Neue Musik einmal so spannend wie ein Krimi

Gefeiert: Komponisten Gerold Amann und Richard Dünser mit den Mitgliedern des Ensembles Plus in der Klosterkirche Lauterach. Foto: HH
Gefeiert: Komponisten Gerold Amann und Richard Dünser mit den Mitgliedern des Ensembles Plus in der Klosterkirche Lauterach. Foto: HH

Neue Werke von Gerold Amann und Richard Dünser wurden bejubelt.

Lauterach. (VN-amp) „Auf der Suche nach einer würdigen Uraufführungsstätte für Richard Dünsers „Canti notturni“ sei man auf die Klosterkirche der Redemptoristinnen in Lauterach gestoßen. Diese diene jetzt quasi als „Geburtsstätte“, meinte Klarinettist Martin Schelling, dem Dünser dieses Werk gewidmet hat.

Eingebettet in zwei romantische Stücke von Giaccomo Meyerbeer und Bernhard Crussel, in denen sich das Ensemble Plus mit Johanna Weirich und Anita Martinek (Violine), Andreas Ticozzi (Viola) und Jessica Kuhn (Cello) gemeinsam mit Martin Schelling auf der Klarinette von ihrer besten Seite zeigen, kommen die beiden Vorarlberger Gerold Amann und Richard Dünser mit zwei ihrer kontrastierenden Schöpfungen zur Geltung. Für Gerold Amann sind die Gibbons die genetischen Nahverwandten der Menschen. „Die Gibbons sind zweifellos die Musiker unter den Affen“, resümiert der Schlinser, den Schelling als „Urgestein der Vorarlberger Komponistenszene“ begrüßt. Amann hat sich intensiv mit den „Gesängen der Gibbons“ auseinandergesetzt. „Die Gibbons musizieren regelmäßig paarweise über Stunden hinweg“, hat Amann recherchiert und die tierischen Tonfolgen möglichst kompromisslos für Streichinstrumente transkribiert. Die Mitglieder des Ensemble Plus erweisen sich dabei als profunde Interpreten, die den Intentionen des Komponisten bis zur Imitation der „Affensprache“ folgen.

Bildhafte Collage

Richard Dünsers „Canti notturni“ für Bassetthorn und Streichquartett entpuppt sich als bildhafte Collage, spannend wie ein Krimi. Eingebettet in den Streicherklang hat Dünser alle Facetten des Bassetthornspiels effektvoll in seinen fragilen musikalischen Gebilden berücksichtigt. „Fragmente aus Gedichten von Giacomo Leopardi, Nikolaus Lenau und Goethe, gepaart mit japanischen Haikus bilden einen poetischen Background“, gibt Dünser als Minimal-Erklärung für sein mystisches, teils in Sphärenklängen und apokalyptische Abgründe entführendes, souverän ausgefeiltes Werk, gespickt mit musikalischen Metaphern.

Dabei bedient er sich kompositorisch dieses Mal der Spätromantik im allerbesten Sinn, wohlwissend, dass seine Klanggemälde die Zuhörer wie Schuberts „Gesang über den Wassern“ erreichen. Totale Begeisterung im gut gefüllten Kirchenraum.

Nächste Aufführung: 31. Oktober, Universitätskirche Wien

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