VN-Interview. Irene Fuhrmann (40), Teamchefin Österreichs Frauen-Nationalteam

„Vorarlberg hat viel bewegt“

Österreichs Teamchefin Irene Fuhrmann sieht gute Chancen in Frankreich. paulitsch

Österreichs Teamchefin Irene Fuhrmann sieht gute Chancen in Frankreich. paulitsch

Zum ersten Mal seit 2012 trifft sich das Frauen-Nationalteam für die Länderspielvorbereitung in Vorarlberg.

Bregenz Wenn Österreichs Fußballerinnen am Dienstag (18.30 Uhr) in Altach jubeln, könnte die Qualifikation für die EM-Endrunde 2022 in England bereits fix sein. Bei der Vorbereitung in Bregenz stand Teamchefin Irene Fuhrmann den VN Rede und Antwort.

Sie sind seit Juli 2020 Teamchefin des österreichischen Frauen-Nationalteams und damit vom Amt der Co-Trainerin aufgestiegen. Wie gut haben Sie sich in Ihrer neuen Rolle bereits eingelebt?

Irene Fuhrmann Es ist ein absolutes Privileg für mich. Ich fühle mich sehr mit dem Frauenfußball verbunden und es ist für mich kein 08/15-Job. Es macht mir unheimlich Spaß mit diesem Team zu arbeiten und es war auch einer der Gründe, weshalb ich diesen Job unbedingt wollte, weil ich denke, dass wir einzigartige Charaktere in der Mannschaft und ein unheimliches Teamgefüge haben. Was den Betreuerstab betrifft, musste ich diesen, gerade was das Sportliche betrifft, neu besetzen, aber das Team hinter dem Team arbeitet rund um die Uhr, damit die Mannschaft dann bestens vorbereitet ist. Es taugt uns einfach.

Es gibt immer ein gewisses Risiko, wenn man ein derart erfolgreiches Team übernimmt, wie Sie es diesen Sommer gemacht haben. Wie sehr haben Sie auch Druck gespürt?

Das war sicherlich auch einer der Gedanken, den ich hatte, weshalb ich nicht sofort zugesagt hatte. Die Ära unter Dominik Thalhammer war eine historische und wird auch immer so stehenbleiben. Nichtsdestotrotz habe ich ja bereits da meinen Beitrag dazu geleistet und es gilt jetzt einfach, meinen Weg mit dem Team zu finden und auch zu gehen. Wir haben noch Dinge und Visionen, die wir noch nicht erreicht haben. Die Qualifikation für die EM steht aktuell aber schon in unserem Fokus. Aber danach gibt es eine WM-Qualifikation. Und ich denke, es wäre ein unheimlicher Push, wenn wir als kleines Land auch einmal dorthin fahren könnten.

Man hört aus dem Team, dass seit Ihrer Übernahme die Stimmung gelassener und ein gewisser Spaßfaktor vorhanden ist. Wie viel hat sich verändert?

Man soll nie groß vergleichen. Aber was mir schon ein Anliegen ist, dass ich dem Team einen Rahmen geben möchte, indem sie sich frei bewegen können. Damit will ich fördern, dass sie ihre individuellen Potenziale und Stärken abrufen können. Von daher ist es bisher ganz gut gelungen, dass sie sich in diesem Rahmen auch bewegen.

Das Nationalteam ist für den Lehrgang dieses Mal nach Vorarlberg gekommen. Was hat dafür den Ausschlag gegeben?

Für mich ist wichtig, dass sich das Frauen-Nationalteam in ganz Österreich zeigt und präsentiert. Auch sollte die Bevölkerung im Westen grundsätzlich die Möglichkeit haben, zu einem Nationalteamspiel zu kommen. Der aktuelle Stand ist leider, dass dieses Mal keine Zuschauer zugelassen sind. Aber ich glaube es gibt in Vorarlberg auch sehr schöne Plätze und es ist eine tolle Sache hier zu sein. Gerade auch mit dem Hintergrund, dass Vorarlberg in den letzten Jahren im Frauenfußball extrem viel bewegt hat.

Es sind jetzt acht Jahre vergangen, seit das Frauen-Nationalteam zuletzt im Ländle Halt machte. Müssen wir jetzt wieder acht Jahre darauf warten oder können Sie sich vorstellen, dass Vorarlberg regelmäßig Austragungsort sein wird?

Ich bin absolut offen dafür, dass wir uns öfter in den Westen bewegen. Aber es wäre mir auch ein Anliegen, auch einmal im Süden oder in der Mitte Österreichs zu sein. Es bedarf immer der Bereitschaft vieler vor Ort, um so etwas möglich zu machen. Diese Bereitschaft haben wir hier gespürt und deswegen freut es uns, dass wir hier sind.

Was uns Vorarlberger vielleicht etwas abgeht, dass keine Lokalmatadorin dabei ist. Sie haben Anna Bereuter und Sabrina Horvat auf Abruf nominiert. Wie sehen Sie die Entwicklungen der Ländle-Akteurinnen?

Sabrina Horvat war ja bereits das ein oder andere Mal im Nationalteam dabei. Da ist die Situation aktuell so, dass sie beim 1. FC Köln in der zweiten deutschen Bundesliga spielt. Diese Liga wurde jetzt abgebrochen und es finden dort aktuell keine Spiele statt. Anna Bereuter hat sich gerade im letzten halben Jahr ganz stark entwickelt und den Schritt gewagt, zu unserem österreichischen Aushängeverein SKN St. Pölten zu wechseln. Sie hat dort zu Recht bereits viel Spielzeit erhalten. Deswegen hat sie den Weg auf die Abrufliste gefunden und ich bin guter Dinge, dass sie eine große Zukunft vor sich hat. Aktuell ist sie leider am Sprunggelenk verletzt. Zu einem schlechten Zeitpunkt, denn sie hätte vermutlich die Möglichkeit bekommen, aufgrund der Kadersituation zum Team dazuzustoßen. Die Entwicklungen in Vorarlberg merkt man auch dahingehend, dass wir derzeit drei Spielerinnen in der ÖFB Frauen Akademie fördern dürfen. Deshalb glaube ich, dass sich in Zukunft die ein oder andere in den Kader spielen wird, aber das dauert noch etwas.

Im Kader sind viele Spielerinnen, die im Ausland spielen. Aber den österreichischen Weg wollen Sie nicht außer Acht lassen?

Natürlich achte ich auch auf die einheimischen Spielerinnen. Es soll auch immer die Möglichkeit geben, dass man aus einem österreichischen Verein zum Nationalteam kommt und da spielt es keine Rolle ob man aus dem Burgenland oder Vorarlberg kommt.

Können wir davon ausgehen, dass es nicht mehr Jahre dauern wird, bis wieder eine Vorarlbergerin im Nationalteamtrikot aufläuft?

Ich bin da sehr optimistisch.

Mit welchen Gefühlen oder Emotionen wollen Sie Vorarlberg nächste Woche verlassen?

Schön wäre, wenn wir in diesem Lehrgang die drei Punkte geholt und unseren Teil erledigt haben. Auch wenn wir die drei Punkte holen, ist die direkte Qualifikation sehr wahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen, dass wir dennoch in das Play-off müssen. Denn in den anderen Gruppen wurden Spiele aufgrund der aktuellen Situation ins Frühjahr verlegt und da müssen wir diese Ergebnisse dann vielleicht noch abwarten. Wir für uns wollen unseren Part erledigen und es wäre schön, wenn wir das schaffen würden.

<p class="caption">Manuela Zinsberger (mitte) ist im Tor gesetzt.</p>

Manuela Zinsberger (mitte) ist im Tor gesetzt.

<p class="caption">Fokussiert geht es beim Kurzpasstraining zur Sache.</p>

Fokussiert geht es beim Kurzpasstraining zur Sache.

Zur Person

Irene Fuhrmann

Die Wienerin absolvierte 22 Länderspiele (drei Tore) und erwarb 2017 als erste Frau in Österreich das UEFA-Pro-Diplom, die höchste Trainerausbildung im Fußball

Geboren 23. September 1980

Ausbildung UEFA Pro Lizenz

Erfolge als Spielerin Zweifache Meisterin und dreifache Cupsiegerin mit Admira Landhaus

Stationen als Trainerin ÖFB-Nationalteam-Assistenztrainerin (2008-2011 unter Ernst Weber

sowie seit 2017 unter Dominik Thalhammer), U19-Teamchefin

(2011-2017), Individualtrainerin Akademie St. Pölten (seit 2011),

ÖFB-Frauen-Teamchefin (seit 27. Juli 2020)

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