„Sie treffen besser als Wilhelm Tell“

Martin Gerber wird gefeiert – der 38-jährige Torhüter ist für die Schweizer ein starker Rückhalt. Aber heute hütet Reto Berra das Tor. Foto: ap
Martin Gerber wird gefeiert – der 38-jährige Torhüter ist für die Schweizer ein starker Rückhalt. Aber heute hütet Reto Berra das Tor. Foto: ap

Die Schweiz greift bei der Eishockey-WM nach dem ersten Edelmetall seit 60 Jahren.

eishockey. Diese furiosen Rekord-Schweizer haben noch immer nicht genug. Während sich große Eishockey-Nationen wie Russland und Kanada schon wieder auf den Heimweg machen, greifen die Eidgenossen bei der WM in Stockholm nach dem historischen Edelmetall. 60 Jahre nach Bronze kann das Team von Headcoach Sean Simpson wieder eine Medaille erobern. „Diese Truppe ist enorm hungrig auf mehr“, sagte Stürmer Reto Suri der Zeitung „20Minuten“ nach dem hart erkämpften 2:1 im Viertelfinale über Tschechien. Trotz der fantastischen Rekordserie von acht Siegen in allen acht Spielen betonte Martin Plüss: „Wir müssen auch jetzt auf dem Boden bleiben.“

Eine Medaille ist das Ziel

Das scheint den Schweizer Medien nicht zu gelingen. „Wie wärs mit Weltmeister?“, titelte der „Walliser Bote“. Die „Berner Oberländer Zeitung“ wähnt „die Schweiz auf den Spuren des großen Russland“. Was für ein Vergleich – zumal die „Sbornaja“, die sich im Vorjahr noch ungeschlagen zum WM-Gold zauberte, diesmal mit einem 3:8 gegen die USA verabschiedet wurde. Die Amerikaner sind heute (19 Uhr) Halbfinal-Gegner der Eidgenossen. „Letztlich haben wir aber noch nichts erreicht“, meinte Andres Ambühl. „Es ist cool und ein weiterer Schritt. Die Medaille ist jetzt sicher das Ziel.“ Auch Torhüter und Viertelfinal-Sieggarant Martin Gerber betonte: „Wir wollen sicher noch weiter gehen in diesem Turnier.“ Die Schweizer „treffen das Ziel besser als Wilhelm Tell“, wie die Autoren des humoristischen „Power Rankings“ auf der Homepage des Weltverbands fanden.

Sechs Mal waren die „Eisgenossen“ in den vergangenen zehn Jahren im Viertelfinale ausgeschieden. „Sie haben es getan, sie haben die Mauer eingerissen“, jubelte „Le Matin“ und erkor die Auswahl von Simpson zur „besten Schweizer Mannschaft der Geschichte“. Auch die „Tribune de Genève“ stellte fest: „Dieses Mal hat das Schweizer Team sein Rendezvous mit der Geschichte nicht verpatzt.“ In der Vorschlussrunde gegen die USA und dem folgenden Finale oder Spiel um Platz drei kann sich die Schweiz mit Gold, Silber oder Bronze dekorieren. Morgen trifft sie entweder auf Schweden oder Finnland, die sich davor im zweiten Halbfinale (15 Uhr) ein mit Spannung erwartetes Gastgeber-Duell liefern.

Den Heimfluch beenden

Für die „Tre Kronor“ geht es nach dem Zittersieg über Kanada (3:2 nach Penaltyschießen) nicht nur um Prestige, die Wiedergutmachung nach dem Viertelfinal-Aus 2012 vor eigenem Publikum und Revanche für das verlorene Endspiel 2011 in Bratislava gegen Finnland. Das Team will in Stockholm auch einen langen WM-Heimfluch beenden: Seit 1986 hat kein Turnier-Ausrichter mehr Gold in der eigenen Stadt gewonnen.

Die Truppe ist enorm hungrig auf mehr.

reto suri
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