Farbe, Licht und Raum

Ausstellung im Bildraum von Anton Kehrer: „a different kind of horizon“.
Bregenz Der Bildraum Bodensee präsentiert noch bis zum 21. Jänner mit „a different kind of horizon“ eine umfassende Einzelausstellung des oberösterreichischen Künstlers Anton Kehrer. In dessen Werk lösen sich die medialen Grenzen zwischen Fotografie, Malerei, Grafik, Lichtkunst und Skulptur auf. In seinem intermedialen und ganzheitlichen Ansatz thematisiert Kehrer die Grundlagen der menschlichen, visuellen Wahrnehmung – Farbe, Licht und Raum – und deren transformativen Charakter in den Augen der Betrachtenden.
Grenzenlose Wahrnehmungsräume
Den Hauptstrang dieser konzeptionellen Auseinandersetzung bildet der seit 1995 kontinuierlich fortlaufende analoge Fotozyklus Lightflow. Die Resultate sind großformatige, abstrakt erscheinende Fototableaus von frappant malerischer Wirkung. Sie sind frei von vordergründigen und narrativen Inhalten und umkreisen die Wirkprinzipien der Fotografie (Licht trifft auf lichtempfindliches Material) sowie der Malerei (Zusammenspiel von Farbe, Fläche und Licht).
Kehrers fotografische Praxis umfasst sowohl Fotos von Lichtquellen im öffentlichen Raum – Neonreklamen, Leuchtschriften, Tankstellendächer – als auch Detailansichten von Lichtinstallationen anderer Künstler, wie jene von Dan Flavin, Keith Sonnier und Maurizio Nannucci, die er in Ausstellungssettings findet. Kehrers Fotoarbeiten changieren zwischen den Polen profaner Alltagsbeleuchtung und wohlgesetzter Gestaltung.
Die Bregenzer Ausstellung zeigt auch Fotoarbeiten, die seit 2007 im Atelier entstanden sind. Der Künstler schichtet kleine, durchscheinende, industrielle Farbmusterplatten auf einem Leuchttisch übereinander. In den Aufnahmen zeigen sich dadurch additive Farbmischungen, eine Praxis, die dem Anmischen der Farben auf einer Malerpalette gleicht.
Licht, Farbe und Schichtung
Der Ausstellungstitel „a different kind of horizon“ bezieht sich auf den besonderen Blick auf den Bodensee, den die Ausstellungsräume bieten. „Horizont“ versteht Kehrer durchaus metaphorisch. So schrieb er bereits 2001 in einem Katalogtext zu seiner ersten Museumspersonale „Beyond“ in der Landesgalerie am OÖ Landesmuseum Linz: „Dass die Arbeiten aus dem Zyklus ‚lightflow_artificial horizons‘ häufig eine landschaftliche Wirkung haben, ist nur eine Begleiterscheinung. Eine bildhafte Auseinandersetzung mit der Natur interessiert mich nicht wirklich. Vielmehr interessiert mich eine inhaltliche Annäherung an den Horizont. Ein Horizont ist zwangsläufig eine Lichtgrenze. Wenn kein Licht vorhanden ist, nehmen wir keinen Horizont wahr. Außerdem bewegen wir uns immer auf ihn zu, aber erreichen werden wir ihn nie. So verhält es sich auch mit künstlerischen Lösungsansätzen“.
Am Samstag, dem 7. Februar, wird um 18 Uhr im Bildraum Bodensee die gemeinsame Ausstellung von Philipp Leissing und Sophie Dvořák eröffnet. Ausgehend von zahlreichen Überschneidungen im Nachdenken über Form, Farbe, Material und Abstraktion führen die beiden Künstler ihre Arbeiten in einen offenen Dialog. Die Werke treten einander gegenüber, reagieren aufeinander, widersprechen sich mitunter und eröffnen Fragen, statt sie zu beantworten. vn-ama
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