VN-Interview. Frauke Jacobi (46), Puppenspielerin, Schauspielerin, Regisseurin, Ausstatterin und Autorin

„Spiele ich eine Figur, bin ich ganz bei ihr“

von Frank Angerer
Frauke Jacobi mit ihrer Gertrud, demnächst beim Homunculus-Festival.  S. Zbinden

Frauke Jacobi mit ihrer Gertrud, demnächst beim Homunculus-Festival.  S. Zbinden

Frauke Jacobi ist mit ihrer Puppe Gertrud beim Homunculus-Festival zu erleben.

schwarzach Einen heiteren Abend zwischen Puppe und Mensch können die Zuschauer nächste Woche beim Homunculus-Festival erleben. Die Frau hinter der Puppe – Frauke Jacobi – erzählt im heutigen VN-Interview über ihren Beruf als Puppenspielerin.

 

Sie haben Figurenspiel studiert. Woher kommt die Faszination für das Figurenspiel?

jacobi Ich bin inmitten von Büchern und Bildern aufgewachsen. Meine Mutter ist Buchhändlerin und mein Vater Maler. Ein Puppentheater gab es gleich um die Ecke. Dort war ich viel zu Gast und mit zehn Jahren beschloss ich, dass dies der richtige Beruf für mich ist.

 

Worin liegt die besondere Herausforderung des Puppenspiels?

Jacobi: Man muss sich immer wieder auf neues Material einlassen. Es braucht viel Geduld, Übung und Fingerspitzengefühl, um es zum Leben zu bringen. Der Schauspieler tritt zurück und lässt seine Charakterstudien in die jeweiligen Figuren einfließen. 

Wissen Sie noch, wie Ihre erste Puppe hieß?

Jacobi: Ich hatte eine, der ich alle Haare abgeschnitten habe – Sabine. Sie sah danach schrecklich aus. Für meinen ersten Eignungstest habe ich das Käthchen von Heilbronn gespielt, eine nicht besonders hübsche Figur aus Pappmaché und Wollhaaren. Ich habe nicht bestanden. Beim zweiten Mal habe ich es mit der Jungfrau von Orleans probiert, die war auch aus Pappmaché und Wollhaaren und hatte ein Pappschwert. Ich spielte voller Ernst, aber die Leute amüsierten sich köstlich und ich bestand den Test.

 

Viele Menschen verbinden Figurenspiel noch immer mit Puppentheater für Kinder. Ihr Stück, das Sie beim Homunculus-Festival präsentieren, ist für Erwachsene. 

Jacobi: Ja. Die meisten denken an Kasperletheater. Allenfalls noch an Marionettenopern. Dabei gibt es inzwischen so viele fantastische Stücke für Erwachsene. 

 

Wie sehr lebt man sich als Puppenspieler in die Figur ein?

Jacobi: Wenn ich eine Figur spiele, bin ich ganz bei ihr. Auch wenn ich den Draufblick immer behalte. Bei Gertrud ist es eine schizophrene Geschichte, da ich in diesem Solostück permanent als Schauspielerin in einer Auseinandersetzung mit ihr stehe. Mir wurde schon vom Publikum gesagt, dass sie zwischendrin vergessen haben, dass ich allein bin. Das ist ein großes Kompliment.

 

Sie sind in der DDR aufgewachsen, mit Mitte 30 dann in die Schweiz ausgewandert. Was gab den Anstoß dazu?

Jacobi: In der DDR bin ich erwachsen geworden. Ich war 18, als die Wende kam. Später gab es Gastspiele, die mich immer wieder in die Schweiz führten. Das Land gefiel mir und die Stadt Zürich besonders. Eine Kollegin holte mich dann für eine Gastregie nach Zürich und bald darauf gründeten wir eine freie Gruppe und ich zog mit kleinem Kind nach Zürich. Ein Wagnis, dass ich nie bereut habe. 

 

Ihr Stück, das Sie beim Homunculus-Festival präsentieren, nennt sich „Gertrud tritt auf und Frau Jacobi muss mit“. Worum geht’s genau?

Jacobi: Gertrud plant eigentlich einen Abend, in dem sie als Grande Dame auftreten kann. Sie möchte das Publikum mit ihren Balladen und Liedern begeistern. Leider sitzt ihr Frau Jacobi im Nacken, die sie nicht abschütteln kann. So beginnt eine theatralische Auseinandersetzung der beiden . . .

Gertrud tritt auf und Frau Jacobi muss mit – 11. Mai, 20 Uhr, Homunculus-Festival im Löwensaal Hohenems. Karten: Raiffeisenbanken, Sparkassen, Musikladen.

Zur Person

Frauke Jacobi

Geboren 16 .6. 1971

Wohnort St. Gallen

Ausbildung Studium im Bereich Puppenspiel an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Berlin

Artikel 1 von 1
Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Per E-Mail teilen
Entdecken Sie die VN in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.