Furios und teuflisch gut

von Christa Dietrich
Dünser, Schelling, Kovacevic und Deuring sind „Die Schurken“ und bleiben es hoffentlich noch lange.  Foto: MD  
Dünser, Schelling, Kovacevic und Deuring sind „Die Schurken“ und bleiben es hoffentlich noch lange. Foto: MD  

Ein adäquater Bericht über ein „Schurken“-Konzert ist beinahe unmöglich.

Dornbirn. Dass man sich Diavolo (Goran Kovacevic), Arrabiata (Stefan Dünser), Mozzarella (Martin Schelling) und Calzone (Martin Deuring) nennt, geht noch als Gag durch, der einem Konzertprogramm entspricht, das sich auch an Kinder und Jugendliche richtet. Wenn sich ein Abend dann so furios oder eben teuflisch gut entwickelt, wie jener am Dornbirner Spielboden, an dem die Gruppe „Die Schurken“ ihren zehnten Geburtstag feierte, wird das Ganze zum kaum noch beschreibbaren Spaß, der den erwähnten aus Vorarlberg stammenden oder hier tätigen  Interpreten mit Akkordeon, Trompete, Flügelhorn, Piccolo, Klarinette, Bassklarinette, Basset-Horn und Kontrabass zum großen Ereignis geriet.

Hätte man das Publikum nicht nach weit mehr als zwei Stunden mit Schuberts „Traummännlein“ aus dem Saal gejagt, wäre man es vermutlich bis nach Mitternacht nicht losgeworden. Sich auf die Suche nach der schönsten Musik zu begeben – was „Die Schurken“ angekündigt hatten –, kann auch dann zur nie enden wollenden Reise werden, wenn man es nicht nötig hat, auf Konzertsaalhits zu setzen. Erstens würde das ohnehin nicht den hochstehenden Ambitionen der Truppe entsprechen und zweitens hat diese eine Fangemeinde, die Überraschungen nicht nur begehrt, sondern auch bekommt.

Exzellent und präsent

Mit Werken von Murat Üstün, Henry Purcell, Maurice Ravel, Dimitri Schostakowitsch oder Eric Satie wurden sie geboten, jeweils adaptiert für das erwähnte Instrumentarium und aneinandergereiht, damit Musiktheater entsteht, fast ein szenischer Abend, an dem die Künstler sowohl exzellente Musiker als auch präsente Schauspieler sind. Schließlich soll aus dem Zweieinhalbstünder wieder ein Vermittlungsprojekt extrahiert werden, mit dem man an Projekte wie „Die Schurken und der magische Klang“ anschließen kann, für die sich Deuring, Schelling, Dünser und Kovacevic bereits internationale Preise holten und die in Musikzentren wie Köln oder Luzern (oder auch bei den Bregenzer Festspielen) ebenso funktionierten, wie bei Aufführungen im schulischen Umfeld.

Nur lehrmeisterlich, das sind die vier selbstverständlich pädagogisch geschulten Musiker keineswegs. Das Geheimnis des Erfolgs liegt an der hohen Professionalität, die jeder am eigenen Instrumentarium mitbringt und an einer Leidenschaft, die sich unmittelbar auf das Publikum überträgt. Sei es nun fünf, fünfzig oder älter. Bei Purcells Passagen aus der Oper „The Fairy Queen“ der feierlich satte Klang, bei Saties „Gymnopädie“ das Filigrane, bei Murat Üstün ein sehnsuchtsvoller Schwenk in die türkische Heimat des Komponisten, beim „Pannonischen Casanova“ von Martin Schelling Unterhaltung pur – aneinandergereiht wäre das alles schon eine Ohrenschmeichelei, doch bei den „Schurken“ sind die Übergänge fließend, die Stücke werden in ein großes Ganzes eingebettet, schärfen die Sinne und bereiten ungemeinen Spaß.

Unwiderstehlich

Ob noch ein kleiner Einblick ins musikalische Universum von György Ligeti gewährt wird, ob sich Stefan Dünser zu einer Polka hinreißen lässt oder  Richard Galianos wehmütiger „Tango pour Claude“ erklingt – vom Konzept her wohnte das Publikum einer noch unstrukturierten Probe mit witziger Konversation bei, in Wirklichkeit ist es ein innovatives, unwiderstehliches Musikprogramm.

Nächstes Konzert am Spielboden, 17. April, 21 Uhr, „Fuzzman & The Singing Rebels“

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