkt den Gestaltungsspielraum stark ein. Davon können auch die vier Personen aus Vorarlberg berichten, die in der aktuellen Legislaturperiode erstmals in den Nationalrat zogen. „Das erste Jahr war intensiv. Wenn man zuvor kein Mandat hatte und hier hineingeworfen wird, ist sehr vieles neu“, sagt etwa Manuel Litzke. Der 26-jährige Bludenzer sitzt für die FPÖ im Parlament.
Am Tag der Angelobung stand Litzke zunächst vor einer Mauer. Beim Weg vom Saal in den Freiheitlichen Klub „bin ich wohl ein- oder zweimal falsch abgebogen“, erzählt er und lacht. „Es war dann doch verwinkelter, als ich gedacht habe.“ Den Weg in den Freiheitlichen Parlamentsklub schafft er mittlerweile im Eiltempo. Dort befindet sich sein Arbeitsplatz in Wien. Neben dem Empfang begrüßt derzeit ein wenig überraschend ein großes Gemälde der Grünen Klubobfrau Sigrid Maurer mit der mittlerweile berühmten Mittelfingerpose. Das Bild ist Teil einer aktuellen Ausstellung.
Jugend, Bildung als Kernthemen
Politisch in Erscheinung getreten war Litzke zuvor als Landesobmann der Freiheitlichen Jugend in Vorarlberg. „Wir müssen schauen, dass wir die Jungen wieder für Politik begeistern. Gerade wenn man sich die Altersgruppen ansieht, die bei den Nationalratswahlen gewählt haben, haben wir gesehen, dass die junge Generation politikmüde ist und nicht zur Wahl schreitet.“ Die Themen Jugend, Bildung und Hochschulen beschäftigen ihn nun auch im Hohen Haus. Zusätzlich ist er Mitglied des Finanzausschusses. „Es ist für mich ein positives Zeichen, dass die jungen Abgeordneten genau die Themen bekommen, die sie interessieren. Ich glaube, es ist mühsam, wenn man sich mit Themen auseinandersetzen muss, für die man nicht brennt.“ Ein zentrales Anliegen ist für Litzke die Verbesserung der Studienbedingungen. „Hier kommt etwas ins Wanken, auch aufgrund der Inflation. Es trifft immer die Gruppen am härtesten, die eh schon wenig haben. Das finde ich unfair.“ Studierende müssten wirksam entlastet werden. „Daher habe ich es auch kritisch gesehen, dass die Familienbeihilfe nicht indexiert wurde. Auch bei mir war das damals als Student ein wesentlicher Teil meines Einkommens.“
Die parteiübergreifende Zusammenarbeit funktioniere oft besser, als der Ton im Hohen Haus vermuten lässt. „Es gibt schon auch Brücken zueinander.“ So habe es Anträge gegeben, denen alle Parteien zugestimmt hätten. „Das hatten wir zum Beispiel gerade im Finanzausschuss. Bei Sachthemen, wo es nicht gerade ideologisch brenzlig ist, finden wir durchaus zueinander.“ Auch beim „Billiger-Strom-Gesetz“ sei intensiv miteinander verhandelt worden. „Es ist jedem hier bewusst, dass wir sparen müssen. Es unterscheiden sich nur die Konzepte sowie das Wie und Wo“, sagt Litzke. Dabei findet der FPÖ-Politiker kritische Worte zur Regierung: „Ich denke, wir müssen in die Struktur des Staates gehen und schauen, wo wir sparen können. Das ist meiner Meinung nach bislang viel zu wenig passiert.“
Intensiver Arbeitsalltag
„Den Großteil meiner Zeit bin ich am Pendeln“, erklärt Litzke. Am liebsten fährt er mit dem Zug, da er dort arbeiten und direkt in seinem Wohnort Bludenz einsteigen kann. „Ich glaube, man würde als Außenstehender unterschätzen, wie intensiv der Arbeitsalltag der Parlamentarier ist.“ Einen wirklichen Alltag gebe es allerdings nicht, ergänzt er. Ausschüsse und Aktivitäten im Wahlkreis kämen zusätzlich hinzu. Sein Masterstudium an der Wirtschaftsuniversität Wien werde daher wohl „länger dauern als ursprünglich geplant – aber das ist auch ok so“.


- Link kopiert