Hintergrund. Das Transferabgleichungssystem im Fußball und seine Folgen

Ein Transferverbot über den FC Barcelona verhängt

Der 17-jährige Alen Halilovic war Barcelonas letzter Einkauf. ap
Der 17-jährige Alen Halilovic war Barcelonas letzter Einkauf. ap

FIFA-Sanktion gilt für zwei Wechselperioden – Katalanen kündigten Einspruch an.

Fußball. Auslöser des Transferverbots für den FC Barcelona ist das Transferabgleichungssystem TMS (Transfer Match System) des Internationalen Fußball-Verbandes FIFA. Dieses spezielle Online-System gibt es seit dem 1. Oktober 2010. Es soll internationale Transfers transparenter gestalten und den Schutz von Minderjährigen sichern.

Das System nutzt moderne elektronische Technologien zur Erfassung von Daten. Stehen zwei Klubs vor einem Transfergeschäft, müssen sie relevante Daten in das System eingeben und mit der TMS-Datenbank abgleichen. Damit ein Transfer zustandekommt, müssen die Vereinsdaten exakt mit denen des TMS übereinstimmen.

Die Ermittlungen gegen Barcelona betreffen mehrere minderjährige Spieler, die über verschiedene Zeiträume zwischen 2009 und 2013 beim Verein registriert waren und mit diesem an Wettbewerben teilnahmen. Dem spanischen Meister werden demnach Verstöße gegen die internationalen Transferbestimmungen bei zehn minderjährigen Spielern vorgeworfen. Erst wenn ein Fußballer mindestens 18 Jahre alt ist, darf er laut Artikel 19 des Reglements international transferiert werden. Der Klub, der zu einer Geldstrafe von 369.500 Euro sowie zu einem Transferverbot bis Juni 2015 verurteilt wurde, hat nun 90 Tage Zeit, die Situation aller fraglichen minderjährigen Spieler zu legalisieren. Der Schutz für Fußballer unter 18 Jahren zählt zu den Grundsätzen der Vereinbarung, die FIFA, UEFA und Europäische Kommission 2001 getroffen haben.

Der FC Barcelona wird gegen das Transferverbot Einspruch vor dem Internationalen Gerichtshof (CAS) einlegen. „Unsere Schule zur Ausbildung von Nachwuchsfußballern ist weltweit ein Vorbild“, hieß es seitens der Katalanen. Das Reglement, auf das sich der Weltverband berufe, stelle das Modell der Ausbildung von Talenten in Frage. Ein typisches Beispiel sei Lionel Messi. Nach FIFA-Normen hätte der Argentinier nicht in der Barca-Schule „La Masia“ ausgebildet werden können. Der Klub plädierte dafür, für die Fußballschulen – ähnlich wie für die Stadien – Standards aufzustellen, deren Einhaltung die FIFA überwachen könne. Allerdings ist Barcelona nicht der erste Verein, der auf diese Weise büßen muss. Beispiele sind:

FC Nantes: Transferverbot für ein Jahr wegen des Verhaltens beim Wechsel von Ismael Bangoura. Zudem musste der Klub 4,5 Mill. Euro als Kompensation an Al Nasr für die Vertragsauflösung von Bangoura zahlen. Der Spieler wurde für vier Monate gesperrt.

Chelsea FC: Weil der Klub den französischen Nachwuchsspieler Gael Kakuta zum Vertragsbruch ermuntert habe, wurden die Londoner mit einem Transferverbot für ein Jahr belegt. Kakuta wurde zudem für vier Monate gesperrt und Chelsea musste eine Entschädigung in Höhe von 780.000 Euro an Lens zahlen.

FC Sion: Die Schweizer durften zwei Transferperioden keine Spieler unter Vertrag nehmen, weil man 2008 den ägyptischen Torhüter Essam Al Hadari zum Vertragsbruch angestiftet hatte. 2011 kommt es zum Rechtsstreit über das Transferverbot-Ende. In der Folge wird Sion aus der Europa League ausgeschlossen und der Schweizer Verband zieht dem Klub auf Druck der FIFA 36 Punkte ab.

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