VN-Interview. Adi Hütter (42)

„Es geht um die Gesamtheit“

von Christian Adam
Jubeln gemeinsam: Adi Hütter als Architekt und Christian Haas (r.) als Bauherr des Grödiger Fußballwunders.
Jubeln gemeinsam: Adi Hütter als Architekt und Christian Haas (r.) als Bauherr des Grödiger Fußballwunders.

Der Meister-Macher als Teamplayer – Grödig-Trainer Adi Hütter über das Erfolgsgeheimnis.

Fussball. Nur 162 Spiele auf der Trainerbank hat Adi Hütter gebraucht, um seinen ersten großen Erfolg einzufahren. Mit Grödig hat der Altacher seinen Aufstieg in die Bundesliga fixiert, den VN verriet er sein Erfolgsgeheimnis.

Meister-Trainer Adi Hütter. Hört sich doch gut an?

Adi Hütter: Eigentlich realisieren wir das Ganze noch nicht. Das kommt wohl erst, wenn wir den Titel überreicht bekommen. Das war immer mein Ziel, als ich das Handwerk des Trainers erlernt habe. Als ich bei den Juniors begonnen habe, wollte ich mir fünf Jahre Zeit geben, um zu sehen, wie ich mich entwickle. Jetzt bin ich im fünften Jahr, und ich darf sagen: Es ist schön, mit der eigenen Mannschaft aufzusteigen. Als Spieler kenne ich das Meister-Gefühl bereits, aber jetzt als Trainer hat es für mich noch mehr Gewicht.

Was ist das Geheimnis des Grödiger Erfolgs?

Hütter: Das ist in erster Linie der Manager, der vor zehn Jahren eine Vision ausgesprochen hat. Christian Haas glaubt nicht nur an etwas Großes, er lebt es auch ständig vor. Ohne ihn und seinen Vater Toni wäre dieser Erfolg nie möglich gewesen. Sie haben mir die Möglichkeit gegeben, mich hier zu entfalten. Die Arbeitsmöglichkeiten hier sind Bundesliga-tauglich. Ich wollte einen zweiten Kotrainer haben, einen, der selbst schon als Cheftrainer gearbeitet hat und zugleich loyal ist. Für mich war klar, dass er aus meinem Freundeskreis sein muss. Edi Glieder ist seit 25 Jahren ein wichtiger Teil in meinem Leben. Daneben habe ich einen weiteren Kotrainer, einen Tormanntrainer, einen Physiotherapeuten und einen Masseur. Somit sind wir sechs Leute beim Training, da lässt es sich professionell arbeiten. Zudem haben wir die richtigen Spieler geholt. Sie waren vielleicht nicht die erste Adresse, aber sie haben sich weiterentwickelt. Die Mannschaft und unser Spiel tragen meine Handschrift. Wir spielen Fußball, kombinieren von hinten bis vorne. Ein wichtiger Bestandteil ist weiters der Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft – und dass wir von Beginn an eigentlich nie Druck gehabt haben.

Gibt es für Sie so etwas wie ein Schlüsselerlebnis in dieser Saison?

Hütter: Ein solches war im Herbst der Heimsieg gegen die Austria, die bis dahin eine überragende Saison gespielt hatte. Danach haben wir drei Spiele verloren. Wir haben uns dann mit den Spielern zusammengesetzt. Da habe ich herausgehört, dass viele meinten, nun etwas Besonderes machen zu müssen. Wir haben versucht, uns wieder auf das Wesentliche zu konzentrieren und sind in den letzten beiden Spielen vor der Winterpause wieder in die Spur gekommen. Dennoch hat uns niemand wirklich ernst genommen, auch mit dem Hintergrund der Spielabsagen im Frühjahr. Und dann kam wieder das Spiel gegen die Austria, dieses Mal in Lustenau. Ich habe gesagt: Wir fahren dorthin und gewinnen. Dieser Sieg hat uns enorm Kraft gegeben. Dabei haben wir mit 18 Feldspielern und zwei Torleuten nach dem FC Lustenau sicher den zweitkleinsten Kader. Weil wir aber kaum Verletzungen hatten und die Schlüsselspieler in guter Form sind, konnten wir das Maximum herausholen.

Hat sich der Trainer Adi Hütter in dem Jahr in Grödig verändert?

Hütter: Als Trainer stößt du auf viele Ereignisse, die dich überraschen, aber auch weiterbringen. In Altach habe ich mir vielleicht selbst zu viel Druck auferlegt. Ich wollte meinem Klub einfach etwas zurückgeben. Wichtig ist mir eine Selbstreflexion. Ganz sicher bin ich in gewissen Situationen etwas gelassener geworden. Zugleich versuche ich, noch lösungsorientierter zu arbeiten. Dazu zähle ich die Teamarbeit mit meinem Trainerstab.

Die „Causa Boller“ hat in Lustenau für viel Wirbel gesorgt. Es schaut fast danach aus, als wäre es bewusst gesteuert worden.

Hütter: Wir haben gewusst, dass der Spieler unzufrieden ist. Und die Möglichkeit, einen Mann wie Sascha Boller zu bekommen, haben wir dann genutzt. So ist das Geschäft. Es tut mir leid, aber das kann uns ebenfalls passieren. Der Spieler Boller hat mir schon in der Zeit in Altach gefallen, dass er nicht einfach ist, wissen wir. Die Spieler in Grödig aber wissen, dass ich nicht der Kumpeltyp bin. Mir geht es um die Gesamtheit, und wer dem Kollektiv schadet, der kriegt Probleme mit mir.

Wie sehen die Personalplanungen für die Bundesliga aus?

Hütter: Wir haben einen Kader von 13, 14 Spielern – das ist wichtig. Erst einmal werden wir mit unseren Spielern reden. Nach dem Aufstieg haben wir bezüglich Neuverpflichtungen sicherlich einen anderen Zugang. Als Bundesligist ist es leichter, Spieler zu bekommen. Wir suchen Leute, die unser Niveau noch heben – eigentlich für jede Formation.

Hat sich nach dem Titelgewinn Ihr Exklub gemeldet?

Hütter: Insgesamt habe ich sicher mehr als 110 SMS bekommen. Von Christoph Längle habe ich eine E-Mail erhalten, die richtig unter die Haut ging. Darüber habe ich mich sehr gefreut, denn die Jahre in Altach waren wichtig für mich. Für diese Chance bin ich dankbar, auch wenn wir unsere Ziele nicht erreicht haben.

Ein Wort zu Kevin Fend?

Hütter: Er ist für mich der „Rookie of the year“, einfach der Tormann des Jahres. Was mich aber selbst an ihm überrascht hat, ist seine Persönlichkeit. Wie er auf dem Feld auftritt: einfach sensationell. Immerhin war es für ihn die erste Saison in einer Profiliga. Was mir an ihm weiters gefällt, ist seine Bescheidenheit und dass er sich nicht nur als Tormann, sondern auch als Mensch weiterentwickelt hat.

Meistertrainer Hütter schließt Goalie Fend in die Arme. Gepa/2
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