Fahrrad-Boom im Autoland

Bisher wurde in Italien das Rad nur zu speziellen Anlässen, wie dem heutigen Weltfahrrad­tag, thematisiert. Jetzt denkt Rom darüber nach, 150 Kilometer Radstreifen zu schaffen. AFP

Bisher wurde in Italien das Rad nur zu speziellen Anlässen, wie dem heutigen Weltfahrrad­tag, thematisiert. Jetzt denkt Rom darüber nach, 150 Kilometer Radstreifen zu schaffen. AFP

Für viele Italiener war das Fahrrad lange ein Unding. Doch 2020 ändert sich vieles.

Rom Die Szene wirkt ein wenig wie beim Giro d‘Italia. Doch läuft am Kolosseum, dem Wahrzeichen Roms, kein Radrennen, sondern die Römer selbst radeln vorbei: Familien, Paare, Sportler. Viele tagen Sonnenbrillen, wenige Mundschutzmasken. In anderen Teilen der Hauptstadt steigt die Zahl der Radfahrer ebenfalls, und nicht nur dort. Italien erlebt einen Zweirad-Boom, den vor Monaten noch niemand erwartet hat. Mit dem Ende des Corona-Lockdowns, so scheint es, ändert sich im Land von Ferrari, Fiat und Vespa etwas Gravierendes.

„So einen Umschwung habe ich noch nicht erlebt“, sagt Alessandro Tursi, Präsident des Fahrradverbandes Fiab. Die italienische Regierung erließ Sonderdekrete, um die Wirtschaft nach der Vollbremsung in Schwung zu bringen. Darin seien Veränderungen der Verkehrsregeln enthalten, die fahrradfreundlich seien, berichtet Tursi. Außerdem versprach Ministerpräsident Giuseppe Conte den Menschen in den Zentren, besonders in Städten mit mehr als 50.000 Einwohnern, beim Kauf von Rädern und E-Scootern einen Zuschuss bis 60 Prozent des Preises, höchstens 500 Euro.

Dazu kommt: Vielen Italienern sind Schlangen an Bahnhöfen und Gedränge in Bussen dieser Tage in Covid-Zeiten unangenehm. Also, warum nicht aufs Rad steigen? Nach der Neuöffnung im Mai wurden die Läden landesweit gestürmt.

Eigentlich galten Räder in Italien mehr als Sportgeräte denn als Transportmittel. Zudem liegt das Land bei der Verkehrssicherheit unter EU-Durchschnitt. Wobei die Fahrradfreundlichkeit und die Qualität des Wegenetzes von Norden nach Süden abnimmt und die Tiefe der Schlaglöcher zunimmt, wie Tursi leicht polemisch sagt: „Südtirol lässt sich mit Skandinavien vergleichen. Dann kommt ein Mittelfeld, und ab Rom fühlt sich das Radfahren an wie in Afrika.“

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