Eine Hundertstel zu spät durchs Ziel

Marcel Hirscher landete in der Abfahrt sogar vor Luca Aerni, im Slalom fehlte ihm am Ende eine Hundertstel auf den Sensationssieger aus der Schweiz. Foto: Reuters

Marcel Hirscher landete in der Abfahrt sogar vor Luca Aerni, im Slalom fehlte ihm am Ende eine Hundertstel auf den Sensationssieger aus der Schweiz. Foto: Reuters

Marcel Hirscher verpasst Gold in der Kombi um eine Hunderstel. Sensationssieg von Luca Aerni (Schweiz).

St. Moritz. Was ist schon eine Hundertstelsekunde? Ein Wimpernschlag? Ein Husten? Ein Luftzug? Manchmal kann eine Hundertstelsekunde viel ausrichten. Zum Beispiel im Skisport. Österreichs Skistar Marcel Hirscher kann ein
Lied davon singen. Er verpasste am Montag um 0,01 Sekunden die WM-Goldmedaille in der Kombination in St. Moritz. Ein Sensationsmann war schneller: Der Schweizer Luca Aerni ging nach dem 30. Abfahrtsplatz mit Startnummer eins ins Rennen und behielt diese Zahl bis zum Schluss. „Ich kann es gar nicht richtig glauben“, stammelte Aerni nach dem Sieg.

Auch Bronze ging an die WM-Gastgeber, auch da entschied ein Luftzug. Mauro Caviezel fehlten nur sechs Hundertstelsekunden auf den Sieger. Die Schweizer erobern damit die dritte Goldmedaille und liegen klar vor Österreich. Das ÖSV-Team hält nach sechs Bewerben bei einmal Gold sowie je zweimal Silber und Bronze. Bereits am Dienstag im Teambewerb könnte die Vorgabe von Verbandspräsident Peter Schröcksnadel erfüllt werden, er wünschte sich vor der WM sechs bis acht Medaillen.

Hirscher und die Hundertstel – eine endlose Geschichte: „In diesem Winter reißen mir die Hundertstel die letzten Haare aus dem Kopf heraus“, kommentierte er die knappe Entscheidung. Vor zwei Jahren startete er im Slalom als Erster – wie der aktuelle Sieger stand auch er damals bis am Ende ganz oben. Diesmal war er nach Platz 28 in der Abfahrt als Dritter an der Reihe. „Dass wieder alles so mitspielt und die Piste im zweiten Durchgang wieder so nachlässt wie 2015, das war nicht zu erwarten. Es kommt oft unverhofft“, sagte Hirscher. Lange sah es sogar nach der Titelverteidigung aus, doch bei der letzten Haarnadel schlich sich ein kleiner Fehler ein. Und das kann bei einer Hundertstelentscheidung schon reichen.

Als Abfahrtsbester ging Romed Baumann im Slalom mit Startnummer 30 ins Rennen. Er war ebenso chancenlos wie Kombi-Weltcupsieger Alexis Pinturault aus Frankreich, der sich mit Rang zehn begnügen musste. „Mit einer guten Abfahrt hast du dich heute selber bestraft. Schade, dass nicht mehr drinnen war. Ich war machtlos“, betonte Baumann, der am Ende auf Rang zwölf landete. Vor vier Jahren in Schladming holte der Tiroler noch WM-Bronze in dieser Disziplin. „Die Pistenverhältnisse waren in dem Slalom schon sehr grenzwertig für die Besten in der Abfahrt“, pflichtete ihm Hirscher bei.

Nichts zu holen für Abfahrer

Zweitbester Österreicher war Vincent Kriechmayr auf Platz acht, nach der Abfahrt war er noch Zwölfter. Nichts zu holen gab es für Abfahrtsspezialist Matthias Mayer. Der Abfahrtsolympiasieger landete in der Endabrechnung auf dem 17. Rang, schon nach der Kombi-Abfahrt war er als Zehnter unter den Erwartungen geblieben: „Die Piste hat leider sehr nachgelassen, es war voll schwer.“ Der Kärntner Marco Schwarz, der überraschenderweise statt Frederic Berthold an den Start durfte, schied mit 3,42 Sekunden Rückstand nach der Abfahrt im anschließenden Slalom aus.

Aernis Sieg ist die bisher größte Überraschung dieser WM. Der 23-Jährige wurde vor drei Jahren Junioren-Vizeweltmeister im Slalom. Im Weltcup hat er es bisher noch nicht auf das Podest geschafft. Seine bisher besten Resultate erreichte er mit fünften Plätzen in den Slaloms in Kitzbühel (2014) und Madonna di Campiglio (2015). Erst am Sonntagabend war er für den WM-Bewerb nominiert worden.

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