Hintergrund. Heimo Kofler über die Generalversammlung des Eishockeyverbandes

Ein tiefer Graben im Eishockey

Die Profiklubs sind sauer, Amateur­vereine bestimmen.

Schwarzach „Einbinden statt ausgrenzen.“ Unter dieser Devise stellte sich das neue Präsidium des Eishockeyverbandes unter Klaus Hartmann in einer Aussendung vor. Die Mehrheit der österreichischen Bundesliga- und AHL-Klub dürfte diese Botschaft als Affront aufgefasst haben. Nach der Generalversammlung mit der Abwahl von Gernot Mittendorfer fühlen sich die Profivereine über den Tisch gezogen. Hartmann wurde mit den Stimmen der Amateur-, Hobby und Damenklubs mit starkem Rückhalt aus dem Kärntner Vereinswesen gewählt. Amateure geben jetzt im österreichischen Kufensport die Richtung vor – einmalig in Europa. Die neue Konstellation bedeutet wohl einen Rückfall in längst vergangen geglaubte Zeiten. Der finnische Fachmann Alpo Suhonen hatte den Verband 2012 umgemodelt und professionelle Strukturen geschaffen.

Der Wechsel an der Spitze war auch dem Stimmverhalten der Profiklubs Linz und Villach geschuldet. Black-Wings-Präsident Peter Freunschlag dürfte mit den anderen Klubs der Bet-at-home-Liga abgerechnet haben, er bekam zuletzt viel Gegenwind und nur knapp den Vorzug gegenüber dem neuen Lokalrivalen EHV Linz. Gerald Rauchenwald vom Villacher SV kam offenbar am Mann aus dem eigenen Lager (Hartmann kommt aus der Draumetropole) nicht vorbei. Kein Wunder, dass da von Verrat gesprochen wurde, von Umfallern und Falschspielern. „Wenn jetzt Hobbyvereine bestimmen, dann stimmt in unserem Eishockey etwas nicht mehr“, meint ein Vertreter eines Spitzenklubs.

Turbulente Sitzung

Die Sitzung im Villacher Kongresszentrum soll turbulent verlaufen sein. Unter anderem war ein derbes „ausse mit ihm“ von den hinteren Rängen in Richtung Mittendorfer gerichtet. Kärntens Verbandskoordinator Michael Löschnig tauchte mit mehreren Vollmachten von Unterligaklubs auf, verteilte deren Vollmachten demonstrativ auf Hartmann-freundliche Verbände und Klubs. Diversen Landesverbandsspitzen wird unterstellt, „gepackelt“ haben.

Die Präsidumswahl bekommt ein Nachspiel, ist nicht endgültig geschlagen. Der Verband von Oberösterreich hat, weil eine Unterschrift bei der Abstimmung fehlte, wegen eines Formalfehlers Einspruch erhoben. Für Mittendorfer ist das aber nicht mehr von Bedeutung, der abgewählte Boss zieht sich aus dem Eishockey zurück.

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