Fünfzehn Monate Gefängnis für den Raub von nur vier Euro

von Gerhard Sohm

Ausgeraubt statt abgesahnt: Betrogenes „Hascherl“ schlug mit Stahlrute zu.

feldkirch. Alles begann harmlos, ja wie ein dummes Versehen. Ein junger Tschetschene wollte nur ein bisschen „Gras“. Ein Bekannter konnte ihm weiterhelfen, gab ihm die Telefonnummer eines jungen Russen, den er vorher noch nie gesehen hatte.

Ein Anruf genügte. Treffpunkt: Bahnhof Riedenburg im Bregenzer Vorkloster. Dort einigte man sich sogleich: fünf Gramm Cannabiskraut für fünfzig Euro. Kassiert wird aber gleich. Der 17-jährige Russe steckte die 50 Euro ein und verschwand, um das „Gras“ zu holen. Doch darauf konnte sein Kunde lange warten. Sein Dealer ließ sich nicht mehr blicken.

„Hole mir deinen Kopf“

Aber der Betrogene hatte die Nummer des Verschwundenen, tippte zornerfüllt eine SMS in die Tasten: „Du Hurensohn. Ich hole mir deinen Kopf, komme mit Leuten, die dich töten!“ Die Antwort des Bedrohten kam gleich. Man solle das „Missverständnis“ doch lieber erst untereinander ausreden. Friedlich und allein. Als Treffpunkt wurde der Cubus Wolfurt vereinbart.

Zum Zeitpunkt des „Meetings“ war es Nacht, der Regen fiel in Strömen. Doch der junge Russe kam nicht allein, sondern mit Verstärkung – einem 18-jährigen, vierfach vorbestraften Landsmann.

Was dann geschah, wurde vorgestern am Landesgericht Feldkirch zu einer langen Suche nach der Wahrheit. Angeklagt waren die beiden Russen wegen Betrugs und des Verbrechens des Raubes. So wurde ihnen angelastet, den jungen Tschetschenen damals nicht ausbezahlt, sondern ausgeraubt zu haben.

Doch die Beschuldigten „relativierten“. Sie hätten ihrem Abnehmer das Geld ja aushändigen wollen. Doch dann war da noch dessen gefährliche Drohung per SMS. Das galt es zunächst abzuklären. In Ruhe. Aber es eskalierte in Gewalt.

Es ist unumstritten, dass der betrogene Tschetschene dem Russen mit einer Stahlrute (die er vorher zufällig auf dem Boden gefunden hätte) auf den Kopf geschlagen hatte. „Ich war beinahe ohnmächtig“, schilderte das Opfer vor Gericht, „er hat fünfmal auf mich eingeschlagen. Mein Kopf blutete stark, fühlte sich an, als ob er auseinandergebrochen wäre.“

Die Staatsanwaltschaft sah es jedoch auch als erwiesen an, dass die Angeklagten ihrem Gegenüber anschließend vier Euro, eine Packung Zigaretten und eine Kräutermühle (zum Zermahlen des Cannabiskrautes) gewaltsam abgenommen hatten. Außerdem hätten sie ihn eine Stiege hinuntergestoßen sowie ihm Faustschläge und Fußtritte verpasst.

Schuldig des Raubes

Die Beschuldigten hingegen gaben an, zur nächsten Bushaltestation gegangen zu sein. Wegen der Kopfverletzung. Man wollte ins Landeskrankenhaus. Endstation war allerdings die Polizeiinspektion, denn die Beamten hatten sie noch rechtzeitig abgefangen.

Der Schöffensenat sprach die beiden Angeklagten im Sinne der Anklage schuldig. Betrug und Verbrechen des Raubes. Während der Jüngere der beiden Russen auf Grund seiner vorherigen Unbescholtenheit gerade noch an einer unbedingten Haftstrafe „vorbeischrammte“, traf es seinen 18-jährigen vorbestraften Komplizen umso heftiger: Jener muss für fünfzehn Monate ins Gefängnis. Eine alte bedingt ausgesprochene Haft von sechs Monaten wurde widerrufen. Also 21 Monate. Der Jüngere kam mit zehn Monaten davon, aber wie gesagt bedingt. Eine Geldstrafe von 1140 Euro muss er jedoch bezahlen. Die Verurteilten erbaten sich Bedenkzeit.

Tatort Cubus in Wolfurt: Das Opfer gab an, von den Räubern eine Stiege hinuntergestoßen worden zu sein. Foto: VN/Sohm  
Tatort Cubus in Wolfurt: Das Opfer gab an, von den Räubern eine Stiege hinuntergestoßen worden zu sein. Foto: VN/Sohm  
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