Aus der Geschichte. 20.000 Zuschauer sahen 1949 das einzige Motorradrennen in Dornbirn

Ein Oster-Spektakel vor 65 Jahren

von dietmar gasser
Konrad Amann auf seiner DKW Kompressor 250 ccm bei der Start- und Ziel-Passage in der Schulgasse, bei der heutigen Volksschule Markt.
Konrad Amann auf seiner DKW Kompressor 250 ccm bei der Start- und Ziel-Passage in der Schulgasse, bei der heutigen Volksschule Markt.

1949 wurde das einzige Motorrad-Straßenrundrennen in Dornbirn abgehalten.

Motorsport. Bei der Jahreshauptversammlung der Motorfahrersektion Dornbirn des Vorarlberger Automobilclubs (VAC) im November 1937 wies Sekretär Dr. Helmut Lanzl auf das für im Sommer 1938 geplante Straßenrundrennen in Dornbirn hin. Doch es sollte alles anders kommen, denn der Zweite Weltkrieg nahte. Dessen Folgen haben in keinen Staaten Europas auf den Motorrad-Rennsport so verheerend gewirkt, wie in Österreich und Deutschland. Nach Kriegsende stand dieser Sportzweig vor einem Nichts, denn von dem Maschinenmaterial der Vorkriegszeit war nur wenig Brauchbares übrig geblieben. Erst im September 1946 gab es mit dem Bürserbergrennen wieder die erste Motorsportveranstaltung im Ländle und die Motorfahrersektion Dornbirn erinnerte sich wieder an die früheren Pläne. Doch es sollten noch beinahe drei weitere Jahre vergehen, bis es zu Ostern 1949 mit dem „1. geschlossenen Straßenrundrennen Dornbirn“ endlich klappen sollte.

Unglaublicher Rennsport-Boom

Dornbirn hatte zu jener Zeit mit Sepp Herburger, Leo Vinatzer, Siegfried Vogel und Hubert Häusle gleich vier Renn-Kapazunder, die in aller Munde waren und die Rennen in Lustenau und Rankweil lösten einen richtigen Rennsport-Boom aus. Vor allem die Dornbirner Textilfabrikanten und auch Reinhold Fischer (Reifen Fischer) traten als Gönner auf und trugen maßgeblich dazu bei, dass es nach den Achrain-Bergprüfungsfahrten und Bödele-Bergrennen erstmals ein Straßenrundrennen in Dornbirn gab. Die Strecke war 2,18 Kilometer lang. Start und Ziel war bei der Realschule, der heutigen Volksschule Markt in der Schulgasse, wo sich im Innenhof auch das Fahrerlager befand. Von dort ging es gegen den Uhrzeigersinn über die Pfarrgasse, Moosmahdstraße und Schmelzhütterstraße wieder zurück in die Schulgasse.

Werkstättendienst über Ostern

Das Rennen zählte als erstes von vier Rennen zur Landesmeisterschaft (neben Dornbirn, Lustenau und Rankweil zählte das Rennen in Innsbruck dazu). 4600 Schilling kamen als Preisgelder zur Ausschüttung. Mit 400 Schilling für den Sieger waren die 350- und über 350 ccm-Rennen am besten dotiert. Für den Rundenrekord gab es 200 Schilling. Selbst ein Werkstättendienst wurde organisiert, damit die Teilnehmer Reparaturen durchführen konnten. So hatten Eugen Bohle in der Riedgasse und Rudolf Wehinger im Schwefel über die Osterfeiertage ihre Garagen geöffnet! Das Training fand am Ostersonntag in den späten Nachmittagsstunden statt. Am Ostermontag, dem 18. April 1949, säumten dann 20.000 (!) Zuschauer die Strecke. 40 Fahrer hatten gemeldet, die Rennen dauerten über 15 Runden.

In der 100er-Klasse brachte der Wolfurter Arthur Fischer seine DKW unangefochten ins Ziel. Dann Spannung pur in der 125-ccm-Klasse: Zunächst lag Leo Vinatzer an der Spitze, bis sein Motor nachließ und Kurt Schneeweiß vorstieß. Doch aus dem Hinterfeld stürmte plötzlich der Feldkircher Konrad Amann mit seiner Puch an die Spitze und gab die Führung nicht mehr ab. Da Amann auch in der 250er-Klasse (mit einer kompressorgetriebenen DKW) triumphierte, wurde er Doppelsieger von Dornbirn, was auch Lokalmatador Sepp Herburger gelang. Der spätere Reisebüro-Unternehmer hatte seine 350er-Norton-Manx kurz zuvor auf den neuesten technischen Stand gebracht und war für die Konkurrenz unbezwingbar.

Leiser Abgesang

Nur der bekannte Pilot Helmut Krackowizer aus Vöcklabruck blieb mit ihm in der gleichen Runde. Mit 1:37.40 Minuten (80,90 km/h Schnitt) gelang dem viel umjubelten Herburger in diesem Rennen auch die absolut schnellste Rennrunde des Tages. Eine Episode wird von den wenigen lebenden Zeitzeugen noch heute gerne erzählt: Sepp bemerkte nach dem Rennen, dass die Tankhalterung gebrochen war. In der kurzen Zeit bis zum Rennen über 350 ccm organisierte er flugs einen „Kälblestrick“ und zurrte den Tank am Rahmen fest. Mit der 350er-„Kälbestrick“-Norton war der 25-Jährige dann auf seiner Hausstrecke auch nicht von den 500er-Fahrern zu biegen, wieder wurde Krackowizer (Velocette) Zweiter.

Beim abschließenden Beiwagenrennen hatte der haushohe Favorit Julius Beer mit seinem Beifahrer Zingerle einen Motorschaden, wodurch der spätere „Müll-Baron“, Hubert Häusle (mit Leo Vinatzer im Beiboot), als erst 21-Jähriger auf einer Zündapp triumphierte. Siegfried Vogel, aber auch die verwegene Amazone Berta Zwickle aus Hard waren zu schnell unterwegs. Sie erwischten die Kurve beim Kaufhaus Gewa nicht mehr und landeten in den aufgestellten Strohballen. Es passierte nichts, das Rennen konnte ohne Verletzungen zu Ende geführt werden.

Es war geplant, das Dornbirner Motorrad-Rundenrennen auszubauen. Doch ein schwerer Unfall beim Rennen in Lustenau im September 1949, bei dem ein Zuschauer schwer verletzt wurde, bewirkte ein Umdenken beim Veranstalter. Aufwendige Streckenabsicherungen hätten den finanziellen Rahmen gesprengt und so war der Große Preis von Österreich am 11. Juni 1950 von Feldkirch-Rankweil das allerletzte Motorrad-Rundstreckenrennen auf Vorarlberger Boden.

Der Orginal-Ankünder für das Straßenrennen in Dornbirn 1949.
Der Orginal-Ankünder für das Straßenrennen in Dornbirn 1949.
Lokalmatador Sepp Herburger dominierte nicht nur die 350-ccm-, sondern auch die 500-ccm-Klasse. Privat/2
Lokalmatador Sepp Herburger dominierte nicht nur die 350-ccm-, sondern auch die 500-ccm-Klasse. Privat/2
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