Gemeinsam oder einsam

Bernd Bösch kann sich vorstellen, den Verein auf einer breiten Basis in eine gesicherte Zukunft zu führen. Hartinger

Bernd Bösch kann sich vorstellen, den Verein auf einer breiten Basis in eine gesicherte Zukunft zu führen. Hartinger

Bei Austria Lustenau prallen Meinungen aufeinander, aber Hände werden ausgestreckt.

Lustenau „Grün und Weiß sind unsere Farben . . .“ und „Wir halten fest und treu zusammen . . .“ heißt es im Fußballerlied der Lustenauer Austria. Dieser Zusammenhalt aber hat dieser Tage große Risse erfahren. Meinungen prallten und prallen noch aufeinander, persönliche Anschuldigungen taten das ihre hinzu. Die Lustenauer Austria durchlebt bewegte Tage. Nicht zum ersten Mal in der Geschichte. Gerade einmal fünf Jahre ist es her, als die Fangemeinde „Nordtribüne“ in einem offenen Brief ein „Umdenken und eine Veränderung“ an der Spitze einforderte. Kurz zuvor war Helgi Kolvidsson als Trainer entlassen worden.

Die Nordtribüne bebt

Heute nun will die „Nordtribüne“ auf ihrer Homepage wieder mit einem offenen Brief ihre Meinung zu den aktuellen Entwicklungen kundtun. Was bei Hubert Nagel, der seine Wiederwahl aufgrund zu geringer Zustimmung in der Vorwoche abgelehnt hatte, einigermaßen auf Unverständnis trifft. Im Gespräch mit den VN erinnerte der 67-jährige Langzeitchef der Austria an einige Ereignisse, in denen er sich für die Mitglieder der Fangemeinschaft persönlich eingesetzt hatte. „Ansonsten hätte ihnen ein Stadionverbot gedroht.“

Vehement wehrt sich Nagel auch gegen die Gerüchte, wonach er die Transferrechte an Spielern hält. „Mir gehört weder die Nummer 7 noch die Nummer 16.“ Vielmehr erklärt er, wonach es eine Vereinbarung mit dem Verein gebe, wonach er seine immer wieder getätigten Vorauszahlungen bzw. Überbrückungsgelder bei Transfererlösen rückerstattet erhält. Auch widerspricht er Meldungen, wonach er bei einer Neuübernahme des Klubs auf eine sofortige Rückzahlung seiner Finanzspritze – im Raum stehen 200.000 Euro – fordere.

Moderate Töne

Vielmehr schlägt Nagel, der „wieder so handeln“ würde, durchaus moderate Töne an. „Ich möchte, dass die Nachfolgeregelung so friedlich und so schnell wie möglich über die Bühne geht.“ Dass ihm nach einer wohl geschichtsträchtigen Klub-Hauptversammlung viel Zuspruch widerfahren sei, habe gutgetan. „Auch aus Altach“, erzählt er. Dennoch: Die Enttäuschung sei noch sehr präsent. Auch weil die „Revolution“, wie es Nagel nennt, nicht von klubfremden Leuten ausgegangen sei und ihm im Vorfeld der Hauptversammlung durchaus drohende Worte entgegengeprallt seien. Dem allerdings widersprechen die von Nagel angesprochenen Protagonisten vehement. So etwa Alain Bauwens von Hauptsponsor „Planet Pure“: „Wir haben Herrn Nagel einen Vorschlag präsentiert. Eine Drohung ist nie ausgesprochen worden. Wir haben ihn nicht gezwungen, wir wollten einen stilvollen Übergang.“ Als Vertreter des Sponsors sei er sehr wohl an einer Weiterführung interessiert. Aber es sei einst bei der Vertragsunterzeichnung auch eine Veränderung an der Klubspitze vereinbart worden.

Keinen Schnellschuss

Auch Bernd Bösch, der gewillt wäre, an der Spitze seines Teams die Agenden von Hubert Nagel zu übernehmen, kann sich an „kein Ultimatum“ im letzten Gespräch vor der JHV erinnern. „Es ein emotionaler Rat, der falsch verstanden wurde.“ Was eine schnelle Übernahme betrifft, so wiegelt er vorerst ab, setzt dabei auf weitere Gespräche und bleibt bei seiner Einschätzung. „Eine Veränderung mit uns kann es nur mit Hubert geben.“ Deshalb soll eine Gruppe („Nicht wir“) mit der Ansetzung einer außerordentlichen Hauptversammlung betraut werden. Dabei ist ihm der Konsens mit Nagel wichtig. „Das haben wir von Beginn an so gehalten“, sagt Bösch und erklärt im VN-Telefonat die Vorgehensweise der vergangenen Monate:

November 2018: Hubert Nagel war über jeden Schritt unserer Gruppe informiert. Auch haben wir erst bei ihm angefragt, ob wir mit Austria-Mitarbeiter bezüglich Klubinterna sprechen dürfen.

Weihnachten 2018: Wir haben mit Nagel ausgehandelt, mit Vorstandsmitgliedern zu reden. Das Ziel war, so viele wie möglich für die Erneuerung mit ins Boot zu nehmen.

Dreikönigstag 2019: Wir haben Nagel gesagt, dass wir uns die Sache, vorerst mit ihm zusammen, zutrauen. Das hat er mit den Worten „Ich bin der Chef“ abgelehnt. VN-cha

<p class="caption">Schon 2014 gab es kritische Töne seitens der Austria-Fans. </p>

Schon 2014 gab es kritische Töne seitens der Austria-Fans. 

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