Interview. Thomas Vanek (36), über Karriere, das österreichische Eishockey und die Zukunft

Vanek hält von Rossi große Stücke

Nach 1098 Spielen ist Schluss mit der Profikarriere: Thomas Vanek hängt seine Schlittschuhe an den Nagel. aP

Nach 1098 Spielen ist Schluss mit der Profikarriere: Thomas Vanek hängt seine Schlittschuhe an den Nagel. aP

Der zurückgetretene NHL-Star hat jetzt mehr Zeit für die Familie und will General Manager werden.

Stillwater Nach Ablauf der Transferperiode in der National Hockey League (NHL) am Montag hat Thomas Vanek seine Karriere für beendet erklärt. Der 36-Jährige ist Österreichs größter Star in der besten Eishockey-Liga der Welt, nun will sich der einstige Torjäger mit mehr als 1000 NHL-Spielen mehr seiner Familie widmen. Vanek, seit dem Vorjahr Doppelstaatsbürger, will zunächst seine Söhne trainieren, danach aber sein neues Ziel angehen, General Manager bei einem NHL-Club zu werden, verriet er im Gespräch mit der Austria Presse Agentur. Von Marco Rossi, der für den kommenden NHL-Draft als Top-Ten-Kandidat gehandelt wird, hält Vanek große Stücke.

War es eine schwierige Entscheidung, nun Schluss zu machen?

VAnek Es ist nie einfach. Für mich am schwersten ist, dass ich weiß, dass ich noch drei Jahre spielen könnte. Auf der anderen Seite habe ich eine Karriere gehabt, auf die ich stolz sein kann und ich habe jetzt die Möglichkeit, meine Kinder zu trainieren.

Wie war der Weg zur Entscheidung?

VAnek Ich habe im Sommer unheimlich gut trainiert, ein paar Mannschaften haben angerufen, ich wollte aber nicht unterschreiben, es hat sich im Bauch nicht richtig angefühlt. Im Hinterkopf wollte ich zu Hause meine Söhne (Blake/12 Jahre und die Zwillinge Luka Robert und Kade Ashton/9) im Eishockey coachen. Auch im Herbst und zu Weihnachten gab es Anrufe, aber ich habe mir nicht vorstellen können, die Sachen zu packen und weg zu sein. Ich habe meinem Manager dann gesagt, zur Transfer-Deadline (24. 2.) bei einem Angebot nachzudenken, bei dem ich den Traum aufnehmen kann, den Stanley Cup zu gewinnen. Ich habe ihm vier Mannschaften genannt, wenn die interessiert sind, würde ich es vielleicht nochmal machen, aber ich habe dann gesagt genug ist genug. Ich hatte eine lange Karriere, jetzt ist für mich die Familie wichtiger. Meine Erinnerungen sind, dass meine Mutter bei vielen Spielen dabei war und mein Vater immer. Das gleiche kann ich nicht sagen. Ich habe für mich selber genug Zeit gehabt, das macht die Entscheidung viel einfacher.

Was waren Ihre Highlights in 14 Saisonen NHL?

VAnek Dreimal das Conference-Finale erreicht zu haben, zweimal mit Buffalo und einmal mit Montreal. Du bist so knapp dran, den Schritt ins Finale zu schaffen, dort kann alles passieren. Das Play-off in der NHL ist unglaublich, das Kribbeln im Bauch wird höher, alle sind motiviert. Wir hatten die Chance, es zu gewinnen. Mit Buffalo habe ich 100-prozentig gedacht, wir sind die beste Mannschaft, aber die gewinnt nicht immer. Wir hatten auch immer Verletzungssorgen. Mit Montreal auch, wir haben Tampa und Boston geschlagen, dann hat sich (Torhüter Carey) Price verletzt, das hat die Luft aus der Mannschaft genommen. Es wäre viel einfacher aufzuhören, wenn ich den Stanley Cup gewonnen hätte.

Worauf sind Sie am meisten stolz?

VAnek Für mich sind das nicht die Tore und Punkte. Ich sehe mich nicht als Held, ich habe meinen Traum gelebt, ich habe mein ganzes Leben meinen Lieblingssport gespielt. Mein Traum war von klein auf die NHL. Im letzten Jahr hatte ich mein 1000. NHL-Spiel, das war nicht das Ziel und der Traum, die Ehre zu haben, so lange spielen zu dürfen. Das andere Highlight war die Wahl zu Österreichs Sportler des Jahres (Anm.: 2007). Eishockey ist in Österreich eine Randsportart, da so eine Auszeichnung zu bekommen, darauf bin ich sehr stolz. Ich habe gehofft, dass das auch dem Eishockey hilft, nicht nur mir. Aber das war leider nicht so.

Haben Sie in Amerika mitbekommen, wie populär Sie in Österreich waren?

VAnek Ja. Ich hätte mir das nie vorstellen können, dass es so viele Fans gibt. Das ist wunderschön und schwer in Worte zu fassen. In meinem Rookie-Jahr in der NHL hat es einmal beim Aufwärmen ein paar Österreich-Flaggen auf der Tribüne gegeben. Selbst ein paar Mitspieler haben geschaut, was da abgeht. Das sind coole Momente, ein Wow-Effekt.

Welchen Rat haben Sie an junge Spieler?

VAnek Ich habe von klein auf gelernt, die Mentalität ist das Wichtigste. Du musst Spaß am Sport haben, harte Arbeit kommt dazu, aber wichtig ist, dass du ein guter Mitspieler und guter Freund bist. Darauf habe ich viel Wert gelegt. Im Teamsport kannst du nicht neidisch sein oder nur auf dich schauen. Du brauchst null Talent, um ein guter Mensch und Mitspieler zu sein. Ich hoffe, dass meine Mitspieler das von mir bekommen haben.

Mit Marco Rossi steht ein junger Österreicher in den Startlöchern – wie schätzen Sie ihn ein?

VAnek Ich schaue mir von Marco öfter seine Highlights an. Er ist ein super Spieler und hat eine riesige Zukunft vor sich. Ich habe vor kurzem mit einem General Manager geredet, der hat von ihm geschwärmt. Man merkt, dass er heuer mehr Selbstvertrauen hat. Am meisten an seinem Spiel gefällt mir: die Jugend heutzutage ist eisläuferisch und technisch unglaublich, aber viele können das nicht umsetzen, wie man richtig Eishockey spielt. Marco ist schnell, stark auf den Füßen, hat gute Hände, aber das Schönste ist, er macht Spieler links und rechts und vor und hinter ihm besser. Er denkt das Spiel auf hohem Niveau.

Sie haben die Entwicklung im österreichischen Eishockey immer wieder kritisiert. Haben Sie eine Botschaft für das österreichische Eishockey?

VAnek Ich habe das nie kritisch gemeint, ich sage, was ich denke. Meine Meinung ist immer gleich: Obwohl Eishockey ein Randsport ist, haben wir super Fans, der Sport lebt. Aber der Sport hat noch nie geboomt. Das müssen wir ändern. Die Vereine und der Verband müssen gemeinsam in den Nachwuchs investieren. Nicht erst bei der U18 oder der U16, man muss bei den Superminis beginnen, dort bessere Trainer holen. Und nach Jahren merkt man, dass mehr Talente nachkommen. In der Liga sieht man vor den Play-offs, dass drei Spieler ausgetauscht werden und ein Ausländer kommt. Das ist falsch, aber ich verstehe die Vereine, die sagen, es gibt nicht genug gute Österreicher.

Wie sieht Ihre Zukunft aus, was planen Sie?

VAnek Am Montag, als es vorbei war, habe gleich umgestellt auf das nächste Ziel: Ich will General Manager in der NHL werden. In den nächsten vier, fünf Monaten werde ich schauen, ob ich eine Funktion im Büro bekomme, um diese Seite kennenzulernen. Bei acht Mannschaften bekommst du viele Erfahrungen. Ich glaube, ich habe ein gutes Gefühl dafür, was es braucht, um zu gewinnen.“

<p class="caption">Thomas Vanek ist ein großer Fan von Ländle-Jungstar Marco Rossi. gepa</p>

Thomas Vanek ist ein großer Fan von Ländle-Jungstar Marco Rossi. gepa

Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Per E-Mail teilen
Entdecken Sie die VN in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.