VN-Interview. Christoph Kathan (45), Chef des Organisationskomitees beim Hypomeeting in Götzis

„Wir haben ein hochkarätiges Feld“

von Heimo Kofler, jochen dünser
Christoph Kathan, OK-Chef beim Hypomeeting: „Wir wollen den Status als Nummer-eins-Meeting erhalten.“

Christoph Kathan, OK-Chef beim Hypomeeting: „Wir wollen den Status als Nummer-eins-Meeting erhalten.“

Christoph Kathan freut sich über die Startlisten beim 43. Hypomeeting in Götzis.

Götzis. Zum siebten Mal steht Christoph Kathan heuer beim Hypomeeting im Götzner Möslestadion dem Organisationskomitee vor. Die VN sprachen mit dem 45-jährigen Geschäftsführer eines Personalberatungsbüros über das Starterfeld, die Favoriten, Neuerungen, Doping – und das Wetter.

Das Wetter ist immer ein zentrales Thema, wenn das Meeting ansteht. Wie wird es denn am Wochenende in Götzis?

Kathan: Es ist keine Hitzewelle zu erwarten, man kann aber davon ausgehen, dass es schön sein wird. Und wir haben ja noch Armin Hug, der immer eine Wallfahrt unternimmt, damit es bei der Veranstaltung angenehm ist.

Zweites zentrales Thema ist immer das Starterfeld. Wie zufrieden sind Sie mit den Nennungen?

Kathan: Sehr zufrieden. Mit der Ausnahme, dass wir im Zehnkampf Kevin Mayer gerne am Start gehabt hätten. Es gibt in so einem Fall immer die individuelle Betrachtung. Ich verstehe es als Veranstalter nicht, dass er in Götzis fehlt. Aber er hat einen anderen Plan, konzentriert sich dieses Jahr ausschließlich auf die WM in London. Mit Damian Warner gibt es einen klaren Favoriten. Wobei Kai Kazmirek als Geheimtipp gilt, er ist in Topform. Noch interessanter wird es im Siebenkampf. Da ist mit Nafissatou Thiam die Olympiasiegerin am Start, aber dahinter gibt es eine Situation mit Athletinnen wie Laura Ikauniece-Admidina, Katarina Johnson-Thompson und einige mehr, die es sehr interessant machen. Es ist ein hochkarätiges Starterfeld, für ein nacholympisches Jahr hervorragend. 27 Nationen sind hier, ich weiß gar nicht, ob wir schon einmal so breit aufgestellt waren.

Im Zehnkampf fehlt momentan ein Überflieger. Nach Ashton Eatons Rücktritt ist keiner in Sicht, dem ein neuer Weltrekord (Anm.: 9045 Punkte) zugetraut werden kann.

Kathan: Weltrekorde passieren nicht so einfach. Aktuell gibt es zwei, die 9000 Punkte machen können: Das sind Warner und Mayer. Interessant wird die weitere Entwicklung von Warner. Sein neuer Coach Les Gramantik hat einen ganz klaren Fahrplan im Kopf. Er will in Götzis gewinnen. Im Siebenkampf hat es sehr viele, die über 6000 Punkte erreichen können. Und wenn die Masse da ist, kann wieder einmal was rauskommen. Die Latte liegt aber sehr hoch im Zehn- und im Siebenkampf.

Was darf man aus österreichischer Sicht erwarten?

Kathan: Dominik Distelberger hat eine sehr positive Entwicklung gemacht. Er ist sehr schnell und technisch verbessert, wird von seinem Trainingspartner Kazmirek gepusht. Bei den Damen sind mit Ivona Dadic und Sarah Lagger zwei dabei, die an ihre Bestleistungen kratzen werden, Karin Strametz will sich dem 6000er annähern. Das Medieninteresse steigt mit den nationalen Größen, das Publikum hat Lokalmatadore und fiebert mit.

Wie stehen Sie zu den angedachten Neuerungen, wie
z. B. die Gundersen-Methode* im 1500-Meter-Lauf?

Kathan: Die Gundersen-Methode ist in unterschiedlichen Sportarten hochinteressant, aber nicht im Mehrkampf. Gerade aufgrund der Konstellation, dass es immer zwei, drei Athleten gibt, die einen größeren Abstand nach den neun Disziplinen haben, wäre das ein völliger Blödsinn. Der Weltrekord von Roman Sebrle (Anm.: 9026) bei uns wäre mit der Gundersen-Methode gar nicht möglich gewesen, weil er damals von Attila Zivotsky zur Bestmarke gezogen wurde. Wir verschließen uns aber nicht gegenüber Neuerungen. In der Leichtathletik gehört die Digitalisierung noch breiter eingesetzt. Es gibt Möglichkeiten, die Disziplinen und die gesamte Veranstaltung besser darzustellen. Mit einem Chip im Schuh ließe sich z.B. via Videowall und der Software das Problem beim 1500er lösen. Wir haben auch die App, damit kann man den Mehrkampf punktgenau verfolgen, die Leistungen der Athleten werden aufgerechnet, das ist eine hochinteressante Sache.

Der europäische Verband möchte eine Nach-Doping-Ära einläuten und die bestehenden Rekorde mit 31. Dezember 2017 einfrieren. Wie dramatisch ist das für den Mehrkampf?

Kathan: Das ist eine sportpolitische Diskussion. Ich persönlich halte nichts davon. Wenn die Leistung nicht nachweislich unter Doping fällt, würde man alle in einen Topf werfen. Und wenn ich einen Schnitt mache, da würde ich die Leistungen ja trotzdem immer mit den alten Marken vergleichen. Wir in Götzis müssten dann die Weltrekordprämie abschaffen, die erste neue Bestmarke würde ja wohl bei uns fallen. Bei den Prämien müsste dann grundsätzlich eine andere Staffelung vorgenommen werden.

Zur Diskussion steht auch ein Achtkampf?

Kathan: Ich weiß nicht, ob alle Athletinnen und Athleten überhaupt wissen, um was es bei dieser Diskussion geht. Kommt der Achtkampf, wird es Götzis nicht mehr geben. Dann ist der Mehrkampf tot, er deckt die gesamte Palette der Leichtathletik ab.

Thema Infrastruktur. Was ist erforderlich, um dem Meeting noch mehr Glanz zu verleihen?

Kathan: Das ist ein gutes Schlagwort. Man muss sich die Entwicklung des Meetings ansehen, es gibt verschiedene Lebenszyklen der Veranstaltung: Gründungsphase, Etablierung, Internationalität. Wir sind sportlich die Nummer eins, haben jetzt einen Status, dass jeder zu uns kommen will. Das ist aber nicht leicht zu halten. Mit der neuen Laufbahn sind wir sehr zufrieden. Es wäre vermessen zu sagen, wir brauchen eine größere Tribüne. Aber wir könnten die Tribüne im Sitzplatzbereich doppelt verkaufen. Die wirtschaftliche Realität ist da allerdings eine andere. Wir haben das kalkuliert. Was Götzis eine Spur besser machen könnte, ist der Eventcharakter.

Sie planen auch, die Organisation des Meetings auf breitere Beine zu stellen.

Ich komme aus dem Ring­sport, habe aber durch das Meeting die Leichtathletik schätzen und lieben gelernt. Werner Ströhle, ein Bekannter der Familie, hatte 1999 ein Problem mit den Mitarbeitern in den Gastronomie. Da habe ich gesagt: Ich bringe zehn Leute. Die sind heute noch im Einsatz. Es gibt Situationen während des Jahres, in denen ich mir sage: Es wäre geschickter gewesen, ich wäre am Grill geblieben. Wir mussten uns nach der Ära von Konrad Lerch neu organisieren, eine Eins-zu-eins-Nachfolge wäre nicht möglich gewesen. Darum haben sich Walter Weber, der für den Sport zuständig ist, und ich die Aufgaben geteilt. Aber wir alle im OK-Team stoßen an Grenzen. Es liegt in meiner Verantwortlichkeit, die Organisation weiter zu vergrößern.

<p class="caption">2010 trat Christoph Kathan in Götzis die Nachfolge von Meeting-Macher Konrad Lerch an. Foto: schmidt</p>

2010 trat Christoph Kathan in Götzis die Nachfolge von Meeting-Macher Konrad Lerch an. Foto: schmidt

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