Altachs junge Löwen bissen zu

von Mattersburg
Adrian Grbic (im Bild links gegen den Ex-Altacher César Ortiz) rackerte und erzielte sein sechstes Liga-Saisontor.

Adrian Grbic (im Bild links gegen den Ex-Altacher César Ortiz) rackerte und erzielte sein sechstes Liga-Saisontor.

Notelf ringt Mattersburg nieder. Bald Klarheit in Trainerfrage. Zellhofer: „Werde fair beurteilen.“

Mattersburg „Alle Altacher, die gerade vor dem Fernseher sitzen, sollen bitte aus dem Fenster schauen, ob gerade zwei weiße Löwen am Altacher Kirchturmspitz sitzen. So groß war die Wahrscheinlichkeit, dass wir in Mattersburg gewinnen.“ Trainer Klaus Schmidt war lange nicht mehr zum Scherzen zumute. Obwohl sich die Rheindörfler im Tabellen-Niemandsland befinden, fiel ihm nach dem extrem durchwachsenen Frühjahr mit dem unerwarteten 1:0-Auswärtssieg in Mattersburg ein kleiner Fels vom Herzen. „Wir sind mit dem allerletzten Aufgebot gekommen. Aber der Glaube kann Berge versetzen.“

Die Verletzungspechserie hatte ihren Höhepunkt erreicht. Zehn Stammspieler fehlten. So ging es mit sechs Amateuren ins Pappelstadion. Und es passierte, was sich keiner gedacht hatte. Während die Burgenländer im Kampf um eine Europacupchance jeglichen Biss vermissen ließen, nahmen die jungen Altacher Löwen das Heft in die Hand.

Aus der Not wurde eine Tugend

Stürmer Christian Gebauer glänzte als offensiver Außenverteidiger, scheiterte mit einer abgerissenen Flanke (3.) und einem Sturmlauf von rechts (17.) am starken SVM-Goalie Markus Kuster, ehe Adrian Grbic – von Stefan Nutz im zweiten Flanken-Anlauf perfekt bedient – frühzeitig zum verdienten Siegtreffer (22.) einköpfelte. „In der zweiten Hälfte mussten wir ein bisserl würgen, viel über Kampf machen. Da hat man schon gesehen, dass wir momentan nicht so viel Selbstvertrauen haben“, analysierte Hannes Aigner. Mit Kampf und Krämpfen brachte man den dritten Frühjahrssieg aber tatsächlich über die Runden. Dabei hätte der Sturmoldie vorher den Sack schon zumachen können. Er hatte Kuster bereits ausgespielt, ehe Mattersburgs Ortiz (73.) rettete: „Ich habe ihn zu spät gesehen.“ Ein traumhafter Aigner-Heber über Kuster fast von der Mittellinie hoppelte über das Gehäuse (79.). Das wäre das Tor des Jahres geworden.Vor allem Altachs Stammelf-Debütanten Michael Cheukoua (21) und Johannes Tartarotti (18) glänzten. Ersterer mit seinen wuchtigen Vorstößen, zweiterer mit erstaunlich abgeklärtem Passpiel.

Viele Faktoren entscheiden

Altach kann nun sogar die Austria überholen und auf Platz 7 vorstoßen, womit sich auch der Vertrag von Klaus Schmidt automatisch um eine Saison verlängern würde. Möglich, dass Sportdirektor Georg Zellhofer in der Causa schon vorher für Klarheit sorgt. Die Mannschaft hat dem Coach mit dem unterwarteten Sieg Rückenwind gegeben. Die Entscheidung wird noch vor Saisonende fallen, sagt Zellhofer: „Es gehört in Ruhe besprochen. Das hat sich der Trainer verdient.“ Freilich gesteht er, dass es ihm noch nie so schwer fiel, eine Saison zu beurteilen. „Jetzt bin ich schon 30 Jahre im Profigeschäft. Aber so viel Verletzungspech, Krankheiten und Ausfälle habe ich noch nie erlebt.“ Diese würden bei Zellhofers Analyse aber genauso berücksichtigt, wie andere Faktoren wie, „dass wir Spieler verkauft haben, die Entwicklung der Jungen, dass wir im Europacup waren. Das alles muss man fair beurteilen. Das traue ich mir zu.“ Nur weiße Löwen werden wohl bei den Gedankenspielen keine Rolle spielen.

<p class="caption">Michael Cheukoua feierte sein Pflichtspiel-Startdebüt bei den Profis. gepa</p>

Michael Cheukoua feierte sein Pflichtspiel-Startdebüt bei den Profis. gepa

„Ein paar Spieler hatten Krämpfe. Deshalb geht das heute runter wie Butter.“

Wie wir gespielt haben, war sehr positiv. Ich freue mich extrem für die Jungen, die ins kalte Wasser geworfen wurden. Jetzt müssen wir noch mehr Kontinuität reinbringen. Aber wenn zehn Stammspieler fehlen, kannst du das eben nicht einfach kompensieren. Hannes Aigner

Wahnsinn, wirklich! Vor allem die Art und Weise wie wir die erste Hälfte gespielt haben. Taktisch und spielerisch. Hut ab! Ich bin schon lange dabei, aber dass wir auswärts so dominant auftreten! Georg Zellhofer

Statements aus Mattersburg

Wir waren in der ersten Hälfte sicher die spielstärkere Mannschaft. In der zweiten war es dann ein Kampf, wie oft gegen Mattersburg. Der Sieg tut gut. Das war ein Zeichen von uns. Der Schiri hat 97 Minuten spielen lassen, aber das passt schon. Wir hätten noch länger verteidigt. Philipp Netzer

Wir haben das Spiel in der ersten Hälfte kontrolliert. Mattersburg ist am Schluss all-in gegangen. Wir haben schon aus dem letzten Loch gepfiffen. Wir müssen uns im Frühjahr jeden Punkt knallhart erarbeiten. Klaus Schmidt

Artikel 1 von 1
Bitte melden Sie sich an, um den Artikel in voller Länge zu drucken.

Bitte geben Sie Ihren
Gutscheincode ein.

Der eingegebene Gutscheincode
ist nicht gültig.
Bitte versuchen Sie es erneut.
Per E-Mail teilen
Entdecken Sie die VN in Top Qualität und
testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos.