Streiflicht

Thomas Matt

Spiegelbild wider Willen

Im Grunde ist die Politik ja zu keinem Zeitpunkt weniger ernst zu nehmen als in Vorwahlzeiten. Selbst Einfaltspinsel wissen um die Haltbarkeit von Wahlversprechen. Und was wird da nicht alles in Aussicht gestellt für das eine, entscheidende Kreuz am 15. Oktober!

Vollmundig versprechen sie mehr Sicherheit und weniger Menschen, die künftig hierzulande um Asyl bitten werden. Mehr Gerechtigkeit – ist denn das Wort überhaupt steigerbar? – hier verheißt es unterschwellig härtere Strafen für die anderen. Die politischen Parteien stellen Steuererleichterungen ins Schaufenster, wie es sie noch nicht gegeben hat. Alle sollen profitieren nach dem Wahltag: Die Arbeiter und die Arbeitgeber, vom Schulkind bis zum Pensionisten und allen voran der so oft bemühte kleine Mann, dem der Volksmund übrigens aus Fairnessgründen endlich eine kleine Frau zubilligen sollte.

Vorwahlzeiten zeichnen entlarvende Momentaufnahmen eines Landes in einer Art Rauschzustand. Sie erzählen auch beredt davon, welches Bild die Politiker von ihrem Volk haben, um dessen Gunst sie da buhlen. Dieses Bild scheint wenig schmeichelhaft. Gemessen an den Versprechen der wahlwerbenden Gruppierungen erscheint das Gros der Menschen hierzulande verängstigt und missgünstig, zu kurz gekommen und gierig, rachsüchtig und mitleidlos, dumm und leichtgläubig. Man fragt sich also zwangsläufig, was einen Menschen antreibt, ausgerechnet an der Spitze eines solchen Volkes stehen zu wollen.

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