Angstgegner im Elferkrimi geschlagen

Manuel Neuer erwies sich gegen Italien erneut als Elfmeterkiller. Der deutsche Schlussmann hielt die Penaltys von Leonardo Bonucci und Matteo Darmian und legte so den Grundstein für das Halbfinale.
Manuel Neuer erwies sich gegen Italien erneut als Elfmeterkiller. Der deutsche Schlussmann hielt die Penaltys von Leonardo Bonucci und Matteo Darmian und legte so den Grundstein für das Halbfinale.

Deutschland besiegt sein Trauma Italien und steht im EM-Halbfinale in Frankreich.

bordeaux. Geschafft! Das Trauma Italien ist nach einem Elfmeterkrimi besiegt, die deutschen Fußball-Weltmeister stehen im Halbfinale der EM in Frankreich. Jonas Hector erzielte gegen den Angstgegner den entscheidenden Treffer vom Punkt zum 6:5, nachdem Simone Zaza, Thomas Müller, Mesut Özil, Graziano Pellè, Leonardo Bonucci, Bastian Schweinsteiger und Matteo Darmian verschossen hatten.

Im neunten Turnierspiel gegen Italien gelang der DFB-Auswahl damit endlich der erste Sieg. Nach 90 Minuten und der Verlängerung hatte es 1:1 gestanden. Vor 38.764 Zuschauern in Bordeaux hatte zunächst ein Treffer von Mesut Özil (65.) das Spiel aus seiner taktischen Erstarrung gerissen. Italien aber glich nach einem Handspiel von Jérôme Boateng im Strafraum durch Bonuccis Elfmeter aus (78.).

Danach waren die Italiener in der regulären Spielzeit näher am Siegtreffer als die deutsche Elf, in der bereits ab der 15. Minute Schweinsteiger den verletzten Sami Khedira ersetzte. In der Verlängerung, als beide Mannschaften nicht mehr das letzte Risiko suchten, besaß dann der in der 72. Minute eingewechselte Julian Draxler die beste deutsche Gelegenheit (107.). Nicht weniger als acht Mal hatte Deutschland bei großen Turnieren versucht, Italien zu knacken – achtmal ging es schief, in legendären Duellen wie dem „Jahrhundertspiel“ im WM-Halbfinale 1970 oder dem WM-Endspiel 1982. Und zuletzt im EM-Halbfinale 2012, als Bundestrainer Joachim Löw sich mit Toni Kroos als Bewacher von Andrea Pirlo verzockt hatte. Diesmal überraschte er mit einer defensiven Grundeinstellung – aber am Ende ging alles gut.

Taktische Vorgaben

Die deutsche Mannschaft hatte sich ihre Führung nach zaghaftem Beginn zunächst verdient, sie tat nach der Pause mehr als die Italiener, die auf ihren Regisseur Daniele De Rossi verzichten mussten. Der starke Mario Gomez, der das 1:0 prima eingeleitet hatte, hätte fast per Hacke das 2:0 erzielt (68.), Torhüter Gianluigi Buffon reagierte großartig. Kurz darauf musste Gomez (72.) verletzt vom Feld. Er fehlte danach als Anspielstation und Brecher im Strafraum. Ausgerechnet der bis dahin herausragende Boateng brachte mit einem Missgeschick die Italiener wieder ins Spiel. Bedrängt von Giorgio Chiellini riss er im Strafraum beide Hände nach oben, der Ball flog an seinen rechten Arm, Schiedsrichter Viktor Kassai (Ungarn) entschied zurecht auf Strafstoß. Neuer ahnte die Ecke, doch der Schuss von Bonucci war zu scharf. Bis zu den Treffern war das Spiel von den taktischen Vorgaben der beiden Trainer Löw und Antonio Conte geprägt. Der Bundestrainer etwa hatte Draxler aus der Mannschaft genommen, Benedikt Höwedes als dritten Innenverteidiger für eine Dreierkette gebracht und eine defensive Grundausrichtung angeordnet. Früh war klar: Beide Mannschaften warteten vor allem auf den entscheidenden Fehler beim Gegner.

Aus und vorbei: Italiens Spieler (Bildmitte Emanuele Giaccherini) waren nach dem Elfmeterkrimi enttäuscht und traurig.
Aus und vorbei: Italiens Spieler (Bildmitte Emanuele Giaccherini) waren nach dem Elfmeterkrimi enttäuscht und traurig.
Das ist schwer, in Worte zu fassen. Aber ich bin überglücklich, dass er doch reingegangen ist. Es waren nicht mehr viele Leute da. Irgendwann muss man dann, und dann hab ich mein Herz in die Hand genommen.
Das ist schwer, in Worte zu fassen. Aber ich bin überglücklich, dass er doch reingegangen ist. Es waren nicht mehr viele Leute da. Irgendwann muss man dann, und dann hab ich mein Herz in die Hand genommen.
Wir sind stolz auf unsere Leistung, weil wir dem Weltmeister Deutschland standgehalten haben. Natürlich schmerzt uns die Niederlage. Applaus für Conte, der eine tolle Mannschaft aufgebaut hat.
Wir sind stolz auf unsere Leistung, weil wir dem Weltmeister Deutschland standgehalten haben. Natürlich schmerzt uns die Niederlage. Applaus für Conte, der eine tolle Mannschaft aufgebaut hat.
Die Jungs haben alles gegen ein äußerst starkes Team gegeben. Im Elfmeterschießen von Deutschland besiegt zu werden, schmerzt, doch ich bin auf die Leistung meiner Mannschaft sehr stolz.
Die Jungs haben alles gegen ein äußerst starkes Team gegeben. Im Elfmeterschießen von Deutschland besiegt zu werden, schmerzt, doch ich bin auf die Leistung meiner Mannschaft sehr stolz.
Natürlich bin ich jetzt glücklich, denn das ist ein tolles Gefühl. Das Turnier ist noch nicht zu Ende, es geht noch weiter. Heute haben ja gerade die Youngster die entscheidenden Elfmeter verwandelt.
Natürlich bin ich jetzt glücklich, denn das ist ein tolles Gefühl. Das Turnier ist noch nicht zu Ende, es geht noch weiter. Heute haben ja gerade die Youngster die entscheidenden Elfmeter verwandelt.

Spielstatistik

Deutschland – Italien 6:5 i. E. (1:1,0:0)

Stade de Bordeaux, SR Kassai (Hun)

Torfolge: 65. 1:0 Özil, 78. 1:1 Bonucci (Handelfmeter)

Elfmeterschießen: 0:1 Insigne trifft, 1:1 Kroos trifft, 1:1 Zaza verschießt, 1:1 Müller scheitert an Buffon, 1:2 Barzagli trifft, 1:2 Özil schießt an die Stange, 1:2 Pellè verschießt, 2:2 Draxler trifft, 2:2 Bonucci scheitert an Neuer, 2:2 Schweinsteiger verschießt, 2:3 Giaccherini trifft, 3:3 Hummels trifft, 3:4 Parolo trifft, 4:4 Kimmich trifft, 4:5 De Sciglio trifft, 5:5 Boateng trifft, 5:5 Darmian scheitert an Neuer, 6:5 Hector trifft

Gelbe Karten: Hummels, Schweinsteiger bzw. Parolo, De Sciglio, Sturaro, Pelle, Giaccherini

Deutschland: Neuer; Höwedes, Boateng, Hummels; Kimmich, Khedira (16. Schweinsteiger), Kroos, Hector; Müller, Gomez (72. Draxler), Özil

Italien: Buffon; Barzagli, Bonucci, Chiellini (121. Zaza); Florenzi (87. Darmian), Sturaro, Parolo, Giaccherini, De Sciglio; Pelle, Eder (108. Insigne)

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