Vettel der „Guru von Indien“

Perfekter Start in Noida für das Red-Bull-Duo Sebastian Vettel und Mark Webber. Fernando Alonso (links) quetschte sich an den McLaren vorbei auf den dritten Platz. Foto: apa
Perfekter Start in Noida für das Red-Bull-Duo Sebastian Vettel und Mark Webber. Fernando Alonso (links) quetschte sich an den McLaren vorbei auf den dritten Platz. Foto: apa

Red-Bull-Weltmeister fuhr in Noida zum vierten Sieg in Serie – ­Alonso auf Platz zwei.

formel 1. Erst bejubelte „Formel-1-Guru“ Sebastian Vettel ausgelassen ein mal wieder „perfektes Wochenende“, dann ließ eine einzige Frage sein Dauerlächeln gefrieren. „Manchmal steht Bullshit in der Presse“, sagte der Red-Bull-Pilot über die von Titelrivale Ferrari gestreuten Gerüchte über eine Vettel-Verpflichtung 2014. Und dann stellte er klar: „Ich stehe zu 100 Prozent zu Red Bull, und sie stehen zu 100 Prozent zu mir. Und ich könnte im Moment nicht glücklicher sein.“

Schallmauer durchbrochen

Einen Grund zum Zweifeln hat der Weltmeister, der seine fünf Saisonsiege alle in Asien feierte, derzeit in der Tat nicht. Sein Auto „Abbey“ und er sind derzeit ein perfektes Paar und scheinen auf dem Weg zum dritten WM-Titel unaufhaltsam zu sein. Der vierte Erfolg hintereinander ist die längste Siegesserie in Vettels Karriere, mit sämtlichen Führungsrunden in drei aufeinanderfolgenden Rennen stellte er einen mehr als 20 Jahre alten Rekord von Ayrton Senna ein. Zudem durchbrach er als dritter Fahrer nach Michael Schumacher und seinem aktuellen Titelrivalen Fernando Alonso
die 1000-Punkte-Schallmauer (1013).

Der Sieges-Jubel wurde somit fast schon zur Routine: Das „Yes, baby“, den Streichler über „Abbeys“ Chassis und den in die Kameras gereckten Vettel-Finger hatte man schon nach den vorherigen drei Rennen gesehen, doch das Strahlen des 25-Jährigen zeigte die wahrlich außergewöhnliche Freude. „Es ist unglaublich, fantastisch, schon wieder diesen schönen Pokal zu gewinnen“, sagte Vettel unter dem Jubel der indischen Fans, wollte aber noch nichts von einer Vorentscheidung im Titelkampf wissen: „Das war ein großer Schritt in der WM, aber es ist noch ein weiter Weg.“

Ferrari kämpft

In nur sieben Rennen hat er 44 Zähler Rückstand in 13 Punkte Vorsprung auf Fer­nando Alonso umgewandelt. Der Spanier verhinderte mit seinem zweiten Rang von Startplatz fünf aus zumindest, dass der Deutsche den Titel-Hattrick schon am Sonntag in Abu Dhabi vollenden kann. Deshalb fühlte sich der Weltmeister von 2005 und 2006 auch nicht als Verlierer, sondern als zweiter Sieger. „Wir sind zufrieden. Wir haben Punkte verloren, aber das Maximum geholt“, sagte Alonso: „Jubeln wollen wir nach dem letzten Rennen in Brasilien und nicht hier.“

Dafür kämpft Ferrari mit allen Mitteln. So hatte die BBC unter Berufung auf eine Ferrari-Quelle gemeldet, dass Vettel zur Scuderia wechseln würde. „Ich lese nicht viel, deshalb bin ich manchmal überrascht, wenn ich an die Strecke komme und solche Fragen gestellt bekomme“, meinte Vettel verägert: „Es gibt nichts zu berichten, es hat sich nichts geändert, es ist nichts unterschrieben.“

Ein weiterer Spielverderber war Stallrivale Mark Webber. Der Australier, der vor dem Rennen mehrfach seine Weigerung unterstrichen hatte, sich auf eine Teamorder einzulassen, schaffte es aufgrund von KERS-Problemen nicht, Platz zwei gegen Alonso zu verteidigen. Und dann sorgte er auf der Pressekonferenz auch noch für einen Eklat: Als Vettel Alonso nach der Frage, was jeder der beiden WM-Aspiranten am liebsten vom anderen hätte, den Tausch der Baseball-Mützen vorschlug, stand Webber einfach auf und verließ kopfschüttelnd das Podium.

Manöver von Alonso

Vettel erwischte einen zähen Start, behielt aber seine Führung. Hinter ihm riskierte Alonso Kopf und Kragen. Der Spanier kassierte mit einem waghalsigen Manöver gleich die beiden McLaren von Button und Hamilton, musste Button aber wieder passieren lassen, wobei sich um ein Haar die Reifen berührt hätten. Alonso überholte schließlich Webber, für einen Angriff auf den Deutschen war der Rückstand aber zu groß – obwohl bei Vettel kurzzeitig die Funken aus dem Auto flogen und die Ferrari-Box den Spanier anfeuerte: „Es funkt wie die Hölle. Setz ihn unter Druck!“

Kalte Dusche in Indien – Sebastian Vettel (l.) vergrößerte mit seinem Sieg in Indien den WM-Vorsprung auf Fernando Alonso. Foto: ap
Kalte Dusche in Indien – Sebastian Vettel (l.) vergrößerte mit seinem Sieg in Indien den WM-Vorsprung auf Fernando Alonso. Foto: ap

Wir fahren nicht gegen Vettel, wir fahren gegen Adrian Newey.

fernando alonso
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