Verkehrtes Alpenglühen am Nil

von jochen dünser
Der Harder Boris Zivkovic erzielte fünf Treffer. ÖHB-Topskorer gegen die Schweiz war Robert Weber mit sieben Treffern. ÖHB/Diener

Der Harder Boris Zivkovic erzielte fünf Treffer. ÖHB-Topskorer gegen die Schweiz war Robert Weber mit sieben Treffern. ÖHB/Diener

Österreichs Handballer mit 25:28-Niederlage im Auftaktspiel gegen WM-Nachrücker Schweiz.

Gizeh Die Pyramiden von Gizeh in Ägypten sind das einzige erhaltene der sieben Weltwunder der Antike. Genau so ein Wunder benötigen Österreichs Handballer nach der 25:28-Niederlage im WM-Auftaktspiel gegen die Schweiz. Mit Rekordweltmeister Frankreich (Samstag, 18 Uhr) sowie Norwegen (Montag, 20.30 Uhr), seines Zeichen Vizeweltmeister 2017 und 2019 und EM-Dritter 2020, warten in der Hammergruppe E zwei Kaliber, die unter normalem Umständen nicht zu bezwingen sind. Wie schon bei den vorangegangen drei WM-Endrunden 2011, 2015 und 2019 scheint der Gang in die Klassierungsrunde um die hintersten Platzierungen schon früh besiegelt.

Hard-Quartett warf 15 der 25 Tore

Begonnen hatte alles so, wie es sich ÖHB-Teamchef Ales Pajovic vorgestellt hatte. Die Schweizer, die nach dem coronabedingten Aus der USA erst 43 Stunden vor dem Spiel nachgerückt waren, ließen sich aber von der schnellen 3:0-Führung (5.) von Österreich nicht beeindrucken. Angeführt vom Andy Schmid legten die Eidgenossen, die erst acht Stunden vor Spielbeginn in Gizeh eintrafen, die anfängliche Nervösität ab und erwiesen sich als der erwartet ebenbürtige Gegner. Es entwickelte sich ein offener Schlagabtausch, der auf Seiten der Österreicher von den vier Harder Akteuren geprägt war. Routinier Robert Weber erzielte bei seinem achten Groß-
event und 186. Länderspiel nicht nur per Siebenmeter das erste Tor bei der Endrunde. Der 35-Jährige trug mit insgesamt sechs Treffern auch maßgeblich zum 13:13-Pausenstand bei. Daneben zählten Linkshänder Boris Zivkovic (drei Tore) und Dominik Schmid mit einem Treffer zu den auffälligsten ÖHB-Akteuren bis zum Gang in die Kabine.

Nach Wiederanpfiff kamen die Eidgenossen bei ihrem Restart nach 26-jähriger Absenz bei einer WM-Endrunde aber immer besser in Fahrt und konnten sich mit einem 3:0-Zwischenspurt auf 18:14 (39.) absetzen. Österreich bekam nun die Schweizer Offensive nicht mehr in Griff, agierte seinerseits im Angriff nicht mehr so geduldig wie vor der Pause, beging unnötige Fehler oder hatte Pech im Abschluss. Beim Stand von 16:19 (41.) verfehlte der ansonsten überzeugende Weber aus 35 Meter Entfernung das leere Tor und anschließend scheiterte Kreisläufer Tobias Wagner bei 19:22 (50.) freistehend an Sankt-Gallen-Goalie Aurel Bringolf. Spätestes nach dem Kracher von Deutschland-Legionär Lenny Rubin aus zwölf Meter Entfernung unter die Latte zum 26:21 (55.), war die 19. Niederlage im 33. WM-Endrundenspiel sowie die 31. Niederlage im insgesamt 46. direkten Duell gegen die Eidgenossen besiegelt.

16 Fehler und Fehlwürfe

Teamchef Pajovic appellierte trotz der Ernüchterung an die Moral der Mannschaft: „Natürlich sind wir enttäuscht. Doch wir wussten, dass die Schweizer ein ganz anderes Kaliber sind als die USA, auf die wir uns eingestellt hatten. Doch wir sind bei einer WM-Endrunde und haben noch weitere Spiele, um uns zu präsentieren und Österreich weiter mit Ehre zu vertreten.“

Für den 42-jährigen Slowenen war Andy Schmid der entscheidende Faktor auf Seiten des Gegners: „Er ist so wertvoll, wie es etwa Nikola Bilyk bei uns ist. Er hat die Akzente gesetzt, seine Nebenleute ins Spiel gebracht. Dazu kam, dass wir im Angriff zu wenig Bewegung hatten, immer wieder gestoppt wurden und viele Bälle verloren haben. Mit 16 Fehlern und Fehlwürfen ist es schwer, gegen einen ebenbürtigen Gegner zu gewinnen.“

Gerald Zeiner ärgerte sich vor allem über die Schwächephase nach der Pause. „In der zweiten Hälfte haben wir den Anfang verschlafen. Da hat jegliche Konsequenz und Stabilität gefehlt. Wir haben nicht agiert, sondern nur reagiert und sind so ins offene Messe gelaufen“, analysierte der ÖHB-Kapitän nüchtern und gelobte, weiter alle Kräfte zu mobilisieren: „Die Endrunde ist noch nicht vorbei. Jetzt heißt es, als Mannschaft zusammenstehen und weiter zu kämpfen. Ich verspreche, dass wir alles geben werden, um vielleicht das scheinbar Unmögliche möglich zu machen.“

<p class="caption">Der Harder Boris Zivkovic erzielte fünf Treffer. ÖHB-Topskorer gegen die Schweiz war Robert Weber mit sieben Treffern. ÖHB/Diener</p>

Der Harder Boris Zivkovic erzielte fünf Treffer. ÖHB-Topskorer gegen die Schweiz war Robert Weber mit sieben Treffern. ÖHB/Diener

<p class="caption">Im Topduell der Gruppe E setzte sich Rekordweltmeister Frankreich (im Bild Kentin Mahe) gegen 2019-Vizeweltmeister Norwegen mit 28:24 (13:13) durch. Reuters</p>

Im Topduell der Gruppe E setzte sich Rekordweltmeister Frankreich (im Bild Kentin Mahe) gegen 2019-Vizeweltmeister Norwegen mit 28:24 (13:13) durch. Reuters

„Die Schweizer waren dank Andy Schmid um den berühmten Tick besser als wir.“

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