„König Kamil“ mit dem dritten Streich

Der Pole Kamil Stoch ließ sich nach seinem dritten Tourneesieg gebührend feiern.  gepa

Der Pole Kamil Stoch ließ sich nach seinem dritten Tourneesieg gebührend feiern.  gepa

Polens Nationalheld Kamil Stoch gewinnt auch die 69. Auflage der Vierschanzen-Tournee.

Bischofshofen Er war eigentlich schon draußen und hat nun die Vierschanzentournee gewonnen. Polens Nationalheld Kamil Stoch hat die Skisprung-Konkurrenz wieder einmal überflügelt und mit 33 Jahren einen weiteren Meilenstein in seiner Erfolgskarriere gesetzt. Der dreifache Olympiasieger, Ex-Weltmeister und zweifache Weltcup-Gesamtsieger ist jetzt dreifacher Tournee-Champion.

Der Mann aus Polens nordischem Mekka Zakopane ging als großer Gewinner des dritten Springens in Innsbruck hervor und ließ sich seinen Vorsprung am Dreikönigstag in Bischofshofen nicht mehr nehmen. „König Kamil“ hat weiter an seinem Status als Legende dieses Sports gearbeitet. Nur der Finne Janne Ahonen mit seinen fünf Triumphen und Deutschlands Jens Weißflog (4) haben öfter als Stoch die Tournee gewonnen, der diesbezüglich nun auf einer Stufe mit den beiden Dreifachsiegern Björn Wirkola (NOR) und Helmut Recknagel (DDR) steht.

Privatleben als Antrieb

Doch auch Stoch war nicht immer obenauf. Nach einer Knöcheloperation 2015 kämpfte er als damaliger Doppel-Olympiasieger lange um die Rückkehr an die Spitze. Gelungen ist sie ihm erst unter dem Tiroler Cheftrainer Stefan Horn­gacher, der mittlerweile das Team Deutschland trainiert. Und durch seinen fast krankhaften Ehrgeiz, den Trainer wie Horngacher gerne mit „akribischer Arbeit“ übersetzen. Als Basis für seine Erfolge nennt Stoch sein Privatleben. Wenn er im Weltcup unterwegs ist, telefoniert er mehrmals täglich mit seiner Gattin und Managerin Ewa, mit der er seit 2010 verheiratet ist. „Das erdet mich“, betonte der Überflieger. „Ich habe sportlichen Erfolg, aber der größte Erfolg meines Lebens ist mein privates Glück.“ Solche Sätze sind gleichsam ein Grund für seine Popularität im skisprungbegeisterten Polen.

In dieser besonderen 69. Auflage, die aufgrund der Coronavirus-Pandemie ohne Zuschauer ausgetragen wurde und deshalb auf ihr ganz besonderes Flair verzichten musste, profitierte Stoch auch von einer Wende, die manche als Politikum, manche als faire Geste und rein grundsätzlich wohl auch als glückliche Fügung bezeichnen. Denn das versammelte polnische Team um Stoch war beim ersten Bewerb in Oberstdorf wegen eines positiven Coronatests schon von der Tournee ausgesperrt worden. Nach zwei negativen Testreihen aller Beteiligten aber wurden sie zurückgeholt und Stoch nutzte die zweite Chance, wie es nur Champions tun.

Abgeschlagen

Während Stoch mit Riesenvorsprung über seinen nächsten Tournee-Triumph nach 2017 und 2018 jubelte, verpasste Österreichs Lokalmatador Stefan Kraft den ersten ÖSV-Podestplatz bei der 69. Tournee um nur 1,4 Punkte. Der Salzburger war als lediglich Achter auch im Gesamtklassement bester der insgesamt enttäuschenden

Österreicher.

Kraft kam vom elften Platz mit einem starken Finalsprung fast noch auf das Podest. Bis auf seinen Absturz in Garmisch sei es eine gute Tournee gewesen, so Kraft, dem mehr als 90 Punkte auf Stoch fehlten. Vor dem überlegenen Polen könne man nur den Hut ziehen, meinte Kraft.

Eklat eines Ex-Helden

Gregor Schlierenzauer hat seiner Erfolgskarriere in Bischofshofen eine unrühmliche Episode hinzugefügt. Der gestern 31 Jahre alt gewordene Tiroler verweigerte nach einem völlig verpatzten ersten Sprung den Gang zur Materialkontrolle und wurde daraufhin disqualifiziert. Das brachte Schlierenzauer Kritik und eine Belehrung seitens der sportlichen ÖSV-Führung ein. „Auch in einer so bitteren Niederlage gehört eine Stärke dazu. Zu dieser Stärke gehört auch, dass man zur Materialkontrolle hingeht“, sagte Mario Stecher, der Sportliche Leiter Nordisch, mit Blick auf seinen Superstar, der trotz großer Bemühungen seit Jahren nicht an die Weltspitze zurückfindet.

„Ich habe sportlich Erfolg. Aber der größte Erfolg meines Lebens ist mein privates Glück.“

Skispringen 69. Vierschanzentournee 2020/21

4. Bewerb in Bischofshofen

 1. Kamil Stoch (POL)   300,7 (139,0/140,0)

 2. Marius Lindvik (NOR)  280,4 (137,0/140,5)

 3. Karl Geiger (GER)   277,3 (138,0/133,5)

4. Stefan Kraft (AUT)  275,9 (132,0/137,0)

 5. Robert Johansson (NOR)   274,8 (130,5/139,0)

6. Michael Hayböck (AUT)   274,6 (133,5/137,5)

 7. Piotr Zyla (POL)  273,9 (134,0/136,5)

 8. Andrzej Stekala (POL)   272,2 (135,0/133,0)

 9. Yukiya Sato (JPN)   270,5 (133,0/135,0)

10. Daniel Huber (AUT)   268,9 (134,0/132,5)

22. Philipp Aschenwald (AUT)   241,8 (128,5/125,0)

24. Markus Schiffner (AUT)  233,3 (127,0/123,0)

28. Clemens Leitner (AUT)  228,1 (125,5/122,0)

30. Daniel Tschofenig (AUT)   219,5 (124,0/119,0)

Nicht für 2. Durchgang qualifiziert: 39. Thomas Lackner - 40. Manuel Fettner - 42. Stefan Rainer - 43. Maximilian Steiner (alle AUT). Im 1. Durchgang disqualifiziert: Gregor Schlierenzauer (AUT)

Endstand 69. Vierschanzen-Tournee

 1. Kamil Stoch (POL)  1.110,6 Punkte

 2. Karl Geiger (GER)  1.062,5

 3. Dawid Kubacki (POL)  1.057,8

 4. Halvor Egner Granerud (NOR)  1.057,4

 5. Piotr Zyla (POL)  1.037,2

 6. Ryoyu Kobayashi (JPN)  1.032,5

   Andrzej Stekala (POL)  1.032,5

8. Stefan Kraft (AUT)  1.019,1

 9. Peter Prevc (SLO)  1.018,0

10. Daniel Huber (AUT)  1.014,7

11. Philipp Aschenwald (AUT)  1.003,5

22. Thomas Lackner (AUT)  810,1

24. Michael Hayböck (AUT)  733,4

33. Jan Hörl (AUT) 599,0

38. Markus Schiffner (AUT)  562,2

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