VN-Interview. Hansjörg Ellensohn (Regisseur und Schauspieler)

„Es ist, wie ein Bild auf die Bühne zu malen“

von Evelin Angerer
Morgen Abend feiert „Wer sind Sie?“ Premiere in der Kulturbühne AmBach in Götzis.
Morgen Abend feiert „Wer sind Sie?“ Premiere in der Kulturbühne AmBach in Götzis.

Regisseur Hansjörg Ellensohn inszenierte das Stück „Wer sind Sie?”.

Sie haben für den Spielkreis Götzis Michel Lenglineys Stück „Wer sind Sie?“ inszeniert. Darin geht es um eine an Demenz erkrankte Frau. Was hat Sie dazu bewogen, das nach wie vor vielfach tabuisierte Thema Demenz aufzugreifen?

ellensohn: Ich habe das Stück nicht gesucht, ich bin eher durch Zufall darauf gestoßen. Als ich es dann gelesen habev hat mich beeindruckt, dass Michel Lengliney diese Krankheit in seinem Text ganz normal behandelt hat. Mit keinem Wort ist die Demenz hier ins Lächerliche gezogen worden, das Stück ist einfühlsam, heiter und schön gemacht, das hat mich einfach fasziniert.

Inwiefern haben Sie das Originalstück für das Vorarlberger Publikum adaptiert?

ellensohn: Gar nicht. Es ist originalgetreu gehalten. Ich habe es auch in Hochdeutsch gelassen, weil ich es nicht sonderlich mag, im Dialekt zu spielen. Ich finde, in Vorarlberg gibt es schon genug Laientheater, die Mundart-Stücke aufführen.

Der Humor soll ja in diesem Stück nicht zu kurz kommen. Ist Ihre Interpretation von „Wer sind Sie?“ eher kurzweilige Komödie oder Theater mit Tiefgang?

ellensohn: Ganz klar Theater mit Tiefgang. Natürlich ist das Stück heiter und humorvoll, aber eben doch immer auch anrührend und einfühlsam. Demenzkranke Menschen legen sich ja ganz eigene Mechanismen zu, wie beispielsweise eine Zeitung immer wieder auf gleiche penible Weise zusammenzufalten, das hat schon auch eine gewisse Situationskomik. Ich habe mich ausführlich mit Ruth Weiskopf, der Pflegeleiterin im Haus der Generationen in Götzis, unterhalten und auf diese Weise sehr viel über die Eigenheiten demenzkranker Menschen gelernt. Das hat mir bei der Inszenierung von „Wer sind Sie?“ sicher geholfen.

Woran liegen die Schwierigkeiten, ein so sensibles Thema auf die Theaterbühne zu bringen?

ellensohn: Für die Schauspieler ist es schon eine Gratwanderung, zum einen die Schwere des Themas umzusetzen, gleichzeitig aber den Humor, das unterhaltende Theater nicht aus den Augen zu verlieren. Auch die richtige Besetzung für dieses Stück zu finden war keine einfache Sache. Und schlussendlich liegt die Schwierigkeit einfach auch am Thema selber. Wir haben uns anfangs sehr intensiv über die Krankheit Alzheimer unterhalten, uns da-rüber ausgetauscht, wie wir das Thema für das Publikum gut und mit Witz herüberbringen. Und dem Publikum auch verständlich machen, in welcher Welt sich unsere Hauptdarstellerin, die alte Frau Maman, in verschiedenen Szenen gerade befindet – mal in der realen, mal in ihrer eigenen Welt. Das war sicher eine Herausforderung für alle, das gut umzusetzen.

In Zusammenarbeit mit der Aktion Demenz findet auch ein interessantes Rahmenprogramm zum Thema Demenz statt. Wie kam es überhaupt zu dieser Zusammenarbeit?

ellensohn: Als wir das Stück ausgesucht hatten, dachten wir uns, wenn wir schon ein Theater zum Thema Demenz machen, dann bitten wir die Aktion Demenz am Kumma, einen Informationsstand zu den Theatervorführungen aufzustellen. Ich wendete mich also an Ruth Weiskopf vom Haus der Generationen, die die Aktion Demenz am Kumma betreut, und stieß auf offene Ohren. Sie suchten schon lange nach einer neuen Möglichkeit, Informationen zu dieser Krankheit zu transportieren. Und so ist aus diesem einen Vorschlag, einen Informationsstand mit Broschüren aufzustellen, ein richtig interessantes Rahmenprogramm mit Lesung, Diskussionsrunde, Themennachmittag usw. entstanden.

Sie sind Stammregisseur beim Spielkreis Götzis, stehen aber manchmal auch selbst auf der Bühne.

ellensohn: Ja, ich stehe manchmal auf der Bühne, aber nicht gern (lacht). Ich tu mir einfach wahnsinnig schwer, die Texte zu lernen. Für mich ist es die viel schönere Aufgabe, ein Stück auszusuchen, die passenden Schauspieler dafür zu finden und es dann umzusetzen. Es ist quasi, wie ein Bild auf die Bühne zu malen.

Ich bin dann ja für vieles mitverantwortlich, nicht nur für die Regie, auch fürs Bühnenbild, für die Bewerbung des Theaterstücks usw. Das Aufgabengebiet ist wesentlich größer, als wenn ich nur auf der Bühne stehe und meine Rolle spiele.

Sie haben auch eine Ausbildung fürs Seniorentheater, worin liegt der Unterschied zum herkömmlichen Theater?

ellensohn: Für mich gibt’s eigentlich gar keinen Unterschied zum herkömmlichen Theater. Diese Schiene des Seniorentheaters, die jetzt ja aufkommt, ist nicht so meins. Ich habe zwar diese Ausbildung gemacht, aber ich mag eigentlich gar kein Seniorentheater machen, ich mache lieber Theater, die ältere und jüngere Generationen verbindet. Wer ist denn jung und wer alt? Also ich muss sagen, ich bin jetzt 63 und fühle mich immer noch nicht als Senior.

Premiere des Stücks am Freitag, 26. Oktober, Kulturbühne AMBACH, Götzis. Zusätzlich gibt’s ein Rahmenprogramm zum Thema. Alle weiteren Termine, Infos und Karten: musikladen.at (05522/41000)

Zur Person

Hansjörg Ellensohn Schauspieler, Regisseur

Geboren am: 22. 12. 1948

Wohnort: Koblach

Familienstand: verheiratet, 2 erwachsene Kinder

Lebensmotto: „Immer a kle dra blieba!“

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