Wenn der Tropenwald auf dem Grill landet

Im Schnitt wird im Chaco alle zwei bis drei Minuten eine Fläche in der Größe eines Fußballfeldes gerodet.  Foto: AFP

Im Schnitt wird im Chaco alle zwei bis drei Minuten eine Fläche in der Größe eines Fußballfeldes gerodet.  Foto: AFP

Bäume werden zu Holzkohle und gerodete Flächen für Rinderzucht und Soja verwendet.

Asuncion. Auf dem Grillrost brutzeln Steaks, die die Gäste in wenigen Minuten verputzt haben. In den etwa 10.800 Kilometer entfernten Trockenwäldern des Gran Chaco in Paraguay fallen in der gleichen Zeit reihenweise die Bäume. Aus den gerodeten Bäumen wird die Holzkohle, die hierzulande die Grills anheizt – und weltweit das Klima.

„Der Chaco ist ein Hotspot des Landnutzungswandels“, sagt Matthias Baumann. Der Geograf von der Humboldt-Universität in Berlin hat im Chaco die Auswirkungen der Abholzung auf das Klima untersucht und die Ergebnisse in einer Studie mit Kollegen veröffentlicht. Er geht davon aus, dass im Schnitt etwa alle zwei bis drei Minuten eine Fläche in der Größe eines Fußballfeldes im paragu­ayischen Chaco gerodet wird.

Umweltschützer warnen schon seit Jahren vor den Folgen der – teils illegalen – Tropen-Rodung. Der Wert der Holzkohle-Exporte Paraguays ist von sieben Millionen US-Dollar (6,06 Mio Euro) 2003 laut örtlichen Medien auf zuletzt 40 Millionen Dollar (34,64 Mio Euro) gestiegen.

Holzkohle sei aber nicht der Hauptgrund für die Rodungen, sondern ein Nebeneffekt, sagt Baumann. Mehr als 95 Prozent der betroffenen Flächen würden abgeholzt, um sie für die wachsende Viehzucht zu nutzen. Auch Soja-Anbau – für Exporte oder für Futtermittel – spiele eine wichtige Rolle, heißt es von Greenpeace.

Aus Baumanns Studie geht hervor, dass zwischen 1985 und 2013 mehr als 49.000 Quadratkilometer des paraguayischen Chacos abgeholzt wurden. Rund 250 Gigatonnen klimaschädlicher Treibhausgase seien dadurch entstanden.
Forscher Baumann plädiert für mehr Zonen, in denen die Abholzung verboten ist. Dass das funktioniere, zeigten Beispiele aus Brasilien. Schutzgebiete andernorts führten aber wohl dazu, dass neue Abholzung in den Chaco „verlegt“ werde, sagt Baumann. Um solche Verlegungen zu verhindern, brauche es Naturschutzprojekte, die international koordiniert werden.

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