Der „Freie Fall“ zum Start der Herren ist imposant

Ist für den Starthang verantwortlich: Bernhard Russi.  Foto: reuters

Ist für den Starthang verantwortlich: Bernhard Russi. Foto: reuters

Kampf um Gold in der Abfahrt. Favoriten zittern vor den unberechenbaren Kanadiern.

st. moritz. Sie haben ein bisschen geschwindelt, die sonst so korrekten Schweizer. Stets behaupteten sie, dieser „Freie Fall“, über den sich die besten Abfahrer der Welt in St. Moritz auf die Strecke „Corviglia“ stürzen, weise ein Gefälle von 100 Prozent auf. In Wahrheit sind es nur maximal 80 Prozent, und das auch nur auf den ersten 50 Metern. Von oben, von unten und von der Seite sieht diese Rampe trotzdem respekteinflößend aus. „Man schluckt erst einmal“, sagt der Südtiroler Dominik Paris: „Es ist wie der erste Kopfsprung vom Fünf-Meter-Turm.“

Der „Freie Fall“, und das ist verbürgt, ist der steilste Starthang im alpinen Skirennsport. Es geht von Null auf Hundert in etwa vier Sekunden. Entworfen hat dieses Steilstück Bernhard Russi, Olympiasieger von 1972, bereits für die WM 2003 in St. Moritz. Der Schweizer hatte sich geärgert, weil er bei der WM 1974, ebenfalls in St. Moritz, auf dem Flachstück, mit dem damals die Strecke begann, kein Tempo bekommen hatte. „Da konnte ich fast mit dem Publikum reden“, scherzt Russi. Er wurde damals, 1974, nur 13. Bei der Premiere des „Freien Falls“ vor 14 Jahren gewann Michael Walchhofer aus Österreich.

Vier Millionen Franken

Russi ist seit den Olympischen Winterspielen 1988 der Pistenarchitekt des Internationalen Skiverbandes FIS, demnächst wird er den Job an Landsmann Didier Defago übergeben, den Olympiasieger von 2010. Er hat halbe Berge ummodelliert, in St. Moritz fand er eine prima Piste vor – nur der Start gefiel ihm nicht. „Ich wollte deshalb zu Beginn gleich einen Knaller haben“, erklärt er. Oben auf dem Berg steht nun eine Plattform. Vier Millionen Franken hat der Umbau gekostet, für einen Lift reichte das Geld nicht mehr. Nun müssen die Rennläufer 187 Stufen nach oben stapfen zum Start.

Im Training am besten erwischt hat diese Passage offenkundig Vincent Kriechmayr, „abartig, ja leck“, sagte dazu Josef Ferstl (Hammer) beeindruckt. Zu den weiteren Sieganwärtern zählen Kjetil Jansrud (Norwegen), der Schweizer Beat Feuz und vor allem aber die Kanadier. Im Super-G gewannen Erik Guay und Manuel Osborne-Paradis Gold und Bronze, und das soll’s nicht gewesen sein. „In der Abfahrt bin ich noch höher einzuschätzen“, betont Osborne-Paradis, Guay versichert: „Wir sind wieder voll konzentriert, heute erledigen wir den Job.“

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