Scheinwerfer

Rudolf Öller

König Herodes

Die Wüstenstadt Jerusalem ist eine der ältesten dauernd bewohnten Städte der Welt. Sie ist auch die wichtigste religiös-historische Stadt für Christen und Juden und das drittwichtigste Heiligtum der Moslems. Zwei Jahrtausende nach dem Tod von König Herodes steht immer noch die mächtige Klagemauer. Sie ist ein Rest der Fundamente, die einst den zweiten Tempel trugen. An der Klagemauer beten täglich Juden – auch für den Wiederaufbau des Herodestempels.

König Herodes war eine zwiespältige Person. Er war sowohl ein geschickter Diplomat als auch ein rücksichtsloser Eroberer. Bei seinem Tod erstreckte sich sein Reich vom heutigen Gazastreifen im Süden bis nach Norden im heutigen Libanon und in Syrien. Herodes‘ Herrschaftsgebiet enthielt somit auch die Regionen Judäa am Toten Meer und Galiläa um den See Genezareth, wo Jesus von Nazareth seinerzeit predigte.

Herodes musste um sein Reich hart kämpfen. 37 v. Chr. nahmen seine Soldaten Jerusalem ein. Er wollte seine Macht um jeden Preis festigen, dazu war ihm jedes Mittel recht. Herodes heiratete eine junge Prinzessin namens Mariamne. Ihr Bruder, ein junger Hohepriester, war beim Volk so beliebt, dass Herodes um seine Macht fürchtete. Er ließ den jungen Mann im Wasserbecken seines Palastes in Jericho kaltblütig ertränken. Diese und andere Verbrechen bildeten wahrscheinlich die Grundlage für die Erzählung vom Kindermord von Bethlehem. Der legendäre Massenmord wird beim Evangelisten Matthäus zwar erwähnt, aber wir wissen nicht genau, was tatsächlich passiert ist.

Wendehals Herodes

Herodes wechselte nach Bedarf die Fronten. Zuerst war er dem Römer Marcus Antonius ergeben, obwohl Kleopatra ihren Geliebten mehrfach bedrängte, Judäa zugunsten von Ägypten zu filetieren. 31 v. Chr. änderte sich die Lage, als Octavian, der spätere Kaiser Augustus, Marcus Antonius‘ Truppen in der Schlacht von Actium besiegte. Herodes begab sich nach Rhodos, wo er dem ersten römischen Imperator seine Treue versprach. Octavianus Augustus war von Herodes so beeindruckt, dass er ihn als König von Judäa bestätigte und ihm sogar große Gebiete im Norden überließ.

Die Zeit, in der Kaiser Augustus über sein Imperium herrschte, war eine Zeit des Friedens und der Hochkultur. Davon profitierte auch Herodes, der zu einem der aktivsten Bauherren der Antike wurde. Er gab nicht nur Paläste und Amphitheater in Auftrag. Er ließ in Caesarea auch einen Tiefwasserhafen bauen, den später die Kreuzfahrer nutzten.

Unter Kaiser Augustus wuchs das Römische Reich so rasch an, dass die Einwohnerzahlen nicht einmal näherungsweise bekannt waren. Augustus befahl also eine Volkszählung, die im Neuen Testament erwähnt wird und Teil der Weihnachtserzählung ist.

Rudolf Öller

rudolph.oeller@vol.at

Mag. Dr. Rudolf Öller ist
Biologe und Lehrbeauftragter
des Roten Kreuzes.

„König Herodes war eine zwiespältige Person. Er war sowohl ein geschickter Diplomat als auch ein rücksichtsloser Eroberer.“

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