Interview. Dominic Thiem, (24), Tennisprofi

„Ich bin vorgewarnt“

Dominic Thiem läuft in Paris immer zu Hochform auf. „Zu dieser Zeit bin ich jedes Jahr gut drauf, das speichere ich im Kopf ab.“  gepa

Dominic Thiem läuft in Paris immer zu Hochform auf. „Zu dieser Zeit bin ich jedes Jahr gut drauf, das speichere ich im Kopf ab.“  gepa

Dominic Thiem gibt sich vor dem Halbfinale gegen Marco Cecchinato fokussiert.

Paris Nach einem 70-minütigen Training, diesmal direkt auf der Roland-Garros-Anlage, stand Dominic Thiem der kleinen österreichischen Medienschar Rede und Antwort. Der 24-jährige Niederösterreicher wirkte dabei wie immer in diesen Tagen locker und entspannt. Keine Spur von Star-Allüren oder einer besonderen Anspannung, die ihn wortkarg machen würde. Geht es doch heute gegen den italienischen Außenseiter Marco Cecchinato (25) bei den French Open immerhin um den Einzug ins Finale.

Sie haben als erster Österreicher hier drei Semifinali erreicht und Tennis-Geschichte geschrieben. Haben Sie das schon realisiert?

Thiem Ich habe es schon realisiert, aber es geht weiter. Ich habe 2016 und 2017 die letzten zwei Halbfinali verloren und das will ich unbedingt vermeiden. Ich will dieses Jahr den weiteren Schritt ins Finale machen. Deshalb ist es richtig schön, was bis jetzt passiert ist, aber trotzdem bin ich in den letzten zwei Jahren vor dem Halbfinale ein bisschen eingegangen und genau das will und werde ich vermeiden.

Ändert es etwas, dass Sie erstmals als Favorit in ein Major-Halbfinale gehen?

Thiem Nicht wirklich. Es haben viele das Match gestern gesehen, der (Marco Cecchinato, Anm.) spielt unmenschlich zur Zeit. Wie er das gestern gegen Djokovic fertig gespielt hat, war allererste Klasse. Das heißt, ich bin komplett vorgewarnt. Der ist vollgepumpt mit Selbstvertrauen, war in der ersten Runde schon fast draußen, jetzt ist er im Halbfinale. Dass ich Favorit bin, ist klar, auch durch die Weltrangliste, aber ich lasse mich da jetzt nicht blenden, sondern werde genauso fokussiert wie in die letzten Matches reingehen.

Haben Sie die Stärken und Schwächen des Gegners studiert?

Thiem Ich kenne ihn, ich habe ein paar Mal gegen ihn gespielt. Einmal bei einem Future 2013 und 2014 in Doha in der Quali. Ich kenne ihn überhaupt schon sehr lange von gemeinsamen Juniorenzeiten. Er macht sehr viel mit der Vorhand. Ich glaube, die Rückhand ist ein bisserl schwächer, aber die hat er gestern auch schön ‚reingezimmert‘. Ich werde einfach auf mich schauen und mein Spiel aufziehen.

Trägt die Liebe zu den Bedingungen in Paris sehr viel bei?

Thiem Hundertprozentig. Ich mag die Bälle extrem, ich mag den Sand sehr, ich habe in den Juniorenzeiten da schon extrem gut gespielt. Ich bin immer jedes Jahr da in Höchstform und das speichere ich natürlich auch ab im Kopf, dass ich zu der Zeit immer sehr gut spiele und ich da keinen Gegner fürchte. Das hilft.

Wie sehr lassen Sie Gedanken an einen möglichen Titel zu?

Thiem Zwei Matches bin ich noch davon entfernt. Das ist einerseits nah, andererseits extrem fern. Wenn ich ganz ehrlich bin, konzentriere ich mich nur auf das Match morgen, weil sobald ich irgendwelche anderen Gedanken verschwende, dann geht das Ganze bergab.

Ist Cecchinato fast der unangenehmere Spieler, weil viele Leute wohl sagen, na den muss er jetzt auch schlagen?

Thiem Nein, wenn das in der dritten oder vierten Runde wäre, würde ich es schon sagen, aber das ist ein Halbfinale. Wenn man bei einem Grand Slam so weit kommt, dann muss man eine gewisse Klasse haben, das hat er jetzt schon dreimal bewiesen gegen richtig starke Gegner, von dem her ist es für mich sicher nicht die Gefahr, dass ich jemanden unterschätze oder happy bin, dass ich nicht gegen den Djokovic spielen muss.

Warum schaffen es beim härtesten Grand Slam immer wieder Nobodys in die Schlussphase?

Thiem Es schiebt sich auf Sand alles ein bisschen mehr zusammen, weil die ganz großen Aufschläger und die, die extrem schnell spielen, die kann man besser entschärfen. Ich glaube nicht, dass es ein Cecchinato auf einem anderen Belag so weit schaffen würde. Weil er da mehr Zeit hat, weil auch viele Spieler, die jetzt nicht so weit vorne sind, extrem fit sind und das genau hier halt hilft bei relativ langsamen Bedingungen. Deshalb sind immer wieder Überraschungen drinnen.

Wie fühlt es sich an, dass es nun in der Kabine und im Players-Bereich ruhiger wird?

Thiem Es ist vor allem ein gutes Zeichen, wenn man noch da ist, wenn in der Umkleide nichts mehr los ist. Es ist immer geil bei einem Grand Slam, wenn ich noch da bin, wenn die Legenden und die Junioren kommen.

Hat Ihnen eigentlich Thomas Muster gratuliert?

Thiem Er hat dem Alex (Stober, sein Physio, Anm.) geschrieben, habe ich gehört, und ihm gratuliert.

„Ich bin zwei Spiele vom Titel entfernt. Das ist einerseits nah, andererseits extrem fern.“

Tennis

French Open 2018 in Paris

(Grand Slam, 39,197 Mill. Euro, Sand)

Damen, Halbfinale: Halep (ROU/1) – Muguruza (ESP/3) 6:4, 6:4, Stephens (USA/10) – Keys (USA-13) 6:4,6:4

Herren, Viertelfinale: Nadal (ESP/1) – Schwartzman (ARG/11) 4:6, 6:3, 6:2, 6:2, del Potro (ARG/5) – Cilic (CRO/3) 7:6(5), 5:7, 6:3,7:5

Halbfinale heute: ab 13 Uhr Cecchinato – Thiem (7), Nadal (1) – Del Potro (5)

Herren, Doppel, Halbfinale: Herbert/Mahut (FRA-6) - Mektic/Peya (CRO/AUT-8) 6:3,6:4

Mixed, Finale: Latisha/Dodig (TPE/CRO) - Dabrowski/Pavic (CAN/CRO) 6:1, 6:7(5), 10:8

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