Gedanken zum Sonntag. Von Pfarrer Wolfgang Olschbaur

Alles neu!

Alles neu!

Am Anfang des Jahres stehen nicht nur gute Vorsätze, sondern auch Worte, die durchs Jahr begleiten wollen. Eine ökumenische Arbeitsgemeinschaft hat für 2026 den Satz: „Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu!“ (Offenbarung 21,5) als Losung herausgegeben. Solche Worte sind voll Hoffnung auch für unsere alte und an vielen Stellen so zerstörte Welt. Sie klingen wie ein Versprechen und gleichzeitig wie eine Einladung, das Alte loszulassen und dem Neuen zu vertrauen. Und sie klingen auch wie eine Erleichterung, denn wir müssen nicht alles neu machen. Gott selbst ist am Werk, er öffnet neue Wege, wo keine zu erkennen sind, und schenkt neues Leben, wo man auf Vergangenes setzt.

Das Bibelwort ist dem letzten Buch im Neuen Testament, der Offenbarung des Johannes, entnommen. Die Bilder, die der Seher Johannes hier entwirft, weisen in eine Zukunft, die uns unvorstellbar erscheint. Alles ist neu. Verwandelt in Freude sind die Dinge, die bedrücken. „Sieh her: Gottes Wohnung ist bei den Menschen! Er wird bei ihnen wohnen, und sie werden seine Völker sein. Gott selbst wird als ihr Gott bei ihnen sein. Er wird jede Träne abwischen von ihren Augen. Es wird keinen Tod und keine Trauer mehr geben, kein Klagegeschrei und keinen Schmerz. Denn was früher war, ist vergangen. – Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu!“ (Offenbarung 21,3-5)

Visionen

Der Apokalyptiker Johannes wurde mit einer Schau in die Zukunft beschenkt. Er schrieb seine Vision als Verbannter auf der Insel Patmos. In dieser Zeit wurden Christinnen und Christen wegen ihres Glaubens verfolgt und viele getötet. Sie weigerten sich, den römischen Kaiser als Gott anzubeten. Sie hofften, dass ihr Gott die Drangsal beenden und alles neu machen wird.

„Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen!“ Dieses geflügelte Wort findet hier seine Umkehrung: Wer keine hat, sollte sich Sorgen machen. Weil Visionen und Träume einen daran erinnern, dass es etwas gibt, das über uns hinausweist. Hoffnung kann beflügeln. Nicht weil sie ignoriert, was wir hier erleben und manchmal erleiden müssen. Im Gegenteil – weil sie uns die Augen öffnet für eine andere, eine neue Welt. Wir brauchen einen solchen Blick über uns selbst hinaus.

Tröstliche Worte

Es sind alte Worte. Sie berühren bis heute. Sie sind wie ein Blick hinüber auf das, was kommt, und was wir nicht in der Hand haben. Gott macht alles neu. Und alles wird gut!

„Alles wird gut“ – sagt eine Mutter zu ihrem Kind, das weint, um es zu trösten. Auch wenn sie weiß, dass nicht alles gut sein wird. Aber solche Worte können trösten, wenn jemand sie zu einem spricht.

Beides ist wahr: dass wir in einer Welt leben, über die sich beim besten Willen nicht sagen lässt, dass alles gut wäre. Aber das andere ist auch wahr: dass die Tür zu Gottes Wohnung manchmal vor uns und für uns aufgeschlossen wird. Dass wir hinschauen und uns wundern, wie vieles sich unverhofft zum Guten wendet, wie sehr es die Liebe vermag, Verhältnisse zu verändern, wie viele Menschen sich zur Güte verführen lassen. Also: Nicht „Schwierig ist die Welt, unüberwindbar die Probleme, frustrierend der Alltag.“, sondern „Halte deine Träume fest und lerne sie zu leben!“ Eine Vision entfaltet ihre Kraft angesichts der Realität. Sie wagt, die Welt so zu sehen, wie sie ist, und wagt, Gott und Christus darin zu denken. Angesichts des globalen Unheils hofft sie unerschrocken auf die Globalisierung des Mitgefühls. Dann wird tatsächlich – vielleicht nicht alles – aber doch sehr vieles richtig gut. Und neu.

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