Causa Kampusch ist von nun an auch FBI-Sache

Seit gestern wälzen zwei FBI-Spezialisten mit anderen Experten die 270.000 Seiten der „Akte Kampusch“. Fotos: Reuters
Seit gestern wälzen zwei FBI-Spezialisten mit anderen Experten die 270.000 Seiten der „Akte Kampusch“. Fotos: Reuters

Zwei Spezialisten der US-Bundesbehörde überprüfen bis Mittwoch mögliche Ermittlungspannen im Fall.

Wien. Seit Mitte Juli läuft die Cold-Case-Überprüfung der Causa Natascha Kampusch. Ein international besetzter Lenkungsausschuss sowie ein operatives Team beschäftigen sich noch mal intensiv mit dem Fall. Ungereimtheiten und mögliche Ermittlungspannen sollen überprüft werden. Seit gestern, Montag, sind dazu auch zwei Spezialisten der US-Bundesbehörde FBI (Federal Bureau of Investigation) in Wien.

Expertise im Bereich

Sie sind aus Quantico, einem kleinen Dorf im US-Staat Virginia, in dem sich die FBI-Akademie befindet. „Sie haben eine besondere Expertise im Bereich von Cold Case und Vermisstenfahndung“, sagte der Sprecher des Innenministeriums, Karl-Heinz Grundböck. Die FBI-Ermittler gehören, genauso wie Kollegen des deutschen Bundeskriminalamtes in Wiesbaden und der österreichischen Kripobeamten sowie Staatsanwälte, dem operativen Team an.

Akte umfasst 270.000 Seiten

Die FBI-Spezialisten sind gut vorbereitet nach Wien gekommen. „Wesentliche Aktenbestandteile sind schon im Vorfeld übersetzt und übermittelt worden“, erläuterte Grundböck. Insgesamt umfasst die „Akte Kampusch“ 270.000 Seiten. Bereits seit Juli habe es Vorarbeiten und Analysen in Wiesbaden und Quantico gegeben. Ziel der Evaluierung sei, das Vorgehen der österreichischen Behörden im Fall Kampusch nochmals zu analysieren und dem gegenüberzustellen, wie das FBI und das BKA Wiesbaden bei gleich gelagerten Fällen vorgehen würden, sagte Grundböck. Mit einem Vergleich der Ermittlungsmethoden solle herausgefunden werden, was an der Methodik der österreichischen Behörden zukünftig verbessert werden könne.

Bis Mittwoch würden sich die Experten, die sich bereits mit dem Fall beschäftigt haben, zusammensetzen und die einzelnen Modelle, wie der Fall methodisch abgewickelt wird, gegenüberstellen. Ein Dolmetscher unterstützt die FBI-Spezialisten dabei.

Während die siebenköpfige Besetzung des Lenkungsausschusses bekannt ist – darin sitzen unter anderem Christian Pilnacek, Sektionschef im Justizministerium, der Präsident des BKA Wiesbaden, Jörg Ziercke sowie Steven Paulson, Chef der Rechtsabteilung in der US-Botschaft – ist im operativen Team „keine fixe Personengruppe“ tätig. Je nach Arbeitsauftrag und Fragestellung werde arbeitsteilig gearbeitet, erläuterte Grundböck.

Derzeit würden nur „Zwischenergebnisse“ diskutiert werden, so Grundböck, die Evaluierung ist noch nicht abgeschlossen. Je nach Bedarf könne es auch vorkommen, dass nochmals FBI-Spezialisten hinzugezogen werden. „Das Team ist flexibel“, so der Sprecher.

Überprüfung bis Ende 2012

Die gesamte Überprüfung soll bis Ende 2012 laufen. Sollten sich neue Verdachtsmomente ergeben, müssten diese von österreichischen Behörden wiederum im Rahmen eines neuen Ermittlungsverfahrens geklärt werden.

Kampusch war als Zehnjährige 1998 von Wolfgang Priklopil entführt worden und konnte im Sommer 2006 aus der Gefangenschaft flüchten. Priklopil beging daraufhin Selbstmord. Immer wieder gab es in dem Fall Verschwörungstheorien und Gerüchte über mögliche Mittäter.

Im Fall Kampusch gibt es noch immer viele offene Fragen.
Im Fall Kampusch gibt es noch immer viele offene Fragen.

Sie haben eine besondere Expertise im Bereich Vermisstenfahndung.

Karl-Heinz Grundböck
Artikel 2 von 10
Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Per E-Mail teilen
Entdecken Sie die VN in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.