„Krapfenjagd“ im Schützenhaus Rheintal

Am Sonntag, 9 bis 17 Uhr, warten Berge von süßen Belohnungen auf treffsichere Amateure
Lustenau Käsdönnola auf der Kilbi, Schüblinge vom Schüblingschießen auf dem Schießstand am Kobler – das waren seit Jahrzehnten Highlights im herbstlichen Veranstaltungsprogramm der Marktgemeinde. Kilbi-Käsdönnola sind es mehr denn je – Schützen-Schüblinge sollten es eigentlich im vergangenen Oktober wieder werden, doch die Organisation für die offizielle Eröffnung des Schützenhauses „hat uns derart in Anspruch genommen, dass wir das fix geplante Schüblingschießen einfach nicht mehr hinbekommen konnten“, bedauert Oberschützenmeister Heinz Hagen.
Süßes Pendant entdeckt
Also warten bis Oktober 2026? Mitnichten! „Wir haben uns überlegt, wenn man um Schüblinge schießen kann, dann kann man das auch um Faschingskrapfen“, schmunzelt der Präsident des ältesten Lustenauer Vereins, der heuer 180-Jahr-Jubiläum feiern kann, und lädt deshalb am Sonntag, 9 bis 17 Uhr, zum ersten Lustenauer Krapfenschießen ein. Die Regeln sind einfach: Jeder, der die sportliche Herausforderung annimmt und sich als Schütze mit dem Luftgewehr (aufgestützt oder aufgelegt) als treffsicher erweist, bekommt für zwei Zehner oder vier Treffer zwischen sechs und neun einen Krapfen. Zehnerserien können beliebig oft nachgekauft werden.
Talente entdecken
So wie das legendäre Schüblingschießen soll auch das erstmals organisierte Krapfenschießen zum einen gesellschaftliche Impulse für das Vereinsleben geben, zum andern aber auch dem Verein neue Talente zuführen. „Bei den Schüblingschießen in der Vergangenheit sind immer wieder Amateure an den Schießstand gekommen, die Talent für den Schießsport hatten und ihre Freude damit entdeckten und deshalb dabeigeblieben und Vereinsmitglieder geworden sind“, erinnern sich die Senioren des Vereins. In erster Linie geht es der Vereinsführung beim Krapfenschießen aber darum, Schützensport und Schützengilde wieder stärker im gesellschaftlichen Geschehen zu positionieren, ist doch das Sportschießen – gemessen an Erfolgen bei Olympischen Sommerspielen, Weltmeisterschaften und nationalen Titelkämpfen – eines der großen Aushängeschilder Vorarlbergs.
Lustenaus Anteil an dieser Erfolgsgeschichte war und ist beachtlich – und mehr als Nostalgie, denn die einzigartigen Möglichkeiten, die mit dem neuen Schützenhaus Rheintal den Spitzensportlern eröffnet wurden, hat einige der besten Aktiven des Landes dazu veranlasst, ihre sportliche Heimat nach Lustenau zu verlegen.
Die Jagd war naheliegend
Dass die Schützengilde ihr Leuchtturmprojekt realisieren und auch finanzieren konnte, ist einer „logischen“ Partnerschaft mit der Jagd geschuldet: die Vorarlberger Jägerschaft hat sich in die Projektierung des Schützenhauses eingebracht, hier auf dem historischen Gelände am Kobler u. a. ihr Büro der Landesgeschäftsstelle eingerichtet und spezielle Stände (laufender Keiler, Kipphase) in die einzigartige Anlage integriert, um hier auch die praktische Schießausbildung für Anwärter durchführen zu können.
Wie Phönix aus der Asche
Wie jeder Verein hat auch die Lustenauer Schützengilde Höhen und Tiefen, glanzvolle Zeiten und schwere Krisen durchlaufen – die schlimmste davon wohl in jüngster Vergangenheit, als die Heimstätte am Koblacher Kanal mehr und mehr zerfiel und schließlich komplett abgerissen werden musste.
Mit dem einzigartigen Schützenhaus Rheintal wurde eindrucksvoll die Trendwende geschafft – wie Phönix aus der Asche konnte der Verein binnen weniger Jahre die Mitgliederzahl vom historischen Tiefststand von nur noch knapp über 100 bis heute fast verdreifachen – Tendenz nach wie vor weiter steigend. STP

