Kommentar

Bischof Benno

Zu Pfingsten in Europa

„Was ist mit dir los, humanistisches Europa, du Verfechterin der Menschenrechte, der Demokratie und der Freiheit? Was ist mit dir los, Europa, du Heimat von Dichtern, Philosophen, Künstlern, Musikern, Literaten? Was ist mit dir los, Europa, du Mutter von Völkern und Nationen?“ Pfingstliche Töne wie von Feuer und Sturm hat Papst Franziskus vor einer Woche bei der Verleihung des Internationalen Karlspreises angeschlagen, mit dem sein Einsatz für besondere Verdienste um Europa und die europäische Einigung gewürdigt wurde. Ungeschminkt und ohne diplomatisches Schönreden spricht der Papst vom Eindruck eines müden und gealterten Europa, das nicht fruchtbar und lebendig ist, „ein heruntergekommenes Europa, das versucht, eher Räume zu sichern und zu beherrschen, ein Europa, das sich verschanzt“. Nicht Abschottung und Ausschließung, sondern Integration und Dialog sind gerade in dieser unserer zerrissenen und verwundeten Welt angesagt, meint der Papst weiter. Jetzt gilt es, zur gleichen Solidarität und Großzügigkeit zurückkehren, die auf den Zweiten Weltkrieg folgte. Und er ruft dazu auf, so wie einst die Gründerväter Europas, Brücken zu bauen und Mauern einzureißen.

Und Papst Franziskus zeichnet seinen Traum eines solchen Europas:

Ich träume von einem jungen Europa, das fähig ist, noch Mutter zu sein: eine Mutter, die Leben hat, weil sie das Leben achtet und Hoffnung für das Leben bietet.

Ich träume von einem Europa, das sich um das Kind kümmert, das dem Armen brüderlich beisteht und ebenso dem, der Aufnahme suchend kommt, weil er nichts mehr hat und um Hilfe bittet.

Ich träume von einem Europa, das die Kranken und die alten Menschen anhört und ihnen Wertschätzung entgegenbringt, auf dass sie nicht zu unproduktiven Abfallgegenständen herabgesetzt werden. Ich träume von einem Europa, in dem das Migrantsein kein Verbrechen ist, sondern vielmehr eine Einladung zu einem größeren Einsatz mit der Würde der ganzen menschlichen Person. In unserer Sprachenverwirrung wünsche ich uns allen dieses pfingstliche Sprachenwunder, dass Menschen, die sich nicht verstehen, auf einmal eine gemeinsame Sprache finden. Ich wünsche uns pfingstlichen Geist, der die Sprache des Herzens spricht und Brücken baut zu einem neuen und guten Miteinander. Komm, du Geist des Lebens!

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