„Hier ist der Anfang der Welt“

von Johannes Huber
Elisabeth Kiesler, eine ehemalige Krankenschwester, bemüht sich in Ziegental um Sauberkeit.
Elisabeth Kiesler, eine ehemalige Krankenschwester, bemüht sich in Ziegental um Sauberkeit.

Pater Georg Sporschill und Ruth Zenkert freuen sich über zahlreiche Helfer aus Vorarlberg.

Wien. (VN) Rumänien und Vorarlberg seien zusammengeführt worden, freut sich Jesuitenpater Georg Sporschill immer wieder: Zahlreiche Landsleute des gebürtigen Feldkirchers haben sich in den letzten Wochen nach einem VN-Bericht auf den Weg gemacht, um ihn und seine Mitstreiterin Ruth Zenkert bei ihrer Sozialarbeit in Siebenbürgen zu unterstützen. Elisabeth Kiesler und Günter Meier sind zwei davon: Sie bemüht sich in einer Roma-Siedlung um mehr Sauberkeit, er um die Errichtung eines Sozialzentrums mit Waschgelegenheit. Bereut haben sie ihre Entscheidung, die Heimat für ein paar Monate hinter sich zu lassen, nicht. Im Gegenteil: „Wenn man mir sagt, hier sei das Ende der Welt, dann erkläre ich, das ist der Anfang“, betont Kiesler: Frauen, Männer und Kinder müssten schließlich „ganz unten anfangen“. So wie das junge Paar, sie 16, er 20 Jahre alt, mit Baby. „Ihr Haus hat nicht viel mehr als fünf Quadratmeter. Außer Bett, Kasten und Ofen ist nicht viel mehr drin. Aber es gehört ihnen und sie machen einen zufriedenen Eindruck.“

Elisabeth Kiesler kommt aus Feldkirch, ist 62 und ehemalige Krankenschwester: Nachdem ihre Enkelkinder sie nicht mehr so dringend bräuchten, habe sie sich für den dreimonatigen Freiwilligeneinsatz in der Nähe von Hermannstadt gemeldet. Mit ihrem Sozialverein „Elijah“ kümmern sich Sporschill, Zenkert und ihre Mitarbeiter dort um die Roma, die meist ohne Arbeit und Einkommen in slumartigen Behausungen leben.

Helfen heißt in diesem Umfeld vor allem einmal Geduld haben. „Ruth hat gesagt, wenn sich ein, zwei Familien entwickeln, ist das schon ein großer Erfolg“, berichtet Kiesler. So gesehen ist sie gut unterwegs: Im Dorf Ziegental dreht sie täglich ihre Runden. In einem Haus findet sie neuerdings immerhin gemachte Betten vor. Ein Fortschritt. Andernorts hängt gewaschene Kleidung. Auch das ist eine Weiterentwicklung.

Hygiene ist eine der Herausforderungen in Ziegental. Das beginnt damit, dass Kiesler mit den Kindern täglich die Zähne putzt: „Das ist wichtig, weil sie oft Zahnweh haben“, berichtet sie. „Jedes Kind hat eine eigene Bürste und einen Becher mit seinem Namen drauf bekommen.“ Außerdem ist in den letzten Wochen im Zentrum des Dorfes ein Brunnen geschlagen worden, an dem sich die Leute nun waschen können: „Die Kinder genießen das“, so Kiesler, „am Anfang waren sie noch ein bisschen g’schamig.“

Weit ins vorige Jahrhundert zurückversetzt fühlt sich Günter Meier (59) in Ziegental: Gemeinsam mit Männern aus dem Dorf errichtet er auf einer Grundfläche von 80 Quadratmetern ein Sozialzentrum, in dem nach seiner Fertigstellung Menschen empfangen und betreut werden können und auch Duschen zur Verfügung stehen werden.

„Hier arbeitet man wie bei uns vor 50 Jahren“, sagt Meier nicht ohne Stolz: „Jeder Eimer Beton wird händisch gemischt und dann hergeschleppt. Es ist ein anstrengendes, aber schönes Schaffen“, so der Feldkircher, der ursprünglich etwas anders geplant und sich dann kurzfristig dazu entschlossen hatte, nach Siebenbürgen aufzubrechen.

Elijah. P Georg Sporschill SJ. Soziale Werke. Bankverbindung: BTV, BLZ 16300, Kto-Nr. 130 198 724 .
Für weitere Informationen ist Russ-Preis-Träger Sporschill per Mail erreichbar: g.spo@gmx.net

VN vom 25. Februar 2013: Georg Sporschill SJ bei Kindern in Ziegental.
VN vom 25. Februar 2013: Georg Sporschill SJ bei Kindern in Ziegental.
„Hier arbeitet man wie bei uns vor 50 Jahren“: Günter Meier mit seinen Mitarbeitern aus dem Dorf. Fotos: Elisabeth Kiesler
„Hier arbeitet man wie bei uns vor 50 Jahren“: Günter Meier mit seinen Mitarbeitern aus dem Dorf. Fotos: Elisabeth Kiesler

Ihr Haus hat fünf Quadratmeter. Aber sie wirken zufrieden.

Elisabeth Kiesler
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