„Es ist das Gefängnis aller Gefängnisse“

Hochsicherheitsanstalt für verurteilten Drogenboss "El Chapo".

New York Er gilt als ein „Ausbrecherkönig“, da er gleich zwei Mal spektakulär aus mexikanischen Hochsicherheitsgefängnissen entkommen konnte. Nun ist es an den US-Behörden, für Joaquín „El Chapo“ Guzmán eine dauerhafte Bleibe hinter Mauern und Stacheldraht zu finden. Nach dem Schuldspruch vom Dienstag gilt es als sicher, dass auf den berüchtigten ehemaligen Drogenboss eine lebenslange Haftstrafe zukommt. Aber wo könnte ihn der Staat am besten inhaftieren?

Experten glauben, dass „El Chapo“ (der Kurze“, wie er wegen seiner Körpergröße genannt wird) ein idealer Kandidat für das Bundesgefängnis „Supermax“ im US-Staat Colorado ist. Die Hochsicherheitsanstalt ist auch als ADX bekannt, was für „administrative maximum“ steht, und als „Alcatraz der Rockies“ – in Anlehnung an das einstige Gefängnis vor San Francisco. Die Einrichtung liegt zwei Autostunden von Denver entfernt. Hier werden die gefährlichsten verurteilten Kriminellen untergebracht. Viele der 400 Insassen sitzen 23 Stunden am Tag in Einzelhaft, in einer 2,1 mal 3,7 Meter kleinen Zelle. Zu den Gefangenen dort zählen der als „Unabomber“ bekannt gewordene Serien-Briefbombenattentäter Ted Kaczynski, der Bombenleger beim Boston Marathon 2013, Dschochar Zarnajew, oder Zacarias Moussaoui, einer der Terrorverschwörer vom 11. September 2001.

Hightechversion der Hölle

Gefangene verbringen dort oft Tage, „an denen nur ein paar Worte zu ihnen gesprochen werden“, wie es in einem Bericht der Menschenrechtsorganisation Amnesty International heißt. Ein ehemaliger Insasse beschrieb die Haft in einem „Boston Globe“-Interview als eine „Hightechversion der Hölle, darauf abgestellt, alle sinnliche Wahrnehmung auszuschalten“.

Die meisten Gefangenen haben einen Fernseher, ihr einziger Blick in die Außenwelt beschränkt sich auf ein Zehn-Zentimeter-Fenster. Gefangene sind durch eine dicke Plexiglasscheibe von ihren Besuchern getrennt. Amnesty zufolge kann es vorkommen, dass Insassen „Jahre verbringen, ohne ein anderes menschliches Wesen zu berühren“ – „bis auf die Fälle, in denen ihnen Fesseln angelegt und sie von Wärtern begleitet werden“.

Das ADX ist durch Stacheldrahtzäune, Türme mit schwer bewaffneten Sicherheitskräften und Patrouillen sowie Angriffshunde gesichert. „Wenn es jemals ein ausbruchssicheres Gefängnis gäbe, dann ist es die Einrichtung in Florence“, sagt Burl Cain, der früher Louisianas staatliches Hochsicherheitsgefängnis geleitet hat. „Es ist das Gefängnis aller Gefängnisse.“

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