Private Einsätze im Mittelmeer ausgesetzt

Die Stimmung gegen die privaten Seenotretter hat sich in den vergangenen Monaten zunehmend verschlechtert. Foto: AP

Die Stimmung gegen die privaten Seenotretter hat sich in den vergangenen Monaten zunehmend verschlechtert. Foto: AP

Sicherheitsrisiken vor der Küste Libyens: Nach Ärzte ohne Grenzen zieht sich auch Sea Eye zurück.

Rom. Wegen Sicherheitsrisiken im Mittelmeer vor Libyen unterbrechen einige Hilfsorganisationen ihre Missionen zur Rettung von Migranten. Nach der Ankündigung von Ärzte ohne Grenzen am Samstag zog die deutsche Organisation Sea Eye am Sonntag nach. „Grund dafür ist die veränderte Sicherheitslage im westlichen Mittelmeer“, teilte die Regensburger Gruppe mit. Ärzte ohne Grenzen hatte erklärt, von der zentralen Seenotrettungsleitstelle in Rom (MRCC) eine konkrete Warnung erhalten zu haben.

Wie Sea Eye bezog sich die Organisation auf Berichte, wonach libysche Behörden ihre Hoheitsgewässer um eine eigene Such- und Rettungszone ausweiten wollen und diese Ankündigung mit einer expliziten Drohung gegen die humanitären Schiffe verknüpften.

Für Ärzte ohne Grenzen scheint die Sicherheit nicht der einzige Beweggrund zu sein, die Mission der „Vos Prudence“ zu unterbrechen. „Das Problem ist die absurde und rücksichtslose politische Linie der italienischen Regierung und von Europa, um das Migrationsproblem zu lösen“, sagte Stefano Argenziano, der für Ärzte ohne Grenzen Migrationsprojekte koordiniert, der Zeitung „La Repubblica“. „Die Libyer können ohnehin bereits mit der Unterstützung Europas und Italiens machen, was sie wollen. Wir wollen nicht Teil dieses illegalen, abartigen und unmenschlichen Mechanismus sein.“ Ein medizinisches Team werde aber an Bord des Rettungsschiffs „Aquarius“ von SOS Mediterranee bleiben. Seit Anfang August unterstützt die italienische Marine die libysche Küstenwache technisch und logistisch. Die Regierung in Rom erhofft sich von dem Einsatz, dass weniger Migranten nach Italien kommen.

Innenminister Wolfgang Sobotka sieht „Maßnahmen zur Schließung der Mittelmeerroute nötiger denn je“, nachdem zuletzt „verstärkt Schiffe mit Rechtsradikalen und Identitären im Mittelmeer wahrgenommen wurden“, die vor der libyschen Küste Hilfsorganisationen und NGOs bedrängten.

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