Kommentar

Walter Fink
Walter Fink

Katholische Gastlichkeit

Der Tourismus hat für Vorarlberg ganz besondere wirtschaftliche Bedeutung, liegt doch das Bruttoregionalprodukt des Fremdenverkehrs bei mehr als acht Prozent und trägt damit überdurchschnittlich zur regionalen Gesamtbeschäftigung bei. Dieser Anteil ist – mit Ausnahme von Tirol – höher als in den meisten anderen Bundesländern, liegt doch der österreichische Anteil bei nur etwas mehr als vier Prozent (alle Zahlen bezogen auf 2023). Vorarlberg tut also gut daran, der Ausbildung von jungen Tourismusfachleuten der verschiedensten Bereiche besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Das geschieht auch, vornehmlich mit der Tourismusschule „GASCHT“, an der derzeit 300 Schülerinnen und Schüler an den Standorten in Bludenz, Hohenems und Bezau unterrichtet werden. Die Ausbildung ist anerkannt gut, wie verschiedenste Hinweise – etwa die Betreuung des „Österreich-Hauses“ bei Olympischen Spielen oder anderen Großereignissen – belegen. Zudem: Ein erheblicher Teil der Abgängerinnen und Abgänger der Schulen – etwa 80 Prozent – finden ihren Arbeitslatz in Vorarlberg und verteilen sich über alle einschlägigen Betriebe im Land. Das ist ein Spitzenwert und er rechtfertigt hohen Einsatz, auch hohen finanziellen Einsatz des Landes, das sich derzeit in anderen Bereichen ja nicht gerade als besonders ausgabenfreudig zeigt.

Nun ist es für die GASCHT in Hohenems eng geworden, eine räumliche Erweiterung, die aber in Hohenems offensichtlich nicht machbar ist, sei unumgänglich. Man suchte also eine Lösung – und wurde bei der Katholischen Privatschule in Marienberg in Bregenz fündig. Landeshauptmann Markus Wallner persönlich kündigte die Übersiedlung an, um damit die Kapazität der Schule zu erhöhen. Die dritten und vierten Klassen werden künftig in Bregenz untergebracht. Die Landesregierung plant Investitionen von 13 bis 15 Millionen Euro in die Privatschule Marienberg und in die Villa Raczynski, um eine zusätzliche Klasse zu ermöglichen.

Das alles mag für den Tourismus erfreulich sein, man darf aber unabhängig davon doch die Frage stellen, ob eine für die Wirtshaft des Landes so wichtige Schule in einer katholischen Klosterschule richtig untergebracht ist. Schließlich ist der Tourismus ja nicht konfessionell ausgerichtet, er hat im Gegenteil gleiche Distanz – oder gleiche Akzeptanz – zu allen Religionen zu pflegen. Einmal abgesehen davon, dass sich auch die Schülerinnen und Schüler der GASCHT ja längst nicht mehr aus einem geschlossen katholischen Vorarlberg zusammensetzen. Da werden hoffentlich Jugendliche aus allen religiösen Lagern ausgebildet.

Um es ganz deutlich zu sagen: Eine solch wichtiger Schultyp gehört nicht an eine konfessionelle, sondern an eine öffentliche Schule. Auch Investitionen des Landes in dieser besonderen Höhe gehören nicht an eine Klosterschule, sondern an eine öffentliche Schule. Und man behaupte nicht, dass es da keine Möglichkeiten gegeben hätte. Den Willen dazu hätte man haben und suchen hätte man müssen. Nicht den einfachsten Weg über die Klosterschule gehen, die diese Investition der Öffentlichkeit in den eigenen Gemarkungen natürlich gerne annimmt.

„Auch Investitionen des Landes in dieser besonderen Höhe gehören nicht an eine Klosterschule, sondern an eine öffentliche Schule.“

Walter Fink

walter.fink@vn.at

Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.

Walter Fink

walter.fink@vn.at

Walter Fink ist pensionierter Kulturchef des ORF Vorarlberg.

„Auch Investitionen des Landes in dieser besonderen Höhe gehören nicht an eine Klosterschule, sondern an eine öffentliche Schule.“

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