Interview. Adi Hütter (50), Cheftrainer Eintracht Frankfurt

„Salzburg macht guten Job“

Erst beim BVB, dann wartet Salzburg auf Adi Hütter und Frankfurt. gepa

Erst beim BVB, dann wartet Salzburg auf Adi Hütter und Frankfurt. gepa

Adi Hütter über das „Duell des Jahres“, seine Karriereplanung und den Teamchefposten.

Frankfurt am Main Auf Adi Hütter wartet ein Date mit der eigenen Vergangenheit. Einst half der Vorarlberger, den SV Salzburg gegen Eintracht Frankfurt ins Halbfinale des UEFA-Cups zu schießen. Fünf Jahre nach seinem Abschied als Trainer trifft er nun als Coach der Frankfurter auf seinen Ex-Klub Red Bull Salzburg. Vor den Europa-League-Duellen nächsten (18.55 Uhr) und übernächsten Donnerstag (21 Uhr) sprach Hütter über das Verhältnis zwischen Salzburg und Leipzig, den Zustand des österreichischen Fußball-Nationalteams und darüber, warum er die jüngste Krise der Eintracht unbeschadet überstanden hat.

Was sagt Ihnen der 3. März 1994?

Hütter Vom Gefühl her das Hinspiel in Wien, in dem wir 1:0 gewonnen haben, und in dem ich das Tor geschossen habe.

Es war ein bedeutendes Europacup-Duell zwischen Salzburg und Frankfurt, kommende Woche folgt das nächste. Was verbinden Sie damit?

Hütter Die Geschichte wird neu aufgearbeitet. Für mich persönlich sind es große positive Erinnerungen, mit dem Tor in Wien, mit dem Rückspiel, in dem ich einen Elfmeter geschossen habe, in dem wir weitergekommen sind und einen deutschen Bundesligisten ausgeschaltet haben. Jetzt bin ich aber auf der anderen Seite. Die Frankfurt-Fans können mit dem Datum sicher nicht mehr so viel anfangen. Das war vor 26 Jahren. Aber die Konstellation, dass ich jetzt Frankfurt-Trainer bin, ist natürlich außergewöhnlich.

Ihre Trainertätigkeit in Salzburg liegt weniger lange zurück, nämlich fünf Jahre. Was hat Salzburg seither für eine Entwicklung gemacht?

Hütter Man sieht seit 2012, als Ralf Rangnick gekommen ist und die Spielphilosophie in den kompletten Verein implementiert hat, dass eine Nachhaltigkeit da ist. Die Spieler, die nachrücken, haben ähnliche Stärken – Schnelligkeit, Dynamik, Technik, auch die Mentalität. Es werden gewisse Personen ausgetauscht, aber die Spielidee bleibt immer die gleiche. Sie haben eine richtig gute Entwicklung gemacht mit Spielern, die dann um sehr viel Geld verkauft worden sind. Und diese Topspieler können sie nahtlos ersetzen, das ist das größte Plus.

Ihr eigener Abschied nach nur einem Jahr und dem Double war eine recht mutige Entscheidung.

Hütter So bin ich auch. Fakt ist, dass wir uns einvernehmlich getrennt haben. Es hat da unterschiedliche Ansichten gegeben. Es war aber alles sehr positiv. Ich bin sehr dankbar, dass ich dieses Jahr als Trainer dort verbringen konnte. Und ich darf mich jetzt nicht beklagen.

Ihr Vertrag läuft noch eineinhalb Jahre. Was steht noch auf dem Karriereplan?

Hütter So weit denke ich jetzt gar nicht. Für mich ist die Zielsetzung, dass wir in diesem halben Jahr noch viele schöne Erfolge feiern. Wir haben im Pokal die Chance auf das Halbfinale. Die Duelle mit Salzburg sind für mich eine 50:50-Chance. Wir haben in der Meisterschaft die Möglichkeit, wenn wir so weiterperformen, unter die ersten zehn zu kommen. Da denke ich nicht eine Sekunde über den Vertrag bis 2021 nach.

Nach dem Halbfinal-Einzug in der Europa League im Vorjahr haben Sie vom größten Erfolg Ihrer Trainerkarriere gesprochen. Wie groß ist das Ziel, wieder in diese Richtung zu gehen?

Hütter Wir haben im Vorjahr lauter Champions-League-Kaliber ausgeschaltet. Es kann passieren, aber man kann sich nicht erwarten, dass Frankfurt das jedes Jahr gelingt. Mit Salzburg wartet ein ganz schöner Brocken. Sie haben in der Champions League eine sehr, sehr gute Figur gemacht. Ich kenne ihre Zielsetzung im Verein. Auch wenn es in der Liga heuer etwas spannender ist: Priorität hat, zu zeigen, welche Qualität Salzburg international hat. Im November oder Dezember hätte ich Salzburg favorisiert. Jetzt sind wir ganz gut in die Rückrunde gestartet – deswegen 50:50.

Was ist der Schlüssel, dass es 2020 bisher bedeutend besser läuft als vor der Winterpause?

Hütter Da gibt es ein paar Punkte. Wir reden von acht oder neun Tagen Pause, um die Köpfe freizubekommen. Das ist nicht viel, aber Spieler wie (Torhüter) Kevin Trapp und (Kapitän) David Abraham sind zurück. Wir haben an den richtigen Rädchen gedreht, was die Grundordnung betrifft, bekommen nun wesentlich weniger Gegentore. Den Gegenwind, den wir gespürt haben, haben wir so richtig reingeblasen, dass es wieder Rückenwind geworden ist. Dazu kommt, dass wir im Verein Ruhe gehabt haben.

Ruhe ist bei einem Verein wie Eintracht Frankfurt in einer so schwierigen Phase nicht selbstverständlich. Worauf führen Sie das große Vertrauen in Sie zurück?

Hütter Natürlich brauchst du immer wieder Ergebnisse. Aber der Verein und die Verantwortlichen wissen, wie ich arbeite. Von ihnen habe ich 100 Prozent Unterstützung gespürt. Ich glaube schon, dass die letztjährige Saison auch den Ausschlag gegeben hat, dass man über diese Phase gemeinsam drüber hinweggeht. Wenn wir letztes Jahr Zwölfter geworden wären und im Europa-League-Sechzehntelfinale ausgeschieden wären, hätte ich es möglicherweise nicht so leicht und problemlos überstanden.

Salzburg ist mittlerweile sehr darauf bedacht, sich von Leipzig zu emanzipieren. Wie wichtig ist das für die Entwicklung des Klubs?

Hütter Man hat sich ein bisschen abgekapselt, lässt sich nicht mehr von Leipzig leiten. Es ist zwar noch immer im Konzern, vom Gefühl her ist jetzt aber eine Eigenständigkeit da. Das ist intern, aber auch für das Umfeld und die Fans sehr wichtig. Ich habe das Gefühl, dass (Sportdirektor) Christoph Freund und (Geschäftsführer) Stephan Reiter einen sehr guten Job machen, dass die Trainer jetzt ganz in Ruhe arbeiten können. Es ist nicht mehr so, wie es vor ein paar Jahren war.

Sie sind diese Woche 50 geworden. Ab welchem Alter kann man sich vorstellen, Nationaltrainer zu werden?

Hütter Wir haben momentan einen sehr, sehr guten Teamchef mit Franco (Foda). Es ist die höchste Auszeichnung des Landes, Nationaltrainer zu sein. Sicherlich schwebt das irgendwann einmal in meinem Kopf herum, wenn es einmal eine Chance gibt. Momentan passt der Zeitpunkt für mich nicht, weil ich wahnsinnig gerne Klubtrainer bin und tagtäglich mit der Mannschaft arbeite. Vielleicht gibt es den Zeitpunkt einmal.

Lesen Sie das gesamte Interview mit Frankfurt-Trainer Adi Hütter auf VN.at.

Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Per E-Mail teilen
Entdecken Sie die VN in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.